München

Proiranische Terror-Gruppe reklamiert Anschlag auf Restaurant für sich

Polizeibeamte ermitteln nach dem Anschlag vor dem »Eclipse«. Foto: picture alliance / SZ Photo

Knapp eine Woche nach dem Brandanschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in München verdichten sich die Hinweise auf eine Verbindung zur internationalen Terrorszene. Nach Informationen des »Spiegel« gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass ein Bekennervideo zu dem Anschlag von der schiitischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia (HAYI) stammt. Die Generalstaatsanwaltschaft München bestätigte, dass das Video Gegenstand laufender Ermittlungen ist.

HAYI ist erst seit gut einem Monat bekannt. Die Gruppe hatte sich in mehreren Videos zu einer Anschlagsserie in Europa bekannt, darunter Attacken auf Synagogen in Lüttich und Rotterdam, ein Vorfall vor einem Bürogebäude in Amsterdam sowie ein Brandanschlag auf Krankenwagen in London. Bei allen Vorfällen blieb es bei Sachschäden.

In der Nacht zum vergangenen Freitag hatten Unbekannte gegen 0.45 Uhr Fensterscheiben des Restaurants in der Münchner Maxvorstadt eingeschlagen und Brandsätze ins Innere geworfen. Das Lokal war zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt und niemand wurde verletzt. Die Täter entkamen unerkannt.

Faust umschließt Gewehr

Das 27-sekündige Video, das auf einem Propagandakanal veröffentlicht wurde, zeigt Fotos des Tatorts und eine mit dem Wort »Target« markierte Google-Maps-Ansicht des Restaurants. In einem auf Hebräisch, Arabisch und Deutsch verfassten Text heißt es: »Es hätte am Tag passieren können und die Zionisten wären dabei getötet worden.« Das Video ist mit martialischer Musik unterlegt und trägt ein Logo mit einer Faust, die ein Gewehr umschließt – ein Symbol, das regelmäßig von Gruppen der sogenannten »Achse des Widerstands« (gegen Israel) verwendet wird.

Lesen Sie auch

Ob HAYI tatsächlich eine eigenständige Organisation ist, ist nicht ganz klar. Experten halten es für möglich, dass der iranische Geheimdienst hinter den Anschlägen steht und für deren Ausführung Personen aus dem kriminellen Milieu anheuert – sogenannte Wegwerfagenten, die nicht aus ideologischer Überzeugung, sondern gegen Bezahlung handeln. Das Label HAYI könnte dabei gezielt eingesetzt werden, um eine direkte Zuordnung zum iranischen Staat zu erschweren.

Gegenüber dem »Spiegel« äußerte sich der Terrorismusexperte Julian Lanchès vom International Centre for Counter-Terrorism in Den Haag: »Es ist möglich, dass HAYI den Anschlag lediglich im Nachhinein für sich reklamieren will, ohne tatsächlich dafür verantwortlich zu sein.« Dennoch sei die Veröffentlichung bedeutsam: »Das Video zeigt erstmals sehr deutlich, dass die Gruppe oder die tatsächlichen Hinterleute ihren Fokus auch auf Deutschland gerichtet haben.«

Auffällig ist zudem, dass das Video – anders als frühere HAYI-Bekennungen – kein Täterwissen enthält und ausschließlich öffentlich zugängliches Bildmaterial zeigt. Es wurde erst fünf Tage nach dem Anschlag veröffentlicht. im

Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Die Hochschulleitungen müssen den Judenhass ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland

von Debora Eller  22.07.2026

Meinung

Herr Kretschmer, es gibt nichts mit der AfD zu bereden!

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt einmal mehr die Brandmauer in Frage und will »mit jedem reden, der reden will«. Doch reden muss man allenfalls mit den Wählern der AfD

von Michael Thaidigsmann  22.07.2026

Österreich

Hitlers Geburtshaus ist nun eine Polizeistation

1889 kam der spätere Diktator Adolf Hitler im österreichischen Braunau am Inn zur Welt. Das Gebäude wurde in der Vergangenheit immer wieder von Neonazis aufgesucht. Damit soll Schluss sein

von Matthias Röder  22.07.2026

Washington D.C.

Berichte: Trump genehmigt Atom-Deal mit Saudi-Arabien

Die Nachricht fällt mit der Eskalation des Iran-Krieges zusammen. Kritiker warnen vor einem atomaren Wettrüsten in der instabilen Region

 22.07.2026

Meinung

Es reicht!

Im Angesicht der brutalen und mutmaßlich antisemitisch motivierten Gewalttat bei Würzburg muss endlich über Verantwortlichkeiten geredet werden

von Volker Beck  22.07.2026

Berlin

Bericht des Jüdischen Forums: 329 antisemitische Vorfälle bei Demonstrationen

Als durchgängiges Motiv nennt der Bericht den Ruf nach einer »Globalisierung der Intifada«

 22.07.2026

Berlin

Dobrindt kündigt baldige Nachfolge für Antisemitismusbeauftragten Felix Klein an

Klein selbst spricht sich für eine nahtlose Übergabe aus

 22.07.2026

Würzburg

Schuster sorgt sich um Brandmauer gegen die AfD

Im September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. In Umfragen ist die AfD mit Abstand stärkste Kraft. Der Präsident des Zentralrats der Juden blickt mit Sorge auf die CDU

 22.07.2026

Augsburg

Acht Monate Haft für antisemitischen TikTok-Kommentar

»Adi warum hast du nicht alles ein Ende gebracht« soll der Verurteilte unter einen Beitrag der »Tagesschau« geschrieben haben

 22.07.2026