Fernsehen

»Bin ich die einzige Normale?«

Die Schweizerin Ariel nahm Gil Ofarim beim »Dschungelcamp« in die Zange. Foto: RTL

Das dürfte die Frage des vierten Dschungeltages sein: »Bin ich die einzige Normale?« Das will Ariel wissen. Ob man diese Frage wirklich mit »Ja« oder »Nein« beantworten kann, ist nicht Gegenstand dieser Kolumne, weder was Ariel noch was Gil noch was Eva noch was uns Zuschauer betrifft. Ohnehin geht es hier nicht um Häme. 

Was Ariel betrifft, kann gleich am Anfang eine Irritation ausgeräumt werden. »Ariel« ist ein Künstlername. Sie ist 22 Jahre alt, Schweizerin und ihre Berühmtheit in Deutschland verdankt sie eigentlich erst dieser Trashshow. Mit bürgerlichem Vornamen heißt sie Valeria. Ihr Nachname ist in der Öffentlichkeit nicht bekannt, was völlig okay ist. Was ich aber leider nicht weiß, ist, warum sie sich Ariel genannt hat. Das ist ja nun ein recht bekannter hebräischer Name, der für »Löwe Gottes« steht — außer im Falle von Waschmittel: Da steht er dafür, dass es nicht nur sauber, sondern rein wird.

Aber eine ganz andere Bedeutung hat dieser Name, wenn man die Dschungelcamperin selbst befragt. »Ich nenne mich ‚Ariel‘, weil ich früher rote Haare hatte wie die Meerjungfrau. Das war lange mein Markenzeichen«, hat sie der »Bild«-Zeitung gesagt. Blöderweise hat niemand nachgefragt, warum sie dann nicht doch besser »Arielle« heißen möchte, denn so heißt doch die Meerjungfrau.

Das Gemeine am Dschungelcamp ist, dass man als Zuschauer irgendwann zum Psychologisieren neigt

Nein, es geht immer noch nicht um die Frage, ob Ariel »die einzige Normale« ist. Das Gemeine am Dschungelcamp ist, dass man als Zuschauer irgendwann zum Psychologisieren neigt. Da muss die Show nur lange genug dauern oder der Streit schrill genug eskalieren. Falsch ist diese kaum abzuwimmelnde Neigung deswegen, weil irgendwelche Ferndiagnosen sich doch immer verbieten sollten. Das weiß man von sich selbst, und das vergisst man bei anderen. 

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Vor dem vorhergegangenen Dschungelcamp, 2025, hatten sich Wissenschaftler der Dualen Hochschule Baden-Württemberg mit dem Phänomen beschäftigt. Ihr Fazit: »Das Dschungelcamp erfüllt für viele Zuschauer*innen grundlegende psychologische Bedürfnisse wie Eskapismus, Gruppenerlebnisse und parasoziale Interaktion.«

»Eskapismus« meint, dass unsereins gerne aus dem Alltag flieht. »Gruppenerlebnisse« steht dafür, dass Dschungelfans angeblich gerne Dschungelfachgespräche führen. Und »parasoziale Interaktion« beschreibt eine sehr einseitige emotionale Bindung an die TV-Stars. Wir glauben, die zu kennen. 

Gerade letzteres könnte vielleicht helfen, die heftigen Reaktionen zu verstehen, die Ariel, Eva, Samira und sehr stark auch Gil Ofarim abbekommen. Da wird aus allen Rohren psychologisiert, geurteilt und beleidigt: als ob die Zuschauer mit den Stars seit Jahren persönlich vertraut wären; als ob das, was RTL zeigt, eine Eins-zu-Eins-Dokumentation wäre; und als ob sie bei entscheidenden Lebensmomenten — beispielsweise vor viereinhalb Jahren in einem Leipziger Hotel — dabei gewesen wären.

Es ist nicht »nur Dschungelcamp«, sondern eines der einflussreichsten Medienevents des Jahres

Spannend ist aber noch ein weiterer Aspekt. Kaum jemand, der sich über die temporären Campbewohner äußert, vergisst, dass dies ein Trashformat ist, eines, das man nicht ganz ernst nehmen darf. Das ist ganz wichtig. Denn, wenn beispielsweise Gil Ofarim auf Social Media offen antisemitisch beleidigt wird (ich zitiere jetzt nicht, könnte aber massenhaft zitieren), dann können wir sicher sein, dass die Beleidiger sich mit einem kernigen »war alles nur Spaß« herausreden werden, »ist doch nur Dschungelcamp«.

Da sollte man vielleicht doch für einen kleinen Moment einmal ganz ernst werden und sagen: Nein, es ist nicht »nur Dschungelcamp«, sondern es ist eines der einflussreichsten Medienevents des Jahres. 4,45 Millionen Menschen haben die Dienstagsstaffel gesehen.

Sie erleben da Wichtiges. Etwa dass Ariel, Eva und Gil wieder zur Dschungelprüfung müssen. Eine Dreierkonstellation, die schon einmal gescheitert ist, was zu Diskussionen führte.

Aber ist doch nur Dschungelcamp. Hauptsache, normal.

»Dschungelcamp 2026: Ich bin ein Star, holt mich hier raus!« bis 9. Februar 2026 um 20.15 Uhr auf RTL und RTL +

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