Handelspolitik

Belgien und Niederlande verbieten Einfuhren aus Siedlungen

Israelische Siedlung im nördlichen Jordantal Foto: IMAGO/APAimages

Nach ihrem Grundsatzbeschluss im vergangenen Jahr hat die belgische Föderalregierung nun einen Entwurf für einen königlichen Erlass beschlossen, mit dem die Einfuhr von israelischen Waren aus Siedlungen im Westjordanland und dem Ostteil Jerusalems nach Belgien untersagt werden soll.

Der Erlass, der dem Staatsrat zur Prüfung zugeleitet wurde, sieht laut Regierung »die systematische Verweigerung jedweder Einfuhrgenehmigung vor, wenn aus den Unterlagen hervorgeht oder vernünftigerweise davon ausgegangen werden kann, dass die Waren aus einer israelischen Siedlung im von Israel besetzten palästinensischen Gebiet stammen«.

Es soll eine Übergangsfrist von 120 Tagen geben. Betroffen sein werden anschließend vor allem landwirtschaftliche Produkte, die aus einer israelischen Siedlung stammen, wobei hierfür die israelischen Postleitzahlen herangezogen werden. Für palästinensische Wirtschaftsakteure sowie für humanitäre Güter soll es Ausnahmen geben.

Mehrere EU-Staaten, darunter Spanien und Irland, hatten zuletzt ähnliche Einfuhrverbote beschlossen. Auch die Regierung der Niederlande will handeln. Sie verfügte am Dienstag, dass ab dem 22. September keine Waren aus Siedlungen in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten mehr eingeführt werden dürfen. »Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen bekräftigen die Niederlande ihr Engagement für die Erfüllung ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung, nicht zu dieser rechtswidrigen Situation beizutragen«, erklärte das Außenministerium in Den Haag.

Lesen Sie auch

Großbritannien plant ebenfalls einen solchen Schritt. Auf EU-Ebene haben mehrere Staaten, darunter Frankreich und Schweden, die Europäische Kommission aufgefordert, einen Vorschlag für ein EU-weites Import-Verbot vorzulegen.

Es besteht aber noch Uneinigkeit über die erforderliche Mehrheit für einen solchen Beschluss. Die Kommission hält Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten für notwendig, während die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Auffassung vertritt, ein Beschluss könne auch mit einer sogenannten qualifizierten Mehrheit der 27 Regierungen (mindestens 15 Staaten, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren) gefasst werden.

Beim EU-Außenministertreffen vor zwei Wochen kam offenbar nicht einmal eine einfache Mehrheit zustande, um die Kommission aufzufordern, einen konkreten Vorschlag für ein Einfuhrverbot vorzulegen. Bislang gibt es nur ein Optionspapier. Deutschland sowie weitere EU-Staaten halten zwar die Siedlungen für illegal nach dem Völkerrecht, lehnen ein Einfuhrverbot für Siedlerprodukte ab. mth

USA

Amerikas nächster Präsident?

Rahm Emanuel gilt als Hoffnungsträger der Demokraten und steht für einen Kurs der Mitte – sowohl in innenpolitischen Fragen als auch im Verhältnis zu Israel. Eine Annäherung

von Joshua Schultheis  20.08.2026

München

Knobloch in Zeiten von Judenhass: »Ich habe mich getäuscht«

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden spricht offen über ihre Enttäuschung: Warum die Reaktion auf das Hamas-Massaker ihr nicht genügt und der Judenhass sie tief erschüttert

 20.08.2026

Florida

Nach antisemitischen Angriffen: »Hebräischer Hammer« gewinnt Vorwahl

Der jüdische Abgeordnete Randy Fine, ein republikanischer Israel-Unterstützer, setzt sich gegen den Antisemiten Dan Bilzerian durch

 20.08.2026

Berlin

Rückschlag für Dobrindt: Andreas Franck will nicht Antisemitismusbeauftragter werden

Der Innenminister muss einen Nachfolger für Felix Klein finden, der Ende August aus dem Amt scheidet

 20.08.2026

Mar del Plata

Argentinien entlässt Bundesrichter wegen antisemitischer Äußerungen

Der Justizrat sieht einen schweren Verstoß gegen die für Richter geltenden Anforderungen an Anstand und Unparteilichkeit

 20.08.2026

München

Brandanschlag auf jüdisches Gemeindezentrum: Hinweise auf deutschen Täter verdichten sich

56 Jahre nach dem tödlichen Anschlag in der Reichenbachstraße 27 legen die Ermittler einen neuen Erkenntnisstand vor

 20.08.2026

Berlin

Umfrage: Mehrheit lehnt AfD-geführte Regierung im Osten ab

Die zumindest in Teilen rechtsextremistische Partei kann bei den Landtagswahlen im Osten mit hohen Stimmanteilen rechnen. Die Möglichkeit, dass sie im Anschluss einen Ministerpräsidenten stellen könnte, stößt überwiegend auf Ablehnung

 20.08.2026

Washington D.C./Teheran

Trump droht Iran mit »Wirtschaftskrieg«

Ob auf militärischer oder diplomatischer Ebene: Sichtbare Erfolge seines Kriegs gegen den Iran bleibt der amerikanische Präsident schuldig. Nun verschärft er die Rhetorik. Iranische Medien zeigen sich unbeeindruckt

 20.08.2026

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird heute 80 Jahre alt. Eine persönliche Würdigung

von Reinhard Mohr  20.08.2026