Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026 12:27 Uhr

Auf den ersten Blick wirkt die Jewrovision wie eine große Party. Musik, Applaus und kreischende Fans, die nach jedem Show-Act den Saal zum Kochen bringen. Für die Kinder und Jugendlichen ein Highlight ihres Jahres. Wenn nebenbei noch die beste Performance oder das beste Video gewinnt – umso besser. Aber das Ranking ist im Grunde zweitrangig. Im Zentrum stehen jüdische Identität, Zusammenhalt und Stärke. Der Mut, laut und sichtbar zu sein, wird großgeschrieben.

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich für viele jüdische Kinder und Jugendliche in Deutschland etwas verändert. Antisemitismus ist sichtbarer und aggressiver geworden. Viele erleben Anfeindungen in der Schule, in sozialen Netzwerken oder auf der Straße. Umso wichtiger sind Orte wie die Jewrovision. Orte, an denen junge Jüdinnen und Juden nicht erklären müssen, wer sie sind. Orte, an denen sie sich sicher fühlen können und vor allem: nicht allein sind.

Alle Kinder sollten einer Zukunft entgegensehen dürfen, die von Sicherheit und Zuversicht geprägt ist.

Was aber zu denken gibt, ist, wie tief sich diese Angst und Unsicherheit in den Köpfen der Kinder festgesetzt hat. Wenn sie in ihren Beiträgen die Geschichte von Ariel Bibas, dem rothaarigen kleinen Jungen, der am 7. Oktober von der Hamas verschleppt und ermordet wurde, erzählen, wenn sie Videos über Hakenkreuze auf dem Familienauto in der Tiefgarage drehen oder wenn sie Zeilen wie »In Israel ein Krieg, in Deutschland Juden leiden« singen, sollte das ein Warnsignal für all jene Politiker und Politikerinnen sein, die so gern routinemäßig das »Nie wieder« bemühen.

Lesen Sie auch

Kinder in Deutschland sollten keine Angst haben, auch jüdische nicht. Sie sollten einer Zukunft entgegensehen dürfen, die von Sicherheit und Zuversicht geprägt ist – und nicht von Sorge, Ausgrenzung oder Hass. Selbst wenn hinter den Jewrovision-Beiträgen auch Erwachsene stehen, die mitgeschrieben und -produziert haben, waren es Kinder, die diese Botschaften auf die Bühne getragen haben – mit einer Ehrlichkeit und Wucht, die einem unter die Haut geht.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD

Douze Points für Israel - und dann Schweigen

von Guy Katz  17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026

Meinung

Was Sachsen-Anhalt im Herbst droht

Nach den aktuellen Umfragen ist eine Alleinregierung für die AfD zum Greifen nah. Was das allein für die Erinnerungspolitik bedeuten würde, konnte man zuletzt an der Reaktion der Landespartei auf den 8. Mai beobachten

von Mascha Malburg  13.05.2026

Debatte

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  18.05.2026 Aktualisiert

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026