Sophie Albers Ben Chamo

Diaspora-Schmerz

»Es ist nicht einfach« ist ein Satz, von dem ich überzeugt war, ihn niemals von meinem Schwiegervater zu hören. Der wunderbare, wortkarge Clown, der alle Kriege Israels seit Anfang der 50er-Jahre mitgemacht hat. Der immer ruhig hingenommen hat, was Welt- und Landespolitik ihm präsentierten. Aber nun stößt sogar er an seine Grenzen.

Nach einem Monat Krieg, der so anders ist als die Kriege zuvor, der jeden Alltag unmöglich macht, in dem die Menschen auch nachts und am frühen Morgen sechsmal, siebenmal in den Bunker rennen müssen. Was mit fast 80 noch ein bisschen anstrengender ist. Meine Schwiegermutter hatte eine Panikattacke auf der Treppe in den Keller. Auch das ist neu. Auch wenn sie hinterher sagt: »Wir sind stark, wir haben keine Alternative.«

Warn-Apps und WhatsApp

Und wir sitzen hier im Ausland, verbunden durch Warn-Apps und WhatsApp, und sind live dabei, wenn der Alarm losgeht, wenn das Heimatfrontkommando Raketenstarts im Iran meldet, wenn die Sirene heult, weil die Hisbollah aus dem Libanon schießt. Scannen die getroffenen Orte und die Nähe zu denen, die wir lieben, obwohl wir wissen, dass genaue Angaben über Einschläge den Angreifern nützen.

Wir wissen, dass es Einschläge geben wird. Der Iran zielt mit voller Absicht auf zivile Wohngebiete mit der international geächteten Streumunition. Die bis zu 70 Sprengsätze pro Rakete sind schlicht nicht komplett abfangbar. »Sie sind wieder raus«, rufen wir uns zu, wenn der nächste Angriff vorbei ist. »Sie sind im Miklat«, wenn der nächste beginnt. Aber was, wenn sie einmal nicht schnell genug sind? Wir verbieten uns diesen Gedanken, aber das wird jeden Tag schwieriger.

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Während des Krieges dort hier im Frieden zu sitzen und entspannt spazieren zu gehen, zu Abend zu essen oder einfach nur duschen zu können, stürzt wohl alle, die Familie und Freunde in Israel haben, in ein kochend heißes Bad der Schuldgefühle. Denn so sehr die Angst und Sorge auf Entfernung auch an einem zehren – haben wir überhaupt das Recht dazu, wo wir doch in Sicherheit sind? Wie können wir es überhaupt wagen, über Schlaflosigkeit und Dauernervosität zu klagen?

Es ist dann ausgerechnet mein tougher Schwager, selbst gezeichnet von vergangenen Kriegen, der es eines Tages ausspricht. In einem Nebensatz. »Für euch muss es noch krasser sein, weil ihr nicht hier seid.« Ich atme langsam ein und aus – und umarme das nächste Schuldgefühl.

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