Streaming

Gal rennt

Gal Gadot als Maia Marten in »The Runner« Foto: picture alliance / PictureLux/Prime Video

Ein durchschnittlicher Jogger sollte so schnell oder so langsam laufen, dass nebenbei noch eine lockere Unterhaltung möglich ist. Alles andere, darin sind sich sämtliche Internet-Ratgeber einig, ist zu viel. Doch über diesen gut gemeinten Anfängertipp ist Maia Marten längst hinweg. Die Londoner Anwältin ist eine erfahrene Läuferin, und dazu gehört neben einer guten Kondition und einem zügigen Tempo auch die richtige Ausstattung – Kopfhörer, Smartwatch, klappbares Telefon – und die richtigen Klamotten.

Bevor der morgendliche Lauf ins Büro allerdings beginnen wird, bringt Marten noch ihren Sohn Noah in die Schule, einen eher unsicher wirkenden Jungen, der an Diabetes leidet. Dann kann es losgehen. »Heart of Glass« von Blondie auf den Ohren, joggt Marten los, erledigt nebenbei noch zwei Anrufe mit besorgten Klienten und will sich gerade ein Rennen mit einem schnellen Schönling liefern, als ein Anruf ihres Sohnes eingeht.

Eine Männerstimme sagt, dass Noah entführt wurde

Doch er ist es nicht. Eine Männerstimme sagt, dass Noah entführt wurde. Maia Martens Welt bleibt für einen Moment stehen. So viel zum Auftakt des neuen Films von Kevin Macdonald und seinen beiden Stars, der israelischen Schauspielerin Gal Gadot und der britischen Hauptstadt London.

Letztere, das sagte Kevin Macdonald in einem Interview zum Filmstart des 120- minütigen Werks, wollte er als zweiten Star neben Gadot sehen. Außerdem hoffe er, betonte Macdonald, der übrigens der Enkel des bekannten ungarisch-jüdischen Filmproduzenten Emeric Pressburger ist und der mit The Making of an Englishman über genau diesen Großvater eine beeindruckende Doku gedreht hat, dass das Publikum nach fünf Minuten in dem Film so von Adrenalin erfüllt sei, dass es weder aufs Handy schauen noch irgendetwas anderes tun werde.

Diese Hoffnung erfüllt sich keineswegs. Denn der Film ist so langweilig und, verzeihen Sie mir, dämlich, dass zehn Runden auf einem Sportplatz (mit Boden aus roter Asche) in der prallen Sonne erträglicher sind.

Zugegeben: Die Story ist natürlich herzzerreißend und unvorstellbar schlimm. Das eigene Kind wird entführt. Aber alles drum herum, die säuselnde, leicht psychotisch wirkende Stimme, die der laufenden Maia – sie muss das tun, um ihren Sohn zu retten – fast alles bis auf die neuesten Sonderangebote bei M&S ins Ohr sabbelt, das permanente Tracking und das damit verbundene Allwissen um Position, Herzfrequenz und sonstige Werte ist einfach nur ziemlich gewollt.

Allein der körperlichen Leistung Gadots, die ein neunmonatiges intensives Lauftraining beim britischen olympischen Sprinter Malachi Davis absolvierte, weil sie, wie sie lustigerweise sagte, eher so wie Phoebe aus der Sitcom Friends lief (eine Mischung aus Kermit, dem Frosch und dem Sechs-Millionen-Dollar-Mann), ist Res­pekt zu zollen.

Beinbruch am letzten Drehtag

Zu allem Überfluss brach sich Gal Gadot am letzten Drehtag noch die Beine. Der Dreh wurde unterbrochen, und nachdem alles geheilt war, konnte die Szene fortgesetzt und abgedreht werden. Darin rennt sie mit der Londoner Tube um die Wette.

Vielleicht dreht ja Kevin Macdonald wieder einmal eine Doku? Über die könnte man sich dann gemütlich unterhalten – vielleicht beim Joggen.

»The Runner« ist bei Amazon Prime zu sehen.

Die Träger des Georg-Stefan-Troller-Preises 2026

Frankfurt am Main

Auszeichnung für Journalisten und Buchautoren

Der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben wurde erstmals verliehen. Mit Mascha Malburg und Joshua Schultheis sind auch zwei JA-Journalisten unter den Ausgezeichneten

 11.10.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands überreicht

Der Völkerrechtsanwalt forderte in seiner Rede ein Ende angeblicher »Debattenbeschränkungen« in Deutschland

 11.10.2026

Julia Franck

»Sie liebt, aber sie wird nicht geliebt«

Die Schriftstellerin über ihre literarische Biografie der Jüdin Baladine Klossowska und den Dichter Rainer Maria Rilke

von Knut Elstermann  11.10.2026

Aufgegabelt

Rote Bete mit Tahini

Rezepte und Leckeres

 11.10.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Texten der Jüdischen Allgemeinen

 10.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

 10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Berlin

733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten

Eine Ausstellung im Paul-Löbe-Haus erzählt von Verlust, Hoffnung und bleibenden Folgen in der Zeit zwischen dem 7. Oktober und dem Abkommen zur Freilassung der Geiseln

von Pascal Beck  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026