EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Meinung

Danke, Boy George!

Sophie Albers Ben Chamo, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen Foto: Stephan Pramme

Nachdem Boy George dem Trend Judenhass eine Absage erteilt und den Song »We Will Dance Again« veröffentlicht hat, ist der britische Musiker das neueste liebste Ziel antisemitischer Hysterie – nicht nur in seinem eigenen Land, in dem die Zahlen judenfeindlicher Angriffe auf einem Extrem-Hoch sind.

Boy George stellt auch klar, dass es keinen Mut brauche, um das zu tun, was er tut. Man müsse sich »einfach nur wie ein Mensch benehmen«.

Dabei hat der ehemalige Sänger der Band Culture Club und einst kurzzeitig berühmteste Popstar der Welt nichts Besonderes getan. Er hat schlicht mit seinen Mitteln festgestellt, dass es inakzeptabel ist, Massaker zu verherrlichen und menschenverachtenden Hass und Lügen zu verbreiten. Doch diese rationale, im Grunde den aufklärerischen Werten der westlichen Zivilisation entsprechende Feststellung sorgt derzeit für Beschimpfungen, Drohungen, abgesagte Theaterengagements, und, um es beim Namen zu nennen, Boykotte gegen den nichtjüdischen Künstler.

Weil Boy George Boy George ist – der Anfang der 80er-Jahre nicht nur Popgeschichte geschrieben, sondern auch der LGBTQ-Bewegung den Weg geebnet hat, und der Sänger einer Band war, die unter der Prämisse gegründet wurde, für alle Menschen Musik zu machen, egal welcher Herkunft oder Religion –, stellt er auch klar, dass es keinen Mut brauche, um das zu tun, was er tut. Man müsse sich »einfach nur wie ein Mensch benehmen«.

Lesen Sie auch

Und weil Boy George Boy George ist, endet der Song trotz des deprimierenden Themas nicht ohne Hoffnung: »Vertraut mir, wir werden wieder tanzen. Es wird keinen Krieg mehr geben.« Ganz am Ende versucht sich der Sänger sogar im Hebräischen.

On- und offline sorgt »We Will Dance Again«, dessen Titel vom Motto der Nova-Bewegung nach dem 7. Oktober 2023 inspiriert ist, für Begeisterung bei seinen israelischen und jüdischen Fans, und solchen, die es gerade werden. Weil es in unseren Zeiten offenbar doch etwas Besonderes ist, für die Aufrechterhaltung grundsätzlicher menschlicher Werte und Logik einzustehen. Deshalb: Danke, Boy George!

benchamo@juedische-allgemeine.de

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber wehren sich mit dem Stimmzettel gegen den Sicherheitsminister – und könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel steckt mal wieder im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026 Aktualisiert