Kommentar

»Ich esse gerne Wassermelonen«

Verrückter Onkel von ganz rechts: BSW-Kandidat Michael Lüders Foto: picture alliance / Sipa USA

Da stand er, ganz rechts. Noch rechts von der AfD-Frau Kristin Brinker. Es wirkte fast wie eine Familienaufstellung beim Therapeuten. Er gab dabei den verrückten Onkel, mit dem zurecht keiner etwas zu tun haben will.

Die Rede ist von Michael Lüders, seines Zeichens gemeinsam mit dem ehemaligen Linken-Politiker Alexander King Spitzenkandidat des »Bündnis Sahra Wagenknecht« (BSW) bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Lüders stand im Fernsehstudio in der Sendung »Wahlarena«, zu der der öffentliche-rechtliche Fernsehsender RBB am Mittwochabend eingeladen hatte. Fünf Tage vor dem Wahltag debattierten die Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Grünen, Linken, AfD und eben BSW über Mieten, Verkehrspolitik, Sicherheit – und Antisemitismus.

Lüders hat sich in Deutschland als sogenannter Nahostexperte einen Namen gemacht, was laut dem Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender aber auch nicht unbedingt etwas anderes heißt, als dass er wiederholt Aussagen getätigt hat, »die antisemitische Narrative bedienen«.

Ausgestattet mit einem Anstecker in Form des einstigen britischen Mandatsgebiets Palästina trat Michael Lüders vor die Kameras.

Was das bedeuten kann, demonstrierte er am Mittwochabend im RBB. Ausgestattet mit einem Anstecker in Form des einstigen britischen Mandatsgebiets Palästina trat er vor die Kameras. Damit das Symbol nicht etwas als Solidarität mit dem Staat Israel verwechselt wird, war die Minikarte wie eine Wassermelone eingefärbt – ein Symbol der Palästinenser.

Lesen Sie auch

Als sich nun Zuschauer dazu meldeten und Moderator Sascha Hingst deswegen Lüders befragte, was denn dieses Symbol bedeuten solle, witzelte der Herr Nahostexperte zunächst herum, er esse halt gerne Wassermelonen. Um dann zu behaupten, das sei ein »Symbol für den palästinensischen Widerstandswillen«, denn den Palästinensern drohe, »in ihrer Existenz vernichtet zu werden«. Schließlich habe der Staat Israel keine festgelegten Grenzen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Dass dies in allererster Linie an den politischen Vertretern der Palästinenser liegt, die über Jahrzehnte ein ums andere Mal Friedensabkommen ablehnten, die auch festgelegte Grenzen bedeutet hätten – geschenkt. Der eigentliche Skandal war, dass Lüders mit seinem Anstecker tatsächlich die Existenz des Staates Israel bestritt, denn von dem war auf der Karte nichts zu sehen. Davon konnte auch Lüders mit seinem wortreichen Exkurs über umstritten Grenzziehungen nicht ablenken.

Nein zum Davidstern, ja zur Wassermelone

Tragisch war allerdings, dass neben dem »verrückten Onkel« Lüders sowohl die Vertreterin der Rechtsaußenpartei AfD als auch Linken-Kandidatin Eralp, bei der keine Verurteilung von Antisemitismus ohne eine zeitgleiche Erwähnung von Rassismus gegen Kopftuchträgerinnen möglich schien, geradezu vernünftig wirkten.

Ein weiterer Skandal: Als ein Zuschauer Davidsterne verteilt, um darauf aufmerksam zu machen, dass Juden zurecht Angst davor haben, in Berlin mit ihrem Davidstern auf die Straße zu gehen, wurde dies von den Moderatoren schnell unterbunden. Die Botschaft, die sie mit ihrer Sendung so verbreiteten: Nein zum Davidstern, ja zur Wassermelone.

anchuelo@juedische-allgemeine.de

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Gesundheitswesen: Was Deutschland von Israel lernen könnte

Israels Erfolg bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ist kein Hightech-Geheimnis, sondern das Ergebnis klarer politischer Führung

von Jacques Abramowicz  10.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte vielmehr über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026