Berlin

Außenminister Wadephul: Francesca Albanese »in ihrer Position unhaltbar«

Francesca Albanese Foto: picture alliance/KEYSTONE

Bundesaußenminister Johann Wadephul übt scharfe Kritik an der UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese. »Ich verurteile ihre jüngsten Aussagen über Israel«, sagte Wadephul der Jüdischen Allgemeinen am Donnerstag. »Sie ist in ihrer Position unhaltbar.«

Er respektiere das das System unabhängiger Berichterstatter der UN, so Wadephul. »Frau Albanese hat sich jedoch bereits in der Vergangenheit vielfach Ausfälle geleistet.«

Die italienische Juristin, die ihr UN-Amt seit 2022 bekleidet, war am Wochenende per Video bei einer Konferenz des katarischen Senders »Al-Jazeera« zugeschaltet. Dort behauptete sie, es gäbe einen »anhaltenden Genozid« Israels an den Palästinensern, der einem »Stich in das Herz des Völkerrechts« gleichkomme. Albanese weiter: »Wir, die wir keine großen Finanzmittel, Algorithmen und Waffen kontrollieren, sehen jetzt, dass wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben.«

Rücktrittsforderungen gegen Albanese

Daraufhin forderte Frankreich den Rücktritt Albaneses. Außenminister Jean-Noël Barrot warf ihr vor, mit jüngsten Äußerungen rote Linien überschritten zu haben. Ihre Aussagen richteten sich nicht nur gegen die israelische Regierungspolitik, sondern gegen Israel als Nation und Volk, was »absolut inakzeptabel« sei, erklärte Barrot vor der Nationalversammlung.

Der Vorstoß aus Paris folgt auf eine Initiative mehrerer Abgeordneter des Präsidentenlagers, die in einem Schreiben an das Außenministerium eine sofortige Aberkennung ihres UN-Mandats gefordert hatten. Einige Politiker hatten Albanese zudem beschuldigt, Israel als »Feind der Menschheit« bezeichnet zu haben. Albanese widerspricht dieser Darstellung, und behauptet, diese Formulierung nie verwendet zu haben.

Lesen Sie auch

Nach den Franzosen betrachtet nun offenbar auch die Bundesregierung Albanese für ihr Amt als ungeeignet. Der Verhaltenskodex für UN-Sonderberichterstatter beinhaltet Grundsätze wie Neutralität, Objektivität und Fachkompetenz. Seit Jahren wird Albanese jedoch vorgeworfen, keine neutrale Berichterstatterin zu sein, sondern einseitig gegen Israel Stellung zu beziehen. Die Italienerin fällt regelmäßig mit Vergleichen zwischen Israel und dem Nationalsozialismus sowie mit Verharmlosungen des Terrorismus der Hamas auf. ja

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  28.06.2026

Meinung

Der Kahlschlag der Familienministerin

Der angekündigte Umbau des Bundesprogramms »Demokratie leben!« lässt Engagierte im Regen stehen. Die Folgen für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention werden fatal sein

von Viktoria Gulde  27.06.2026

Nahost

Amerikas Rückzug

Die USA lassen Israel fallen und versuchen plötzlich, den Iran zu bestechen. Eine gefährliche Situation für den Judenstaat – aber auch eine Chance, sich neu zu erfinden

von Rafael Seligmann  27.06.2026

Antibes

Frankreich und Italien streben neue Libanon-Mission an

Wie könnte die internationale Unterstützung für den Libanon nach dem Abzug der UN-Blauhelme aussehen? Frankreich und Italien wollen eine neue Koalition anführen

 26.06.2026

Pädagogik

Neues Onlinespiel soll gegen Antisemitismus im Netz helfen

In sozialen Medien wird Judenhass verbreitet und auch der Holocaust falsch dargestellt. Damit junge Menschen solche Inhalte besser erkennen, können Lehrkräfte ein neues Onlinespiel nutzen

von Alexander Riedel  26.06.2026

Hamburg

Spionageprozess: Juden für Iran ausgespäht?

Laut Anklage soll der Mann hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen in Deutschland für mögliche Anschläge ausgekundschaftet haben

 26.06.2026

Magdeburg

Höchststrafe für Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Bei dem Anschlag 2024 kamen sechs Personen ums Leben; Hunderte wurden verletzt. Jetzt steht das Urteil fest

 26.06.2026 Aktualisiert