Studie

Spaniens Migrationskrise wird online mit antisemitischen Verschwörungsmythen verknüpft

In Ceuta ruhen sich gerade eingetroffene Migranten am Strand aus. Foto: picture alliance / Anadolu

Nach dem jüngsten Anstieg irregulärer Migration in Spaniens nordafrikanische Exklave Ceuta haben sich im Internet zahlreiche antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitet. Einer Analyse des Antisemitism Research Center (ARC) der in Moundridge (Kansas) ansässigen Organisation Combat Antisemitism Movement (CAM) zufolge erreichten Beiträge, in denen Israel und Juden für die Migrationsbewegungen verantwortlich gemacht wurden, innerhalb weniger Tage ein Millionenpublikum.

Auslöser war der Grenzübertritt von mehr als 50.000 Migranten nach Ceuta Ende Juli. Das ARC untersuchte 173 besonders reichweitenstarke Beiträge von 119 einflussreichen Nutzerkonten in sozialen Netzwerken. Die untersuchten Posts erzielten demnach innerhalb von zwei Tagen rund 57,5 Millionen Aufrufe, eine geschätzte Reichweite von mehr als 103 Millionen Menschen, fast zwei Millionen Likes und mehr als 368.000 Weiterleitungen.

In zahlreichen Beiträgen wurde ohne Belege behauptet, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe die Migration nach Spanien gesteuert. Ein besonders verbreiteter Beitrag enthielt laut der Analyse ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Bild, das Netanjahu zeigt, wie Migranten aus seinem geöffneten Mund auf einen spanischen Strand strömen. Der Beitrag sei rund 5,3 Millionen Mal angesehen worden.

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Schnell und aufwühlend

Andere Nutzer verbreiteten die Behauptung, Israel habe über den Auslandsgeheimdienst Mossad die Migration gezielt organisiert oder »zugegeben«, hinter den Ereignissen zu stehen. Für diese Anschuldigungen wurden keine Beweise vorgelegt.

Sacha Roytman Dratwa, Geschäftsführer der Combat Antisemitism Movement, sieht in der Verbreitung solcher Inhalte ein strukturelles Problem sozialer Medien. »Dies ist keine Geschichte über einige wenige schlechte Akteure«, sagte er laut »The Times of Israel«. »Es ist die Geschichte einer Plattform, deren Gestaltung die schnellste und aufwühlendste Erklärung belohnt – und auf X ist diese Erklärung zunehmend eine jüdische Verschwörung.«

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Das ARC wertet die Entwicklung als Beispiel dafür, wie aktuelle politische Krisen genutzt werden, um alte antisemitische Narrative neu zu verbreiten. Statt komplexe gesellschaftliche, wirtschaftliche oder politische Ursachen zu analysieren, würden einzelne Gruppen oder Staaten für globale Ereignisse verantwortlich gemacht.

Die Untersuchung weist darauf hin, dass Verschwörungserzählungen über Israel und Juden bei Krisenereignissen regelmäßig hohe Reichweiten erzielen. Nach Einschätzung der Forscher verstärken Empfehlungsmechanismen sozialer Plattformen besonders emotionale und polarisierende Inhalte, wodurch unbelegte Behauptungen schneller verbreitet werden können. im

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