Eine Statue des jüdischen Gelehrten Maimonides ist in der südspanischen Stadt Córdoba mit einem Hakenkreuz beschmiert worden. Die Tat wurde am Samstag entdeckt und wird von den Behörden als mutmaßliches Hassverbrechen untersucht. Der Bürgermeister der Stadt, José María Bellido, verurteilte den Vorfall scharf und sprach von einem Hasssymbol mit einer besonders schwerwiegenden Botschaft. Die Publikation »Jewish News« berichtete.
Die Statue befindet sich im ehemaligen jüdischen Viertel Córdobas und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bis zur Restaurierung wurde der beschädigte Sockel von der Stadtverwaltung abgedeckt. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.
Maimonides, auch unter dem Namen Rambam bekannt, wurde im 12. Jahrhundert in Córdoba geboren und gilt als einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters. Nachdem seine Familie infolge der almohadischen Eroberung Andalusiens gezwungen worden war, die Stadt zu verlassen, lebte er später überwiegend in Ägypten. Dort machte er sich als Arzt einen Namen und diente unter anderem Sultan Saladin. Seine Werke über die Tora, jüdisches Recht und Philosophie werden bis heute weltweit studiert.
Die mehr als 60 Jahre alte Bronzestatue steht auf dem Tiberias-Platz, der nach der israelischen Stadt benannt ist, in der Maimonides begraben liegt. Sie ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Ziel für Besucher aus aller Welt.
Die jüdische Gemeinde von Barcelona reagierte mit deutlichen Worten auf die Schändung. In einer Erklärung heißt es: »Unsere Große Synagoge trägt mit Stolz den Namen Maimonides als Hommage an einen der größten sephardischen Denker der Geschichte, der in Córdoba geboren wurde. Seine Statue mit einem Nazi-Symbol anzugreifen, ist ein Angriff auf unsere gemeinsame Geschichte, auf das Goldene Zeitalter, auf unsere Kultur und auf die Werte von Wissen, Freiheit und Zusammenleben, für die sein Vermächtnis steht. Hass darf niemals über die Kultur siegen.«
Die Tat ereignet sich vor dem Hintergrund eines deutlichen Anstiegs antisemitischer Vorfälle in Spanien. Das Land, aus dem die jüdische Bevölkerung 1492 auf Anordnung der katholischen Könige Ferdinand und Isabella vertrieben wurde, hatte in den vergangenen Jahrzehnten Nachfahren sephardischer Juden die Möglichkeit eröffnet, die spanische Staatsangehörigkeit zurückzuerlangen. Zugleich wird die aktuelle spanische Regierung international immer wieder für ihre scharfe Kritik an Israel wahrgenommen. im