Der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet hat nach Angaben der Regierung einen hochrangigen Hamas-Funktionär bei einem Einsatz in Gaza-Stadt festgenommen. Muin al-Arabid, den Israel als Leiter des internen Sicherheitsapparats der palästinensischen Terrororganisation Hamas im gesamten Gazastreifen bezeichnet, wurde bei dem Zugriff verletzt und anschließend zur Vernehmung nach Israel gebracht.
Der Einsatz war offenbar über längere Zeit vorbereitet worden. Sicherheitskräfte beobachteten al-Arabid demnach und analysierten seine täglichen Bewegungen. Als er sich seinem Wohnort in Gaza-Stadt näherte, schlugen Spezialkräfte zu. Dabei wurde der Hamas-Funktionär angeschossen und anschließend festgesetzt.
Nach Angaben des israelischen Militärs und des Shin Bet dauerte die Operation mehrere Stunden. Während des Einsatzes griff die israelische Luftwaffe Ziele in der Umgebung an. Damit sollten mögliche Gefahren für die eingesetzten Kräfte beseitigt und ein Eingreifen bewaffneter Hamas-Mitglieder verhindert werden. Israelischen Angaben zufolge blieb die Einheit unentdeckt und kehrte ohne eigene Verluste zurück.
Später veröffentlichtes Videomaterial des arabischen Senders Al Jazeera zeigt bewaffnete Einsatzkräfte, die offenbar aus einem weißen Kleintransporter heraus schießen. Zuvor hatten palästinensische Berichte behauptet, die israelischen Soldaten seien während des Einsatzes entdeckt worden. Israelische Stellen wiesen diese Darstellung zurück.
Die Festnahme wurde zunächst offenbar anderen Akteuren zugeschrieben. Frühere Berichte hatten nahegelegt, von Israel unterstützte lokale Milizen hätten al-Arabid gefangen genommen. Die spätere Mitteilung von Armee und Shin Bet stellte jedoch klar, dass Spezialkräfte des Shin Bet die Operation gemeinsam mit dem IDF-Südkommando durchgeführt hatten.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete al-Arabid als einen der wichtigsten Hamas-Funktionäre. Ihm wird von israelischer Seite vorgeworfen, an der Bewachung israelischer Geiseln beteiligt gewesen zu sein. Zudem soll er hochrangige Hamas-Führer versteckt und beim Wiederaufbau der militärischen und organisatorischen Fähigkeiten der Terrororganisation geholfen haben.
Nach Darstellung Netanjahus war al-Arabid zuletzt auch an Bemühungen beteiligt, die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen wiederherzustellen. Zusätzlich soll er an Versuchen mitgewirkt haben, Israel über eine angebliche Entwaffnung des Gazastreifens zu täuschen, sowie Angriffe auf israelische Soldaten und Zivilisten unterstützt haben.
Der interne Sicherheitsapparat der Hamas ist unter anderem für die Spionageabwehr der Organisation zuständig. Er geht gegen Palästinenser vor, die verdächtigt werden, mit Israel zusammenzuarbeiten. Nach Angaben von Armee und Shin Bet arbeitete al-Arabid zuletzt daran, den Einfluss der Hamas im Norden des Gazastreifens zu stärken und Angriffspläne gegen israelische Truppen in der Nähe der sogenannten Gelben Linie voranzutreiben.
Die israelischen Behörden erklärten, das Ziel des Einsatzes sei es gewesen, eine konkrete Bedrohung auszuschalten, die Kontrolle der Hamas in dem Gebiet zu schwächen und geplante Angriffe auf Soldaten und Zivilisten zu vereiteln. Das Südkommando bleibe entsprechend der geltenden Vereinbarung im Einsatz und werde weiterhin gegen Bedrohungen vorgehen.
Parallel zu der Operation in Gaza-Stadt meldete die israelische Armee einen weiteren Einsatz im Norden des Gazastreifens. Dort sei der Kommandeur des militärischen Hamas-Flügels im Raum Dschabaliya getötet worden. Nach Darstellung der IDF hatte er Angriffe geplant und damit gegen die geltende Waffenruhe verstoßen. im