Auch in Plattitüden kann ein Stück Wahrheit stecken. »Humor ist, wenn man trotzdem lacht« – das klang für mich immer nach deutscher Angestrengtheit. Nach Humorarbeit, wenn man so will. In unserer von Kriegen, Krisen und Krach aller Art gebeutelten Zeit leuchtet mir aber allmählich ein, was dieses Sprichwort meinen könnte. So könnten diesmal auch die ehrfurchtsvollen Tage zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur, die eigentlich stiller Ein- und Umkehr dienen, etwas mehr Humor gebrauchen als sonst.
Und was ist besser geeignet, um mit der turbulenten Nachrichten-Achterbahn des soeben zu Ende gegangenen Jahres 5786 zurechtzukommen, als ZAZ? Damit meine ich nicht den legendären Sowjetkleinwagen »Saporoshez«, der ganze Großfamilien auf einer Fläche zu transportieren vermochte, die vielleicht dem Handschuhfach eines heutigen SUV entspricht. Hergestellt wurde der unverwüstliche Heckmotor-Wagen übrigens in der heute frontnahen ukrainischen Stadt Saporischschja.
ZAZ steht für Zucker, Abrahams und Zucker
Das von mir erwähnte ZAZ steht vielmehr für Zucker, Abrahams und Zucker – ein ebenfalls legendäres amerikanisches Filmemachertrio. In verschiedenen Konstellationen schufen Jim Abrahams sowie David und Jerry Zucker seit den 80er-Jahren parodistische Slapstickkomödien, die gerade heute als Quell der Gegenwartsbewältigung taugen.
Vor allem Politik und Politiker sind vor dem anarchischen ZAZ-Humor nicht sicher. »Ist das nicht die Schuld der Wähler?«, entgegnet etwa Leutnant Frank Drebin in Die Nackte Kanone 2½ seiner Vorgesetzten, als sie ihn erbost mit den Konsequenzen einer Irrfahrt konfrontiert, die zum Ausbruch zahlreicher Zootiere führte.
»Ist Ihnen klar, dass diese Stadt Ihretwegen in der Hand von Pavianen ist?«, lautete die Frage der Kommissarin. Dass das in der Originalfassung gebrauchte Wort »baboons« sowohl für »Paviane« als auch für »Trottel« stehen kann, erschließt sich vielleicht nicht jedem.
Vor allem Politik und Politiker sind vor dem anarchischen ZAZ-Humor nicht sicher.
Umso selbsterklärender ist die Auftaktszene des zweiten Teils der Naked Gun-Trilogie: Leutnant Frank Drebin demonstriert dort anschaulich, dass man sich im Weißen Haus auch mächtig daneben benehmen kann, ohne der mächtigste Mann der Welt zu sein.
Gebaren als Washingtoner Möchtegern-Autokrat
Als der Film Anfang der 90er-Jahre in die Kinos kam, legte der Immobilienunternehmer Donald J. Trump einen kurzen Gastauftritt in Kevin – Allein in New York ein. Sein heutiges Gebaren als Washingtoner Möchtegern-Autokrat lag da noch in der fernen Zukunft. Autokraten haben gegen Frank Drebin ohnehin keine Chance: In der Eröffnungssequenz des ersten Nackte Kanone-Films aus dem Jahr 1988 sprengt der Polizist ein verschwörerisches Beiruter Treffen von Anführern einer antiwestlichen Achse.
Politiker und Potentaten wie Ayatollah Khomeini, Jassir Arafat, Muammar Gaddafi und Michail Gorbatschow überbieten sich dort in amerikafeindlicher Hass- und Auslöschungsrhetorik, bis Leutnant Drebin mit einem Überraschungseinsatz manch Unerwartetes bloßlegt.
Regime Change als Slapstick: Gerade der überdrehte Humor der ZAZ-Komödien kann helfen, unsere absurde Gegenwart, die wie die tragische Parodie einer Parodie wirken kann, zu überstehen. Und auch wenn Jom Kippur eigentlich gebietet, auf Essen und Trinken zu verzichten: Vom Humorfasten sollten wir gerade in diesem Jahr lieber absehen.