Bericht

Amnesty benennt »Architekten von Gräueltaten« im Iran

Die Iranerin Mahsa Amini wurde wegen falschen Tragens des Kopftuchs umgebracht. Foto: picture alliance / Middle East Images

Vier Jahre nach der blutigen Niederschlagung von »Frauen Leben Freiheit«-Protesten im Iran prangert Amnesty International eine anhaltende »tödliche staatliche Unterdrückungsmaschinerie« an. Diese werde weiter von jenen kontrolliert, die für damalige Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich gewesen seien, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation.

Die Proteste hatten sich am Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini in Polizeigewahrsam am 16. September 2022 entzündet. Die junge Frau war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht den Vorschriften entsprechend getragen hatte. Die Demonstrationen waren mit massiver Gewalt niedergeschlagen worden - ebenso wie Anti-Regierungs-Proteste Anfang dieses Jahres. Nach Schätzung von Menschenrechtlern wurden allein am 8. und 9. Januar 2026 Tausende Protestierende getötet.

Ruf nach Strafverfolgung

In einem mehr als 1.000 Seiten umfassende Bericht »Architects of Atrocities« (»Architekten von Gräueltaten«) listet Amnesty International nun auf, wie iranische Behörden mit gewaltsamen Repressionen, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzuordnen seien, gegen die Proteste von 2022 vorgingen. Dokumentiert werden auch Befehlsstrukturen, und 87 damals verantwortliche Personen werden benannt. Die UN-Vollversammlung müsse einen internationalen Strafverfolgungsmechanismus schaffen, um sicherzustellen, dass Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen würden und sich auch Massaker wie vom Januar 2026 nicht wiederholten, forderte Amnesty.

Die Niederschlagung der Proteste 2022 sei ein »umfassender und systematischer Angriff auf die Zivilbevölkerung« gewesen, erklärte Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International. Der Bericht decke zudem auf, wie eine Struktur der Straflosigkeit zu »sich verschärfenden Zyklen« von Tötungen bei Protesten geführt habe.

Für den Report stützte sich Amnesty den Angaben zufolge auf 270 Interviews, mehr als 2.000 Videos und die Analyse zahlreicher Dokumente. epd 

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