Vormarsch der Huthi-Miliz

Angst vor Eskalation auf der Arabischen Halbinsel

Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September
Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Die jüngsten Ereignisse auf der Arabischen Halbinsel schüren Ängste vor einer Eskalation mit unüberschaubaren Folgen für den Welthandel. Der UN-Sicherheitsrat tagte bereits in einer zweiten Dringlichkeitssitzung zu den Entwicklungen im Jemen. Durch den Konflikt dort wurden seit Anfang des Monats UN-Schätzungen zufolge bereits mehr als 125.000 Menschen zur Flucht gezwungen. 

Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hatte in einer Blitzoffensive in der vergangenen Woche die gesamte Westküste des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht und strategisch gelegene Inseln erobert. Sie hat damit praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Durch diesen Wasserweg führt die wichtigste Schifffahrtsroute zwischen Europa und Asien. Hat die Huthi-Offensive das Blatt für Teheran gewendet?

Die Huthi bauen nach dpa-Informationen inzwischen ihre Stellungen um die Meerenge aus. Wie eine den Streitkräften der international anerkannten Regierung nahestehende Quelle mitteilte, hoben die Rebellen etwa Gräben aus, um die kürzlich eroberten Gebiete an der Rotmeerküste zu verteidigen. Auch von Minen war die Rede, ob von Seeminen oder Landminen blieb jedoch unklar.

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Riad warf den Huthi am Dienstag (US-Ortszeit) im UN-Sicherheitsrat vor, mit dem Zugriff auf die Meerenge die internationale Gemeinschaft und die Weltwirtschaft in Geiselhaft nehmen zu wollen und forderte eine geschlossene Reaktion. China rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Die USA beschuldigten den Iran, die Huthi mit Geld sowie Waffen zu unterstützen und mit Vorgaben zu lenken.

Teheran beschränkt infolge des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen das Land seit Monaten die Schifffahrt durch die ebenfalls bedeutende Straße von Hormus. Eine Gegenblockade durch die USA und Wirtschaftssanktionen machen Teheran jedoch schwer zu schaffen. Durch die Huthi-Offensive hat sich das Blatt nun womöglich gewendet. 

Ob der Iran sein Ziel damit erreiche, die anderen Golfstaaten für eine Nachkriegsordnung für die Straße von Hormus zu gewinnen - oder ob weitere Staaten in den Konflikt hineingezogen würden, bleibe abzuwarten, sagte der Nahost-Experte und Islamwissenschaftler Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität in Jerusalem im dpa-Gespräch.

Huthi-Angriff auf die heilige Stadt Mekka?

Die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz beschießt im Zuge der Eskalation des Jemen-Kriegs auch wieder verstärkt Ziele im benachbarten Saudi-Arabien. Das sunnitische Königreich ist mit der international anerkannten Regierung im Jemen verbündet und bombardiert die schiitische Miliz, die seit Jahren die Hauptstadt Sanaa und weitere Gebiete kontrolliert.

Die saudi-arabische Luftabwehr fing nach Militärangaben nahe der für Muslime heiligen Stadt Mekka eine Huthi-Drohne ab. Das unbemannte Flugobjekt wurde demnach im Süden der Stadt zerstört. Turki al-Maliki, der Sprecher des von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses, das im Jemen an der Seite der Regierung gegen die Huthi-Miliz kämpft, bezeichnete den Angriff auf der Plattform X als »schändliche Tat«. Empörung kam auch vom pakistanischen Regierungschef Shehbaz Sharif, der den angeblichen Drohnenangriff auf Mekka als »feige und niederträchtig« kritisierte. 

Saudi-Arabien wird teils auch aus dem nördlichen Nachbarland Irak angegriffen. Hinter diesen Attacken werden schiitische Milizen vermutet, die ebenfalls vom Iran unterstützt werden.

Ein Huthi-Vertreter wies den Vorwurf zurück. »Die Behauptung, Mekka sei das Ziel gewesen, ist eine abgedroschene Lüge, die schon früher verbreitet wurde und inzwischen niemanden mehr täuscht«, schrieb Hesam al-Assad auf X. 

Fuchs warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. »Die Huthi haben keinerlei Interesse, die heiligsten Stätten des Islams absichtlich zu treffen. Vielmehr ist Saudi-Arabien gerade händeringend auf der Suche nach Bündnispartnern, um sich den Huthi entgegenzustellen«, sagte der Professor. Da komme der Aufschrei, Mekka selbst sei in Gefahr, gerade recht. Trotzdem werde das kaum ausreichen, um Ägypten, Pakistan oder die Türkei zu einer militärischen Intervention zu bringen.

Huthi wollen F-15-Kampfjet abgeschossen haben

Die Huthi warfen Saudi-Arabien vor, allein in dieser Woche mehr als 450 Luftangriffe im Jemen geflogen zu haben. Bei Angriffen mit Kampfjets vom Typ F-15 und Eurofighter seien auch Zivilisten verletzt und getötet worden, Zahlen nannte der Sprecher jedoch nicht. Ein saudischer F-15-Kampfjet sei abgeschossen worden, eine Bestätigung aus Riad gab es dafür zunächst nicht.

Saudi-Arabien wird teils auch aus dem nördlichen Nachbarland Irak angegriffen. Hinter diesen Attacken werden schiitische Milizen vermutet, die ebenfalls vom Iran unterstützt werden. Sie wähnt Riad auch hinter einem Angriff auf die wichtige Ost-West-Pipeline in der vergangenen Woche. Über die mehr als 1.200 Kilometer langen Röhren können pro Tag bis zu sieben Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Liter) aus der Region am Persischen Golf zur Verschiffung nach Westen ans Rote Meer gepumpt werden.

Experte: Tage der USA als Ordnungsmacht am Golf sind gezählt

Auf eine militärische Intervention der USA warten die Saudis und ihre Verbündeten bislang vergeblich. Die Tage, in denen Washington als Ordnungsmacht am Golf auftrat, sieht Fuchs inzwischen als gezählt an. »Zerstörte Militärbasen und das Unvermögen und nun auch der Unwille, engen Verbündeten beizustehen, werden ihre Spuren hinterlassen«, so der Wissenschaftler.

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