Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Das Hauptquartier der World Bank in in Washington, D.C. Foto: picture alliance / Matrix Images

Kurz nach den Massakern der Hamas vom 7. Oktober 2023 wurden Vorwürfe gegen Massimiliano Cali laut, den Ehemann der wegen israelfeindlichen Äußerungen kritisierten UN-Sonderberichterstatterin Francesca Alabanese. Im Frühjahr 2024 dokumentierte die Genfer NGO UN Watch Calis Verbal-Angriffe gegen Israel.

Demnach verglich er die Situation von Kindern im von den Nazis belagerten Warschauer Ghetto mit palästinensischen Kindern in Gaza. Israel, so der Weltbank-Angestellte, erfinde »Phantom-Messer-Attacken«, um »Blutbäder« zu rechtfertigen. Auch soll Cali den jüngsten UNO-Bericht seiner Frau verbreitet haben, in dem Israel ein angeblicher Völkermord vorgehalten wird, während der 7. Oktober keine Erwähnung findet.

Massimiliano Cali unterstützte schon im Jahr 2014 eine Petition, in der Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als »Massenmörder« bezeichnet und die Forderung erhoben wurde, der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag möge ihn anklagen. Die Hamas hatte im Sommer 2014 Israel mit Raketen angegriffen. Die israelische Armee reagierte mit einem sieben Wochen dauernden Einsatz im Gazastreifen.

Ethikkodex der Weltbank

Kurz nach dem 7. Oktober 2023 warf Cali amerikanischen, deutschen und italienischen Abgeordneten vor, angeblich von Israel begangene »wahllose Massaker an den Palästinensern« zu unterstützen. Die Massaker der Hamas erwähnte er in seinem Beitrag nicht. Eine lange Liste israelfeindlicher Social-Media-Einträge ist dokumentiert.

Nun berichtet UN Watch unter Berufung auf Francesca Albanese und Massimiliano Cali, ihren Ehemann, die Weltbank habe den Ökonom von einer leitenden Funktion abgezogen. Nach Darstellung der Organisation geschah dies nach einer formellen Beschwerde wegen seiner früheren Beiträge in sozialen Netzwerken.

Die Weltbank teilte auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen mit, sich nicht zu Personalangelegenheiten zu äußern. Eine Sprecherin erklärte gegenüber dieser Zeitung jedoch: »Die Weltbank-Gruppe verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form, einschließlich Antisemitismus. Das ist in unserem Ethikkodex festgeschrieben.«

Lesen Sie auch

Man habe der Weltbank im vergangenen Jahr Unterlagen übermittelt, in denen Calis über einen langen Zeitraum veröffentlichte Kommentare dokumentiert worden seien, sagt UN Watch. Die Organisation wirft ihm vor, den palästinensischen Terrorismus zu relativieren, antisemitische Inhalte zu verbreiten sowie gegen die USA, den Westen und Juden gehetzt zu haben.

Cali soll bislang weiter bei der Weltbank beschäftigt sein, jedoch nicht mehr seine bisherige Aufgabe im Zusammenhang mit Syrien ausüben. Eine offizielle Bestätigung der Weltbank liegt aber nicht vor.

UN Watch zitiert allerdings Cali selbst, der die Maßnahme demnach bestätigte. Im Rahmen eines Gerichtsverfahrens in den USA, in dem er gegen Sanktionen vorgeht, die sich gegen Francesca Albenese richten, erklärte er demnach:»Am 12. August 2025 begann UN Watch, die Weltbank zu drängen, mein Arbeitsverhältnis zu beenden.« Später habe ihn das Management informiert, dass seine Position als leitender Länderökonom für Syrien »aufgrund anhaltenden externen Drucks« ausgesetzt worden sei.

UN Watch fordert nun die vollständige Trennung von dem Mitarbeiter.

Albanese kritisiert Vorgehen

In einem Interview mit der britischen Zeitung »The Guardian«, erklärte derweil Francesca Albanese, pro-israelische Aktivisten aus Genf hätten ihren Mann gezielt »verfolgt«. Gemeint war offenbar UN Watch. »Die Weltbank war völlig feige«, so die UNO-Berichterstatterin. Zugleich verteidigte sie ihren Mann mit den Worten: »Er hat in all seinen Positionen hervorragende Leistungsnachweise.«

Francesca Albanese ist als UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete zuständig.

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Wahl in Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor Regierungsbeteiligung der Linken

Präsident Josef Schuster hat sich trotz des Wahlsiegs der Partei Die Linke in Berlin dagegen ausgesprochen, diese mit Regierungsverantwortung zu betrauen

 20.09.2026

Landtagswahlen

Merz: CDU-Ergebnis in MV »ein Desaster«

Die CDU muss bei den Wahlen zu den Landesparlamenten in der Hauptstadt und im Nordosten Verluste einstecken. Der Kanzler und Parteivorsitzende äußert sich gleich kurz nach Schließung der Wahllokale

 20.09.2026

Landtagswahl

Hochrechnungen: Linke bei Berlin-Wahl klar vor CDU

In den Umfragen lagen Linke und CDU zuletzt in etwa gleichauf. Nach den ersten Zahlen deutet sich ein deutlicher Gewinner an

 20.09.2026 Aktualisiert

Landtagswahl

Hochrechnungen: AfD knapp vor SPD in MV - CDU zittert

In Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit ihrer SPD in den vergangenen Wochen eine Aufholjagd hingelegt. Nach ersten Zahlen verfehlt ihre Partei dennoch Platz eins

 20.09.2026 Aktualisiert

Nahost

Regierungstruppen im Jemen erobern Gebiete von Huthi zurück

Nach der Blitzoffensive der Huthi laufen die Gefechte im jemenitischen Gebirge weiter. Einen strategischen Erfolg kann aber keine der Konfliktparteien erreichen

 20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Nahost

Bedroht der Huthi-Vormarsch im Jemen den Welthandel?

Die Huthi-Miliz bringt im Jemen die Einfahrt zum Roten Meer unter ihre Kontrolle. Bisher scheint sich die Lage für die Schifffahrt nicht zuzuspitzen

 20.09.2026