Berlin

Iranische Agenten planten Anschläge auf jüdische Einrichtungen

Foto: picture alliance / dpa

Iranische Geheimdienste sollen Anschläge gegen jüdische Ziele in Deutschland vorbereitet haben. Demnach standen eine Synagoge in Berlin sowie die Jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main im Fokus mutmaßlicher Planungen des iranischen Regimes. Mehrere hochrangige Vertreter westlicher Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden bestätigten dies der »WirtschaftsWoche« und der »New York Times«.

Vor rund zwei Jahren soll ein führender Vertreter der Gemeinde in Frankfurt ausgespäht worden sein. Ein mutmaßlicher Agent habe unter anderem Fotos von Briefkasten, Klingelschild und Fahrzeugkennzeichen gemacht und den Namen des Betroffenen in Chats erwähnt. Vor einigen Wochen sei dieselbe Gemeinde erneut ins Visier geraten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Sicherheitskreise bewerten die Bedrohung dem Bericht nach deutlich ernster als bislang öffentlich dargestellt. Während Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wiederholt von einer hohen, aber abstrakten Gefahr durch den Iran gesprochen hätten, seien die Erkenntnisse der Dienste wesentlich konkreter. Ein hochrangiger Geheimdienstvertreter sprach laut »Wirtschaftswoche« von »allgemeiner Planlosigkeit« im Umgang mit der Bedrohung. Es gebe »kein Sicherheitskonzept«.

Hohe Gefärdungslage

Die Bundesregierung äußerte sich auf Anfrage der »Wirtschaftswoche« zurückhaltend. Man nehme sämtliche Gefährdungshinweise ernst, erklärte ein Sprecher. »Der Schutz jüdischen Lebens und israelischer Einrichtungen in Deutschland hat höchste Priorität.« Zu nachrichtendienstlichen Erkenntnissen wolle sich die Regierung grundsätzlich nicht öffentlich äußern.

Lesen Sie auch

Auch die Landeskriminalämter verwiesen auf eine anhaltend hohe Gefährdungslage. Das hessische LKA erklärte demnach, jüdische und israelische Einrichtungen seien weiterhin stark durch politisch motivierte Kriminalität bedroht. Das Berliner LKA wollte sich nicht konkret äußern.

Nach Angaben europäischer Geheimdienste haben iranische Dienste ihre Aktivitäten in Europa massiv ausgeweitet. Allein in Deutschland sollen laut dem Bericht rund vier Dutzend Sabotageakte vorbereitet worden sein. Dabei habe es sich nicht nur um Sachbeschädigungen gehandelt, sondern auch um Planungen für schwere Körperverletzungen und Mordanschläge.

Schuster und Beck

Die iranischen Dienste setzen demnach zunehmend auf sogenannte Wegwerf-Agenten. Dabei würden Kriminelle gegen Bezahlung für einzelne Taten angeworben, ohne selbst direkte Geheimdienstkontakte zu haben. Als mögliche Helfer werden laut Bericht unter anderem Rockergruppen, Auftragskiller sowie Mitglieder des schwedischen Foxtrot-Netzwerks genannt. Westliche Geheimdienste vermuten demnach Verbindungen des Netzwerks zum iranischen Regime.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte zuletzt auch die Anklage der Bundesanwaltschaft gegen zwei mutmaßliche iranische Agenten. Sie sollen unter anderem Vorbereitungen für mögliche Anschläge auf den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sowie den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, getroffen haben. im

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026

Extremismus-Bericht

Auschwitz Komitee macht AfD für gestiegenen Rechtsextremismus verantwortlich

Die Zahl der Extremisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz weiter gestiegen. Dafür macht das Komitee vor allem die AfD verantwortlich

 01.07.2026