Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Juri Rosov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rostock Foto: Stephan Pramme

Ich schreibe diesen Text kurz vor Rosch Haschana. In wenigen Stunden beginnt der feierliche Gottesdienst in unserer Rostocker Synagoge, genauso wie fast überall auf der Welt.

Und dann beginnt auch ein unsichtbarer Timer zu laufen, ein Timer für genau zehn Tage, für Jamim Noraim – die jüdischen Hohen Feiertage –, bis das Schicksal der Menschen besiegelt wird. Wie jedes Jahr … Aber in diesem Jahr soll das für uns, die Juden in Mecklenburg-Vorpommern (übrigens auch für die in Berlin), ein wenig anders sein.

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Denn genau am zehnten Tag wird gewählt. Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie einige besonders fromme Leser sich die Haare raufen und stöhnen: »Was für eine Unverschämtheit! Wie kann man den Schweriner Landtag mit dem Gericht Gottes vergleichen? Wo liegt diese Stadt überhaupt? In Deutschland?«

Ich bitte tausendmal um Verzeihung, wenn ich jemanden verletzt habe, aber ich glaube, dass diese Wahlen eine immense Bedeutung haben. Wird der besorgniserregende Trend, der bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt? Kommt es wirklich, wie einige träumen, zu einer »Blauen Welle«, sogar zu einem Tsunami?

Ich bin fest überzeugt, dass wir, wie auch jede andere religiöse Minderheit, uns nur in einer demokratischen, toleranten Gesellschaft positiv entwickeln können.

Ich bin fest überzeugt, dass wir, wie auch jede andere religiöse Minderheit, uns nur in einer demokratischen, toleranten Gesellschaft positiv entwickeln können. Für mich ist klar, dass es in der stickigen Atmosphäre des völkischen Nationalismus keine Perspektive für jüdisches Leben gibt.

Wie viele andere Juden will auch ich nicht in eine DDR 2.0, vorwärts in die Vergangenheit, wie das die Populisten versprechen. Wir gehen jetzt in die Synagogen, um zehn Tage lang für uns, für unsere Familien, für unsere Gemeinden zu beten. Wir beten aber auch für unser schönes Bundesland, wo wir nun zu Hause sind – ob es jedem gefällt oder nicht. Wir beten auch für unser Land, das nicht untergehen soll.

Der Autor ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rostock.

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