Frau Schmütz, Sie wurden vergangenes Wochenende zur neuen Vorsitzenden des »Jungen Forums« (JuFo), der Organisation für Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Alter zwischen 14 und 35 Jahren, gewählt. Was wollen Sie in Ihrer neuen Funktion als Erstes angehen?
Mit dem, was der vorherige Vorstand getan hat, bin ich sehr zufrieden, und es bildet eine gute Basis, auf der wir aufbauen können. Grundsätzliche Änderungen sind also nicht geplant. Nach meiner Einarbeitungsphase wollen wir als JuFo jedoch noch präsenter werden und zeigen, wer wir sind und wofür wir stehen. Gerade in der jungen Generation bleibt Israel ein brennendes Thema, und das trotz des Waffenstillstands in Gaza. Wir wollen deshalb weiter eine Gegenstimme zu israelfeindlichen Narrativen sein - auch wenn es sich manchmal anfühlt wie gegen Windmühlen zu kämpfen.
In Ihrem Bewerbungsschreiben haben Sie angemerkt, dass Israel unter jungen Deutschen so unbeliebt ist wie nie. Wie wollen Sie das ändern?
Ein Problem ist, dass in der jungen Generation viele keinen direkten Bezug zu Israel mehr haben. Das hat oft praktische Gründe: Wegen der Corona-Pandemie und der Kriege im Nahost ist es seit Jahren schwierig, dorthin zu reisen. In unserer Elterngeneration haben noch deutlich mehr Menschen über Austausch- und Freiwilligendienste das Land persönlich erleben können. Wer Israel wirklich kennt, kann Propaganda und Fake News ganz anders begegnen. Wir wollen daher die Delegationsreisen des JuFo nach Israel weiterhin möglich machen und den Jugendaustausch zwischen beiden Ländern fördern. Zugleich wollen wir die vielen Facetten Israels über kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und unseren Social-Media-Auftritt in Deutschland bekannter machen.
»Das Schöne am Jungen Forum ist, dass wir Mitglieder mit allen parteipolitischen Hintergründen haben.«
anika schmütz
Sie sind eine junge Deutsche und haben trotzdem kein negatives Israelbild. Wie kommt das?
Zum einen wurde ich noch in der Zeit vor Corona politisiert und hatte so die Möglichkeit, Israel zu besuchen. Zum anderen hat mich meine Mutter in dieser Hinsicht sehr geprägt: Sie hat sich in ihrer eigenen Schulzeit selbständig intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigt und mir das Bewusstsein mitgegeben, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und der Kampf gegen den Antisemitismus ist. Ich habe das immer als Teil meiner eher linken Sozialisierung begriffen. Umso absurder war es für mich, im Studium feststellen zu müssen, wie viel Hass auf Israel es gerade unter denjenigen gibt, die sich eigentlich gegen die Diskriminierung von Menschen einsetzen.
Sie sind aktives Mitglied der Grünen, einer Partei links der Mitte. Macht Sie das im Jungen Forum zu etwas Besonderem?
Nein, ganz und gar nicht! Das Schöne am Jungen Forum ist, dass wir Mitglieder mit allen parteipolitischen und gesellschaftlichen Hintergründen haben, die in der Sache zusammenarbeiten. Das ist auch wichtig, denn Linke übersehen manchmal Phänomene des Antisemitismus und Israelhasses, die Konservative besser im Blick haben – und andersherum. Deshalb bin ich froh, dass das Junge Forum so breit aufgestellt ist.
Dennoch fremdeln insbesondere Linke und Grüne zunehmend mit Israel. Betrachten Sie es als eine Ihrer Aufgaben, ins eigene Milieu hineinzuwirken?
Definitiv. Bei den Grünen ist es zum Glück nicht so, dass man isoliert ist, wenn man israelsolidarisch ist. Von uns gibt es in der Partei viele, und wir haben ein großes Netzwerk. Doch wir spüren stärker werdende Widerstände, und deshalb bleibt es wichtig, auch unter den eigenen Leuten weiter Aufklärungsarbeit über Israel zu leisten.
Organisationen wie dem Jungen Forum und der DIG wird oft vorgeworfen, sich zum Sprachrohr der in Teilen rechtsextremen israelischen Regierung zu machen. Was entgegnen Sie dieser Kritik?
Wir sind nicht die Sprecher irgendeiner Regierung. Unser Ziel ist die Stärkung der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel, und das insbesondere auf zivilgesellschaftlicher Ebene. Wenn wir uns zu Israel und Nahost äußern, machen wir uns aber besonders für die israelische Perspektive stark. Wir finden nämlich, dass diese Perspektive im deutschen Diskurs unterrepräsentiert ist.
Wann steht Ihre nächste Israelreise an?
Ich hoffe, noch in diesem Jahr!
Mit der Vorsitzenden des Jungen Forums sprach Joshua Schultheis.