Kann uns das noch überraschen? Nein. Dass der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, der 2007 wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt wurde, gerade in einem Podcast dazu aufgerufen hat, jede Nacht in Gaza 30 bis 40 Menschen zu »entfernen«, ist bei ihm gängiger Jargon.
Doch Ben-Gvir möchte nicht nur diejenigen töten lassen, »die uns in diesem Moment gefährden«, sondern in seiner Lesart gibt es im Gazastreifen »Menschen, die es nicht verdient haben zu leben, und es ist noch ein Kompliment, dass ich sie als Menschen bezeichne«. Ob er damit Terroristen oder Zivilisten meint, bleibt offen.
Wer anderen die Menschlichkeit abspricht, verliert über kurz oder lang seine eigene.
In jedem Fall irrt Ben-Gvir, entschiedener Befürworter einer Todesstrafe im Westjordanland, die nur gegen palästinensische, nicht aber jüdische Terroristen angewendet werden soll. Auch Hamas-Terroristen sind Menschen – genau wie die Nazis Menschen waren und keine Monster.
Doch die Verrohung der hebräischen Sprache verantwortet in der israelischen Regierung nicht Itamar Ben-Gvir allein. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, der sich mit Extremisten wie Ben-Gvir verbündet hat und ihnen nie wirklich Einhalt gebietet, benutzte wiederholt den Begriff »Hamas-Monster«.
Selbstverständlich hat Israel jedes Recht, sich militärisch gegen den mörderischen Terrorismus der Hamas zu wehren. Doch wer anderen die Menschlichkeit abspricht, verliert über kurz oder lang seine eigene.
Im neuen Podcast der ehemaligen israelischen Hamas-Geisel Rom Braslavski schwadroniert in diesem Sinne Ben-Gvir, der bei der Knesset-Wahl am 27. Oktober für seine rechtsextreme Partei »Jüdische Stärke« punkten will, über die Zukunft des Gazastreifens: Israel solle Siedlungen »nicht nur in Gusch Katif, sondern in ganz Gaza« errichten und »die Emigration ermöglichen, wo es geht, sie in ihre Länder schicken, aber für die Terroristen keine Emigration. Die muss man einen nach dem anderen töten«.
Ein primitives Weltbild, das keinen »entschiedenen« militärischen Sieg, aber Israels internationale Isolation befördert hat und auch den Juden in der Diaspora massiv schadet. Itamar Ben-Gvir muss endlich von der politischen Bildfläche verschwinden. Und Benjamin Netanjahu ebenso.
goldmann@juedische-allgemeine.de