Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Ralf Balke Foto: Marco Limberg

Albanien hat ein besseres Handynetz als Deutschland. So lautete 2018 das Ergebnis einer Studie über die Qualität der Mobilfunkabdeckung in Europa, die damals Schlagzeilen machte. Auf die Überraschung folgten Häme und Spott. Das kleine Land auf dem Balkan war besser aufgestellt als die reiche Indus­trienation.

Aber nicht nur in Sachen Handynetz hatte Albanien schon 2018 Deutschland etwas voraus. Im selben Jahr verwies Tirana mehrere iranische Diplomaten des Landes. Die Begründung: Sie stellten eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar. 2022 mussten schließlich alle iranischen Botschaftsangehörigen Albanien innerhalb von
24 Stunden verlassen. Tirana brach zudem die diplomatischen Beziehungen ab.

Nicht nur in Sachen Handynetz hatte Albanien schon 2018 Deutschland etwas voraus.

Das geschah nicht aus heiterem Himmel. Mehrfach zuvor hatte der Iran seine Cyber-Krieger auf albanische Regierungseinrichtungen losgelassen. Auch war das Verhältnis zwischen beiden Ländern nicht das allerbeste, weil Albanien 2013 auf Bitten der UN und der USA mehreren Tausend iranischen Dissidenten aus dem Umfeld der Volksmudschahedin Asyl gewährt hatte. Das wiederum verärgerte die Mullahs, weshalb sie Angehörige der Revolutionsgarde losschickten, um dort Anschläge zu verüben.

Ministerpräsident Edi Rama handelte. Wer Einrichtungen Albaniens ins Visier nimmt oder Terror ausübt, muss mit Konsequenzen rechnen. Genau das führt zu der Frage, warum das nicht auch in Deutschland passiert. Ebenfalls 2018 kam ans Tageslicht, dass der Iran dem damaligen SPD-Politiker und Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, nach dem Leben trachtete.

Jetzt sind es sein Nachfolger Volker Beck sowie der Zentralratspräsident Josef Schuster, die auf Teherans Abschussliste stehen. Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein.

Der Autor ist Journalist und Historiker in Berlin.

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