Genf

Entscheidung gefällt: Israel bleibt im Eurovision Song Contest

Die israelische Sängerin Yuval Raphael beim ESC 2025 in Basel Foto: IMAGO/ANP

Israel wird auch weiterhin am European Song Contest, dem weltgrößten Musikwettbewerb, teilnehmen können. Die der European Broadcasting Union (EBU) angeschlossenen Rundfunkanstalten aus 56 Ländern beschlossen bei ihrer Vollversammlung am Donnerstag in Genf mit großer Mehrheit eine Änderung der Regeln. Eine gesonderte Abstimmung über Israels Ausschluss fand daraufhin nicht statt.

Die Niederlande, Irland und Spanien kündigten unmittelbar nach der Abstimmung an, den Musikwettbewerb zu verlassen und auch die Show im kommenden Jahr nicht zu übertragen.

Israels Staatspräsident Isaac Herzog schrieb anschließend auf X: »Israel verdient es, auf jeder Bühne dieser Welt vertreten zu sein, dafür setze ich mich voll und ganz ein. Ich freue mich, dass Israel wieder am Eurovision Song Contest teilnehmen wird, und hoffe, dass der Wettbewerb auch weiterhin Kultur, Musik, Freundschaft zwischen den Nationen und grenzüberschreitendes kulturelles Verständnis fördert.« Die Entscheidung der EBU-Vollversammlung zeuge von »Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenarbeit« und stärke »den Geist der Verbundenheit zwischen den Nationen durch Kultur und Musik«, so Herzog.

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Acht der EBU angeschlossene Anstalten, darunter Spanien, hatten zuvor eine geheime Abstimmung beantragt, damit kein Druck von außen ausgeübt werde. Der spanische Sender RTVE erklärte anschließend in einer Pressemitteilung: »RTVE hat zusammen mit sieben weiteren Ländern schriftlich eine geheime Abstimmung in der Versammlung beantragt. Der Vorsitz der EBU hat RTVE die Durchführung einer gesonderten Abstimmung über die Teilnahme Israels verweigert. Diese Entscheidung verstärkt das Misstrauen von RTVE gegenüber der Organisation des Festivals und bestätigt den politischen Druck, der auf diesem lastet.«

Durch die Änderung der Statuten wurde die Abstimmung über den Ausschluss jedoch hinfällig. In den vergangenen Monaten hatten unter anderem RTVE und die irische Rundfunkanstalt RTÉ mit einem Boykott des ESC gedroht, falls Israel weiter die Teilnahme gestattet werde. Die der ARD angeschlossenen deutschen Rundfunkanstalten hatten hingegen vehement für Israels Verbleib geworben.

Der Musikwettbewerb findet alljährlich im Mai statt und erreicht mehr als 160 Millionen Zuschauer weltweit.

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Pro Mitgliedsland in der EBU ist ein Bewerber oder eine Bewerberin zum ESC zugelassen. Die nationalen Rundfunkanstalten entscheiden eigenständig über ihren Beitrag. Die meisten Beiträge müssen sich jedoch in den vorgeschalteten Halbfinals erst für den Endausscheid qualifizieren.

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Nach den nun beschlossenen neuen Regeln wird künftig nicht nur dort, sondern bereits in den Halbfinals eine Fachjury die Hälfte der Stimmen vergeben. Die andere Hälfte wird weiterhin aus einem Public Voting beim Fernsehpublikum bestehen. Im Endausscheid wird das Publikum an den Bildschirmen maximal 10 statt bisher 20 Stimmen vergeben, so die EBU.

Der nächste ESC findet im Mai 2026 in Wien stattFoto: picture alliance / HARALD SCHNEIDER / APA / picturedesk.com

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte sich im Vorfeld optimistisch gezeigt, was die weitere Teilnahme Israels beim ESC anbelangt. »Wir haben uns in den letzten Wochen mit vielen Telefonaten bemüht, dass Israel singen darf«, sagte Weimer den Abgeordneten. »Bei der Ministerratssitzung in Brüssel letzte Woche haben etwa zehn Staaten Stellung bezogen, und alle waren auf unserer Linie. Auch Länder, von denen man dachte, sie wären eher pro Boykott.« Allerdings haben in der EBU, einem privaten Verein, nicht die Regierungen das Sagen, sondern die dem Verband angeschlossenen Rundfunkanstalten.

Berichten zufolge sprach sich unter anderem die ukrainische Delegation in Genf gegen den Ausschluss Israels aus.

Vergangene Woche hatte José Pablo López, Chef der RTVE, vor dem spanischen Senat in Madrid bekräftigt, dass Spanien am ESC nur teilnehmen werde, wenn Israel nicht mehr zugelassen werde. López warf Israel vor, in Gaza einen Völkermord begangen zu haben. »Der Eurovision Song Contest ist ein Wettbewerb, aber Menschenrechte sind kein Wettbewerb«, so der RTVE-Präsident. Zudem warf er Israels Regierung vor, die Abstimmung des Publikums zugunsten der israelischen Bewerberin beeinflusst zu haben. Konkrete Belege hierfür wurden bislang aber nicht vorgelegt.

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Irlands früherer Justiz- und Verteidigungsminister Alan Shatter nannte die Entscheidung der RTÉ, den Wettbewerb zu boykottieren, auf der Plattform X »eine weitere internationale Blamage« für Irland. »Der vollständig von öffentlichen Mitteln abhängige Sender hat beschlossen, irischen Künstlern die karrierefördernde Möglichkeit zu nehmen, am Wettbewerb teilzunehmen, und dem irischen Publikum sowohl den Genuss, dies zu tun, als auch die Möglichkeit, für ihren Lieblingssong zu stimmen.«

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Die Haltung von RTÉ könne man auch als Vergeltungsmaßnahme für die »Unverschämtheit der irischen Zuschauer ansehen, zwei Jahre in Folge israelischen Sängern ... erhebliche Unterstützung durch ihre Stimmen zu geben«. Allerdings sei der Boykott wahrscheinlich folgenlos, denn die Show werde weiterhin von der britischen BBC übertragen, die ganz Irland zu empfangen ist. Irland hat den ESC bereits sieben Mal gewonnen.

Israel nimmt an dem Wettbewerb, der erstmals 1956 als Grand Prix Eurovision de la Chanson veranstaltet wurde, seit 1973 teil. Vier Mal gingen israelische Beiträge siegreich aus dem ESC hervor. Bei der jüngsten Ausgabe in Basel gewann die israelische Bewerberin Yuval Raphael mit ihrem Song »New Day Will Rise« das Public Voting und landete am Ende nur deshalb auf dem zweiten Platz, weil die Jury dem österreichischen Beitrag deutlich mehr Punkte zubilligte. Auch in Spanien war Yuval Raphael die vom Publikum favorisierte Kandidatin.

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