Meinung

Wagenknechts Schiffbruch

Ralf Balke Foto: Marco Limberg

Meinung

Wagenknechts Schiffbruch

Nur etwa zwei Jahre nach seiner Gründung steht das BSW vorm endgültigen Scheitern – eine gute Nachricht! Dennoch bleibt ein übler Nachgeschmack

von Ralf Balke  04.12.2025 11:46 Uhr

Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet – auf diese Formel ließe sich die Geschichte des »Bündnis Sahra Wagenknecht« (BSW) bringen. Nachdem seine Gründerin 2023 der Partei »Die Linke« Lebewohl gesagt hatte, um die Politik aufzumischen, sah sich das BSW schon überall als Zünglein an der Waage. Zehn Prozent und mehr würden für sie stimmen, hieß es lange in den Umfragen. Aus dem Stand heraus fuhr das BSW zweistellige Ergebnisse in Sachsen, Thüringen und Brandenburg ein. In Magdeburg und Potsdam wurde die Partei so zum Königsmacher. Bei der Bundestagswahl aber scheiterte man denkbar knapp an der Fünfprozenthürde.

Die Ernüchterung kam rasch. Erst brodelte es heftig zwischen Wagenknecht und dem Thüringer Landesverband, und nun herrschen auch in Brandenburg Chaostage. BSW-Fraktionsvize Christian Dorst hatte Holocaust relativierende Aussagen eines AfD-Politikers gedeckt, um daraufhin die Kritik von Zentralratspräsident Josef Schuster an diesen Äußerungen als »wahrhaft perfide« und »Instrumentalisierung des Holocaust« zu bezeichnen. Das sorgte für Wirbel, Dorst trat zurück.

Die Gefahr, dass eine andere Wagenknecht irgendwann kommt und klüger agiert, bleibt bestehen.

Koalitionsärger gab es obendrein, weil man aufgrund des Drucks der Berliner Parteizentrale gegen eine Änderung der Medienstaatsverträge gestimmt hatte, weshalb drei Abgeordnete wegen »autoritärer Tendenzen« das BSW verließen.

Wagenknechts Projekt, linke und rechte Positionen jenseits der Mitte unter einen Hut zu bringen, scheint krachend gescheitert. Das mag erst einmal beruhigen. Dennoch bleibt ein übler Nachgeschmack. Offensichtlich gibt es hierzulande ein Wählerpotenzial, das Sozialleistungen lieber nur Deutschen zukommen lassen möchte, mit einer Autokratie wie Russland null Probleme hat, umso mehr dagegen mit Israel – für all das steht das BSW.

Lesen Sie auch

Warum man Schiffbruch erleiden musste, lag also nicht an den Inhalten, sondern am Personal, allen voran an Wagenknecht und ihrem Politikstil nach Gutsfrauenart. Die Gefahr, dass eine andere Wagenknecht irgendwann kommt und klüger agiert, bleibt aber bestehen.

Der Autor ist Historiker und freier Journalist in Berlin.

Meinung

Iranischer Staatsterror: Zeit zu handeln, Herr Bundeskanzler!

Die Islamische Revolutionsgarde des Iran wollte den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zufolge Josef Schuster und Volker Beck ermorden lassen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben

von Michael Thaidigsmann  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD

Douze Points für Israel - und dann Schweigen

von Guy Katz  17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026