New York/Madrid

»Warum unterhält Spanien noch immer koloniale Enklaven in Afrika?«

Israels UNO-Botschafter Danny Danon Foto: picture alliance / Pacific Press

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat Israels UN-Botschafter Danny Danon die spanische Regierung kritisiert und ihr Doppelmoral im Umgang mit der Migrationskrise in der nordafrikanischen Exklave Ceuta vorgeworfen. Seine Äußerungen lösten in Madrid heftige Reaktionen aus und verschärften die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Danon erklärte auf der Plattform X, Spanien nutze jede Gelegenheit, Israel zu belehren, habe nun aber wegen der Lage in Ceuta selbst den Ausnahmezustand ausgerufen. »Spanien verpasst keine Gelegenheit, Israel Vorhaltungen zu machen. Vielleicht sollte es, bevor es uns weiter belehrt, der Welt erklären, warum es noch immer koloniale Enklaven in Afrika unterhält«, schrieb der israelische Diplomat. Gemeint sind Ceuta und Melilla an der nordafrikanischen Küste.

Die Kritik erfolgte, nachdem innerhalb weniger Stunden Zehntausende Migranten von Marokko aus die Grenze nach Ceuta überquert hatten. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums gelangten rund 50.000 Menschen in die Exklave, von denen die meisten später wieder nach Marokko zurückkehrten. Gleichzeitig wurden auf spanischer Seite mindestens 72 Todesopfer geborgen. Weitere Opfer werden auf marokkanischem Gebiet vermutet.

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In Spanien reagierte Verkehrsminister Óscar Puente auf Danon, indem er eine vieldeutige Bemerkung auf X postete: »Nun, jetzt werden die Dinge langsam ziemlich klar.« Diese wurde von Beobachtern als Anspielung auf eine bereits weit verbreitete Verschwörungstheorie verstanden, wonach Israel und die USA die Ankuft der Migranten orchestrierten.

Die israelische Botschafterin in Madrid, Dana Erlich, versuchte, zu deeskalieren, indem sie sich von Danon distanzierte. Sie erklärte, seine Kommentare zur Lage in Ceuta entsprächen nicht der offiziellen Position des Staates Israel.

Die Kontroverse reiht sich in die seit Jahren wachsenden Spannungen zwischen Jerusalem und Madrid ein. Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez gehört zu den entschiedensten Kritikern der israelischen Politik im Gazastreifen und erkannte 2024 einen palästinensischen Staat an – ein Schritt, der die Beziehungen zu Israel gerade nach den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023 weiter belastete. im

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