Ausstellung

Eintauchen ins Farbenmeer

Frida Pablo zeichnet nicht mit Ölkreide oder Aquarellfarben. Die Floristin und Designerin malt mit Blumen. Drei Millionen Orchideen, Chrysanthemen, Gerbera, Strandflieder und viele andere laden in der größten Blumenshow Israels zu einer »Reise zwischen den Welten« ein. Was normalerweise in der Vase auf dem Tisch steht, wird in den Messehallen Tel Aviv zum Fliegenpilz, Krabbelkäfer, Dinosaurierskelett oder sogar zum unter der Decke schwebenden Astronauten.

Die floralen Welten sehen aus, als wären sie einem Traum entsprungen. »Und genau so soll es sein«, sagt Pablo. Täglich geht sie mehrfach durch die gesamte Ausstellung und prüft, ob alles noch frisch und hübsch ist. Hier zupft sie eine verblühte Gerbera aus dem Pilz, dort steckt sie herabgefallene Strohblumen zurück in die Girlande.

»Wir mussten an alles denken: Bäume, Büsche, Bodengewächse«

»Es waren komplett leere Hallen hier. Also mussten wir an alles denken, Bäume, Büsche, Bodengewächse. Es geht also nicht nur um bunte Blumen, sondern um viel mehr«, erklärt die 79-Jährige. Tatsächlich ist die Ausstellung weniger klassische Blumenschau als vielmehr sinnliche Reise, bei der Gewächse zu Fantasiegebilden werden. 50 der bekanntesten Floristinnen und Floristen aus Israel waren an der Umsetzung beteiligt. »Wir haben die Besten aus dem ganzen Land engagiert«, so Pablo. »Jedes einzelne Stück ist ein Kunstwerk.«

Pablos Arbeit reicht weit über das Sträußebinden hinaus. Sie hat ein internationales Floristik-Diplom und entwarf Ausstellungen in der ganzen Welt, für die sie drei Goldmedaillen gewonnen hat. Schaut man sich um, scheint es kaum etwas zu geben, das sich aus Blumen nicht bauen lässt. Im »Meer« stellen Farnwedel mit ihren charakteristischen welligen Blattstrukturen Algen dar. Alles, was auf dem Boden gestaltet ist, Farne und Gräser, hat die Farbe von Wasser. Darüber »schwimmt« ein dicker Trompetenfisch aus rosa Blüten.

Ein »Waldgarten« in der nächsten Halle verbindet Phlox und Herbstastern mit kletternden Ranken aus Efeu und Wildem Wein. Strohblumen werden zu kleinen Tieren wie Käfern und Schlangen, dicke Gerbera zu Süßigkeiten in der Märchenwelt. Der Astronaut, der pastellig-bunt über den Köpfen der Besucher schwebt, ist aus Strandflieder entstanden.

Voller Liebe fürs Detail

Ruthi Aronov ist begeistert. Sie ist mit ihren beiden Enkelkindern hier, die noch Sommerferien haben. »Es ist wirklich fantastisch, was hier aus Blumen entstanden ist. So voller Liebe fürs Detail. Die Kinder mögen natürlich am liebsten die bunten Tiere, aber mir gefallen die außergewöhnlichen Gestecke am besten. So etwas habe ich noch nie gesehen.«

»Hier ist alles echt. Nicht eine einzige Plastikblüte kommt mir in die Ausstellung.«

Zu den Kreationen der verschiedenen Floristen gehören auffällige Gestecke wie eines in Knallrot aus herzförmigen Anthurien, die beinahe wie Plastik wirken. Ein Mann will das selbst testen, greift über die Absperrung und betastet ein Blatt. Anfassen verboten, doch Pablo schmunzelt: »Hier ist alles echt. Nicht eine einzige Plastikblüte kommt mir in die Ausstellung.«

Deshalb mussten zahlreiche Blumen eingeflogen werden. Ein großer Teil der verwendeten Gewächse stammt aus dem Ausland, darunter die seltene fleischfressende Sarracenia. Zum einen ist die Auswahl lokaler Schnittblumen in Israel während des Sommers begrenzt, zum anderen will man bewusst eine möglichst vielfältige internationale Blumenwelt zeigen. Manche Pflanzen, die in den Installationen zu sehen sind, gibt es in Israel überhaupt nicht, zum Beispiel einige der Orchideenarten.

Kreative und logistische Herausforderung

Doch diese Mengen an frischen Blumen wochenlang zu präsentieren, ist nicht nur eine kreative, sondern vor allem eine logistische Herausforderung. Die Blumen stecken in besonderen Schwämmen, die mit Wasser getränkt sind. Mehrfach am Tag läuft Pablo also durch die Hallen, in denen es mit 16 Grad im Vergleich zu den Außentemperaturen kühl ist, zupft, prüft, verbessert. Die scheinbare Leichtigkeit der kunterbunten Ausstellung bedeutet im Hintergrund einen enormen Aufwand und kostet rund dreieinhalb Millionen Euro.

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Der ausführende Produzent Moysh Frid, der die Produktion der Blumenausstellung zum zweiten Mal leitet, erklärt: »Etwa 80 Prozent der Blumen werden ausgetauscht. Wir gießen und besprühen die Installationen jeden Abend, und alle paar Tage ersetzen wir einen Großteil. Die Floristen arbeiten rund um die Uhr.«

Eigentlich hätte die Blumenschau bereits im Frühjahr stattfinden sollen. Doch wegen des Krieges mit dem Iran wurde sie auf den Sommer verschoben. Für Pablo bedeutete das auch einen Abschied von einigen ihrer Lieblingsblumen. »Die Frühlingsblumen kann man mit nichts vergleichen, diese Frische von Tulpen, Pfingstrosen und Hyazinthen, das ist einzigartig«, findet sie.

Die Designerin selbst nennt ihre Arbeit »ein bisschen durchgedreht«. Vielleicht braucht es tatsächlich ein wenig Verrücktheit, um drei Millionen Blumen in eine Traumwelt zu verwandeln. Vor allem aber braucht es Vorstellungskraft und Fantasie. Denn, wie sie sagt: »Es geht hier ja nicht nur um Blumen.«

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