Yale-Umfrage

Jüngere Wähler in den USA äußern häufiger antisemitische Ansichten

In den USA stimmen junge Nutzer von Plattformen wie TikTok antisemitischen Aussagen öfter zu, als Zeitungsleser. Foto: picture alliance / PhotoAlto

Eine neue Yale Youth Poll zeichnet ein alarmierendes Bild zum Antisemitismus in den USA. Der Umfrage nach neigen besonders jüngere Wähler deutlich häufiger dazu, antisemitischen Aussagen zuzustimmen als ältere Generationen. Zugleich unterschätzen viele das Ausmaß judenfeindlicher Gewalt im Land.

Für die Studie wurden mehr als 3400 registrierte Wähler befragt, darunter überproportional viele Menschen unter 35 Jahren. Im Mittelpunkt standen klassische antisemitische Stereotype, Verschwörungserzählungen sowie Einstellungen zu Israel und zur jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten.

Nach Angaben der Forscher stimmten zwar 67 Prozent keiner der drei getesteten antisemitischen Aussagen zu. Dennoch zeigte sich ein klarer Altersunterschied: Zehn Prozent der Befragten zwischen 18 und 34 Jahren unterstützten alle drei Aussagen gleichzeitig. Bei den über 65-Jährigen lag dieser Wert nur bei zwei Prozent.

Boykotte jüdischer Geschäfte

Zu den abgefragten Behauptungen gehörten Aussagen wie, Juden in den USA seien Israel loyaler als Amerika, jüdische Amerikaner hätten zu viel Macht oder Boykotte jüdischer Geschäfte seien ein legitimes Mittel des Gaza-Protests. Gerade unter jüngeren Teilnehmern war die Zustimmung höher als im Landesdurchschnitt.

Lesen Sie auch

Auch bei weiteren Verschwörungsnarrativen zeigen sich deutliche Werte. Ein Viertel aller Befragten unterstützte die Aussage, Juden verfügten über eine stark organisierte internationale Gemeinschaft, die eigene Interessen über die ihrer Heimatländer stelle. Unter den 18- bis 34-Jährigen lag die Zustimmung mit 29 Prozent noch höher.

Zugleich wird Antisemitismus von vielen offenbar nicht als gravierendes Problem wahrgenommen. Insgesamt erklärten 63 Prozent, Judenhass sei derzeit ein ernstes Thema in den USA. Unter jungen Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren sagten dies jedoch nur 55 Prozent. Bei den über 65-Jährigen waren es 78 Prozent.

Wissenslücke bei Hasskriminalität

Noch deutlicher fällt die Wissenslücke bei Hasskriminalität aus. Nur 40 Prozent der Befragten wussten oder glaubten, dass jüdische Amerikaner zu den am stärksten betroffenen Gruppen bei Hassverbrechen zählen. Unter jüngeren Wählern stimmten dem lediglich 21 Prozent zu.

Die Umfrage untersuchte auch Holocaust-bezogene Aussagen. Sechs Prozent aller Teilnehmer meinten, das Ausmaß des Holocaust werde übertrieben dargestellt. 17 Prozent erklärten, Juden sollten »mit dem Holocaust abschließen«. Gleichzeitig unterstützten 82 Prozent verpflichtenden Holocaust-Unterricht an Schulen.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass Nutzer sozialer Medien wie TikTok, Instagram, X oder Reddit häufiger antisemitischen Aussagen zustimmten als Menschen, die ihre Nachrichten vor allem aus Zeitungen, Fernsehen oder klassischen Nachrichtenportalen beziehen. im

Alle Ergebnisse der Yale-Umfrage sind hier einsehbar.

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Wahl in Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor Regierungsbeteiligung der Linken

Präsident Josef Schuster hat sich trotz des Wahlsiegs der Partei Die Linke in Berlin dagegen ausgesprochen, diese mit Regierungsverantwortung zu betrauen

 20.09.2026

Landtagswahlen

Merz: CDU-Ergebnis in MV »ein Desaster«

Die CDU muss bei den Wahlen zu den Landesparlamenten in der Hauptstadt und im Nordosten Verluste einstecken. Der Kanzler und Parteivorsitzende äußert sich gleich kurz nach Schließung der Wahllokale

 20.09.2026

Landtagswahl

Hochrechnungen: Linke bei Berlin-Wahl klar vor CDU

In den Umfragen lagen Linke und CDU zuletzt in etwa gleichauf. Nach den ersten Zahlen deutet sich ein deutlicher Gewinner an

 20.09.2026 Aktualisiert

Landtagswahl

Hochrechnungen: AfD knapp vor SPD in MV - CDU zittert

In Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit ihrer SPD in den vergangenen Wochen eine Aufholjagd hingelegt. Nach ersten Zahlen verfehlt ihre Partei dennoch Platz eins

 20.09.2026 Aktualisiert

Nahost

Regierungstruppen im Jemen erobern Gebiete von Huthi zurück

Nach der Blitzoffensive der Huthi laufen die Gefechte im jemenitischen Gebirge weiter. Einen strategischen Erfolg kann aber keine der Konfliktparteien erreichen

 20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Nahost

Bedroht der Huthi-Vormarsch im Jemen den Welthandel?

Die Huthi-Miliz bringt im Jemen die Einfahrt zum Roten Meer unter ihre Kontrolle. Bisher scheint sich die Lage für die Schifffahrt nicht zuzuspitzen

 20.09.2026