London

Nach Protesten gegen sein Lied über Israel: Boy George tritt nicht mehr im London Palladium auf

Boy George am 10. Mai in Wien Foto: picture alliance / APA-Images / Starpix

Der britische Sänger Boy George wird nun doch nicht in der Londoner Neuinszenierung des von Andrew Lloyd Webber komponierten Musicals »Jesus Christ Superstar« auftreten. Wenige Tage nachdem der Culture-Club-Frontmann mit einem Pro-Israel-Lied Solidarität gezeigt hatte, wurde die Entscheidung bekanntgegeben. Britische Magazine berichteten.

Boy Georges Manager Paul Kemsley erklärte in einer Mitteilung, er habe entschieden, dass der Künstler nicht mehr Teil der Produktion im London Palladium sein werde. Der Schritt sei »mit größtem Respekt gegenüber den Produzenten, dem Kreativteam und dem gesamten Ensemble« getroffen worden. Zugleich entschuldigte er sich bei Fans, die sich auf Boy Georges Auftritte gefreut hatten.

Zur Begründung erklärte Kemsley, Boy George habe sich nie gescheut, zu seinen persönlichen Überzeugungen zu stehen. Gleichzeitig sehe er als Manager die Verantwortung, Entscheidungen zu treffen, die sowohl im Interesse des Künstlers als auch der übrigen Beteiligten seien. »In diesem Fall hielt ich es für richtig, einen Schritt zurückzutreten, damit die Produktion im Mittelpunkt bleiben kann und alle Beteiligten mit gegenseitigem Respekt weitermachen können.«

»KI für das Gute«

Der Sänger hätte vom 3. bis 15. August die Rolle des Königs Herodes übernehmen sollen. Welcher Darsteller den Part übernimmt, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

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Auslöser der Debatte war das Lied »We Will Dance Again«, das Boy George Anfang der Woche veröffentlicht hatte. Der Titel bezieht sich auf den Nova-Musikfestival-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem Hamas-Terroristen zahlreiche Besucher ermordeten und verschleppten. Auf der Plattform Threads schrieb er: »Das Lied wurde mit KI erstellt. Ich nenne das ›KI für das Gute‹. Ehrlich gesagt hätte ich Schwierigkeiten gehabt, das mit einem Menschen zu schreiben.«

In dem Song heißt es unter anderem: »Ihr sagt Völkermord, ich sage Krieg. Wenn man angegriffen wird, ist die Armee genau dafür da.« An anderer Stelle erinnert Boy George an die Opfer des Nova-Festivals und singt, sie seien »für das Verbrechen des Tanzens« ermordet und vergewaltigt worden. Zugleich kritisiert er israelfeindliche Musiker. Ihnen wirft er »selektive Erinnerung« und internetgetriebene Propaganda vor.

»Wahnsinn« ohne Grenzen

Israelfeindliche Fans hatten nach der Veröffentlichung Kritik geübt. Inzwischen ist das Lied auf den bislang bekannten Plattformen offenbar nicht mehr verfügbar.

Boy George selbst äußerte sich nicht direkt zu seinem Rückzug aus der Musicalproduktion. Auf der Plattform X reagierte er jedoch auf die anhaltende Schelte. »Es spielt keine Rolle, was ich denke oder was ihr denkt«, schrieb er. »Wann werdet ihr endlich begreifen, dass ihr nichts erreicht? Das ist ein verdammter Witz. Ich zerstreite mich inzwischen sogar mit jüdischen Freunden. Dieser Wahnsinn kennt keine Grenzen.« im

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