Zwischenruf

Die außerirdische Logik der Eurovision

Imanuel Marcus Foto: ja

Die Erde fliegt mit 107.000 km/h um die Sonne und dreht sich mit 1670 km/h um die eigene Achse, während gleichzeitig unser gesamtes Sonnensystem mit 792.000 km/h um das Zentrum der Milchstraße herum rast. Aufgrund der Geschwindigkeit, aber auch da diese Galaxie mit etwa zwei Milliarden Sonnen und umso mehr Planeten bestückt ist, ist es für Aliens schwierig bis unmöglich, uns zu finden. Wir sind die Nadel im Heuhaufen. Und dies ist vielleicht besser so.

Denn eines ist sicher: Kämen Außerirdische auf unseren Planeten, so würden ihnen Merkwürdigkeiten auffallen. Die erste Bizarrerie: Das in Asien befindliche Land Israel ist seit 1973 Teil des europäischen Gesangswettbewerbes ESC. Dies lässt sich noch erklären: Israel ist wie Australien Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Von dieser Mitgliedschaft hängt es ab. Seht Ihr? Geht doch.

Wären sie hier, so würden die Aliens aber auch mitbekommen, dass mehrere Mitgliedsländer versucht haben, den einzigen jüdischen Staat vom ESC auszuschließen. Was wird zur Begründung angeführt? Ein angeblicher Völkermord in Gaza. Als Belege fungieren die Aussagen der Terrororganisation, die den Krieg begann, 1200 Menschen in Israel ermordete, 251 Geiseln nahm und Israel erklärtermaßen vernichten will.

»New Day Will Rise«

Geht es noch merkwürdiger? Wohl kaum. Versuchen wir es trotzdem: José Pablo López, der Chef des spanischen Rundfunks, wirft der israelischen Regierung vor, die Abstimmung des Publikums beim letzten ESC zugunsten der israelischen Sängerin Yuval Raphael und ihres Songs »New Day Will Rise« beeinflusst zu haben. Klar: Warum sonst würden die Juden auf dem zweiten Platz landen? In diesem Fall gibt es gar keinen Beleg. Wozu auch?

Die Aliens würden vieles auf diesem Planeten nicht verstehen und sich vermutlich die Stilaugen reiben. Nach all diesem Nonsense hätten sie sich über die nächste Skurrilität vielleicht weniger gewundert: Nachdem die EBU-Vollversammlung entschieden hatte, dass Israel auch weiterhin am Wettbewerb teilnehmen darf, erklärten Irland, die Niederlande und Spanien, sie würden weder beim nächsten ESC mitmachen, noch den Wettbewerb übertragen.

Lesen Sie auch

Den Außerirdischen müsste man viel erklären: Vor Hunderten Jahren war es der erfundene Vorwurf der Brunnenvergiftung, der direkt gegen »die Juden« erhoben wurde. Deshalb wurden sie ermordet, vertrieben, ausgegrenzt und durften bestimmte Berufe nicht ausüben. Heute richtet sich derselbe Hass gegen den jüdischen Staat. Israel ist das Synonym für »die Juden«.

Was würden die Aliens wohl an ihren Planeten zurück funken? »Alle dürfen sich verteidigen. Nur Juden nicht. Wenn Juden singen dürfen, machen andere nicht mit. Wer israelfeindliche Berichte im Fernsehen aussendet, bekommt einen Preis. Wer in Berlin Ivrit spricht, wird angegriffen. Ein Israelhasser wird Bürgermeister der jüdischsten aller amerikanischen Städte. Fazit: Es ist merkwürdig hier. Wir verlassen die Erde so zackig wie möglich und kommen schnell zurück.«

marcus@juedische-allgemeine.de

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  23.09.2026

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  23.09.2026

Berlin-Wahl

»Die Linke ist keine antisemitische Partei, aber sie hat ein Problem mit Antisemitismus«

Der Comedian äußerte sich im Interview mit dem Tagesspiegel zur Berliner Wahl und eine progressive linke Haltung zu Israel

 23.09.2026

Theater

Abgrund statt Parabel

In seiner Inszenierung von »Mephisto« spürt Frank Castorf den verborgenen Anziehungskräften des Faschismus nach und verzichtet dabei auf einfache Aktualisierungen

von Leon Stork  23.09.2026

»Imanuels Interpreten« (25)

Pancho Vladigerov: Meister der Klänge

Er studierte in Berlin, kooperierte mit Max Reinhardt und komponierte umwerfende Symphonien. Dennoch ist er fast nur in seinem Heimatland bekannt

von Imanuel Marcus  23.09.2026

Münchner Philharmoniker: Antrittskonzert von Lahav Shani

Musik

Berauschender Auftakt

Lahav Shani startet fulminant als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker

von Michael Schleicher  22.09.2026

UEFA Nations League

»Dummheit und Heuchelei«: Israelische Fußballer weisen Völkermord-Vorwürfe aus Irland zurück

Israels Fußballverband wehrt sich gegen Aussagen des irischen Nationaltrainers Heimir Hallgrimsson, der vor dem anstehenden Länderspiel gesagt hatte, Irland werde »gegen den Genozid« antreten

 22.09.2026

Berlin

Igor Levit kritisiert Merz: Weiter-so in hübscher Verpackung

Merz’ Art der Kommunikation des CDU-Politikers wirke »losgelöst«, so der Pianist

 22.09.2026

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026