München/Oswiecim

Leon Kahane warnt vor einer gedankenlosen Gedenkkultur

Leon Kahane Foto: Gregor Zielke

Leon Kahane (39), bildender Künstler, sieht die deutsche Gesellschaft an einem entscheidenden Punkt im Umgang mit der NS-Vergangenheit. »Die Rechten erstarken, um die Art, wie wir uns die Geschichte erzählen, wird erbittert gekämpft«, sagte Kahane im Interview der »Süddeutschen Zeitung« (Mittwoch). Seit dem Holocaust sei nun »ein Menschenleben« vergangen, und »die Zeitzeugen sterben«.

Intellektuelle und Künstler hätten sich viele Gedanken darüber gemacht, »ob man nach diesem Zivilisationsbruch, dem wirklich äußersten Akt der Gewalt, zu dem Menschen fähig sind, noch dichten kann oder soll, Bilder malen und so weiter«. Er sei nicht der Auffassun, dass das nicht gehe, sagte der Künstler. »Aber man muss verstehen, dass auch Auschwitz ein Ergebnis einer angenommenen kulturellen Differenz ist, die als so bedrohlich empfunden wurde, dass die sogenannte Endlösung legitim erschien.«

Kahane selbst hat sich bereits künstlerisch mit dem Konzentrationslager Auschwitz auseinandergesetzt und in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte der heutigen Gedenkstätte ausgestellt.

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»Sinnbild von Gewalt«

Für ihn sei dieser Ort für ein Kunstwerk »mit mehr Bedeutung aufgeladen als ein Fenster im Kölner Dom«, sagte Kahane in Anspielung auf Gerhard Richter. Vier Gemälde des 93-Jährigen sind seit gut einem Jahr in einem von ihm dafür entworfenen Museum auf dem Gelände der Jugendbegegnungsstätte zu sehen.

Richter, der 2007 ein Fenster für den Kölner Dom gestaltete, hatte die Bilder nach heimlich aufgenommenen Fotografien von Häftlingen aus dem Lager Birkenau zur Zeit des Massenmordens geschaffen. Damit setzt sich Kahane wiederum in seiner Schau »Dialog, Dialog, Dialog« auseinander: Sie wird am Samstag in der Kölner Galerie Nagel Draxler eröffnet.

Auschwitz sei für ihn »das Sinnbild von Gewalt«, erklärte Kahane; zugleich sei der Welt derzeit voller Gewalt. Er habe den Eindruck, »dass Gewaltkontexte künstlerischen Arbeiten einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit und Authentizität verleihen«. Das habe etwas Verführerisches: »Man hat offenbar aufgehört zu glauben, dass man sich diesem Thema mit besonders viel Nachdenken nähern muss.«

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