Meinung

Eurovision: Mobbing statt Musik

Sabine Brandes Foto: privat

Meinung

Eurovision: Mobbing statt Musik

Eigentlich versteht jeder, dass Musiker nicht mit ihren Regierungen identisch sind. Wenn es um den jüdischen Staat geht, scheint diese Logik jedoch nicht zu gelten

von Sabine Brandes  07.12.2025 22:16 Uhr

Mobbing beginnt selten mit Fäusten. Es beginnt damit, dass sich ein Kreis schließt, eine Gruppe zurückweicht, demonstratives Schweigen herrscht. Und endet damit, dass eine Person – oder ein Land – allein zurückgelassen werden soll.

Genau das ist der (versuchte) Eurovision-Boykott gegen Israel. Kein prinzipientreues Verhalten, kein moralischer Akt, sondern ein grausames Schulhofritual der Ausgrenzung auf globaler Bühne: »Ihr gehört nicht dazu!«

Als Israels Teilnahme am Wettbewerb dennoch bestätigt wurde, sagten gleich mehrere Länder ab: Spanien, Slowenien, Irland und die Niederlande. Befürworter des Boykotts argumentieren, Israelis singen zu lassen, »normalisiere« die Politik des Landes. Doch kultureller Austausch bestätigt keine Regierungen. Stattdessen humanisiert er Menschen und zeigt, dass es selbst in schwierigen Zeiten Raum für Verbindung, Kreativität und Dialog gibt.

Kritik an israelischer Politik muss selbstverständlich erlaubt sein. Israel ist eine Demokratie und die Bewohner des Landes selbst protestieren lautstark, leidenschaftlich und lassen oft kein gutes Haar an ihrer Regierung.

Fans von Israel-Boykotts behaupten gern, es gehe ihnen um Frieden und Solidarität. Die Isolierung israelischer Künstler erreicht jedoch nichts davon.

Der Boykott israelischer Künstlerinnen und Künstler jedoch ist kein intellektueller Diskurs, sondern bösartige Bestrafung. Sänger, Musiker und Tänzer sollen für etwas büßen, das sie weder gestalten noch kontrollieren. Und dabei sind es oft gerade Künstler, die in erster Reihe stehen, wenn es darum geht, sich kritisch gegen Politik zu stellen. Überall in der Welt und auch in Israel.

Eigentlich ist der Eurovision Song Contest ein Ort, an dem marginalisierte Gemeinschaften und abweichende Meinungen stets ein euphorisches Publikum finden. Sein Gründungsgedanke war es, nach einer Zeit tiefer Spaltung über Grenzen hinweg Verbindungen herzustellen. Ihn nun zu einem Ort der Ausgrenzung statt zu einem kultureller Verständigung zu machen, führt diese Idee ad absurdum.

Wäre Politik tatsächlich der Maßstab, könnte man beispielsweise auch Deutschland für den Aufstieg der AfD abstrafen oder die Niederlande für die vielen Stimmen, die Geert Wilders erhält. Doch niemand fordert, deutschen oder niederländischen Künstlern das Singen zu verbieten. Weil natürlich jeder versteht, dass Musiker nicht ihre Regierungen sind.  

Lesen Sie auch

Wenn es um den jüdischen Staat geht, scheint diese Logik jedoch nicht zu gelten. Diese Heuchelei fühlt sich für Israelis und Juden überall schmerzlich vertraut an. Zwar wäre es zu vereinfachend, jede Kritik als antisemitisch zu deklarieren. Doch ebenso naiv wäre es, die historischen Resonanzen dieser einseitigen Ausgrenzung zu übersehen.

Fans von Israel-Boykotts behaupten gern, es gehe ihnen um Frieden und Solidarität. Die Isolierung israelischer Künstler erreicht jedoch nichts davon. Sie demütigt, spaltet und reproduziert die Dynamik, die Juden nur allzu gut kennen: Die Gruppe entscheidet, nur sie auszuschließen, der Kreis schließt sich. Das ist kein Mut zur Gerechtigkeit. Es ist der Gruppenzwang der Bullies, der sich immer wieder gegen einen richtet - gegen Israel.

brandes@juedische-allgemeine.de

Naher Osten

Medienbericht: Israel soll geheimen Stützpunkt im Irak gebaut haben

Von dem Außenposten in einem irakischen Wüstengebiet soll Israel seine Angriffe auf den Iran koordiniert haben, berichtet das »Wall Street Journal«

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

»Gaza-Flottille«

Israel schiebt zwei Gaza-Aktivisten ab

Der Spanier Saif Abu Keschek und der Brasilianer Thiago Ávil wurden nach der Blockade der Gaza-Flotte nach Israel gebracht – jetzt folgt ihre Abschiebung

 10.05.2026

Terror

Hisbollah greift Israel an: Mehrere Soldaten verletzt

Im Norden des jüdischen Staates werden zwei Soldaten in Krankenhäuser gebracht. Einer von ihnen ist schwer verwundet. Ein weiterer Soldat wird im Süd-Libanon getroffen

 08.05.2026

Vorwurf

»Kult-Rabbi« aus Meron verhaftet

Ein Gemeindeführer der Breslov-chassidischen Bewegung soll seine Autorität für sexuelle Übergriffe missbraucht haben

von Sabine Brandes  08.05.2026

Gesellschaft

Regierung will Rückkehrrecht ändern

Entsprechend des Entwurfs sollen künftig nur noch orthodoxe Übertritte zum Judentum anerkannt werden

von Sabine Brandes  08.05.2026

Tel Aviv

Erster Hantavirus-Fall in Israel registriert

Die betroffene Person soll sich vor mehreren Monaten während eines Aufenthalts in Osteuropa angesteckt haben

 08.05.2026

Jerusalem

Bennett verklagt Ministerin und Fernsehsender wegen Behauptungen über psychische Erkrankung

Der Oppositionspolitiker fordert laut israelischen Medienberichten Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Schekel (0,59 Millionen Euro)

 08.05.2026

Jerusalem/Washington D.C./Ankara

Israel und USA wollen neue Gaza-Flottille stoppen, bitten Türkei um Hilfe

Konkret geht es demnach um 15 Boote, die sich in türkischen Häfen befinden und Teil der sogenannten »Global Sumud Flotilla« werden sollen

 08.05.2026