Sara Netanjahu, Ehefrau des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, hat über den Chef der linken Partei Die Demokraten und ehemaligen stellvertretenden Generalstabschef der israelischen Armee, Yair Golan, ein Gerücht in die Welt gesetzt, das in Israel für Empörung sorgt. Golan habe möglicherweise bereits vor Beginn der Massaker des 7. Oktober 2023 von dem bevorstehenden Angriff der Hamas gewusst, deutete sie in einem Interview am Montagabend mit dem regierungsnahen Kanal 14 an.
Laut einem Bericht der »Times of Israel« regierte Golans Partei umgehend, sprach von Verleumdung und wies die Behauptung entschieden zurück. Belege hat Sara Netanjahu für ihre Andeutungen nicht vorgebracht. Sie wirken um so seltsamer, da Golan, der damals Reservist war, wegen seines mutigen Einsatzes am 7. Oktober als Held gefeiert wird.
Golan war um acht Uhr morgens in den Süden Israels gefahren, nachdem der Angriff der palästinensischen Terrororganisation Hamas gegen halb sieben begonnen hatte. Unter anderem begab er sich in die Gegend des Nova-Musikfestivals, wo Terroristen Hunderte Menschen massakrierten und Geiseln nahmen. Golan beteiligte sich an der Rettung zahlreicher Menschen.
Der öffentlich-rechtliche Sender Kan hatte damals dokumentiert, dass Golan an jenem Morgen von Angehörigen und anderen Personen Hilferufe erhielt und sich daraufhin zusammen mit anderen Helfern auf den Weg machte. Er suchte Festivalbesucher in Feldern und Obstplantagen und brachte sie in Sicherheit.
»Rote Linie überschritten«
Sara Netanjahu stellte in dem Interview die Schnelligkeit seines Einsatzes infrage. Damit erweckte sie den Eindruck, Golans frühes Eintreffen im Süden könne darauf hindeuten, dass er vorab über den Angriff informiert gewesen sei. Anders als ihr Mann. Für diese Schlussfolgerung gibt es allerdings keine Beweise. Golan kündigte Dienstagmorgen im Armeeradio an, dass er Sara Netanjahu, die keine Immunität besitzt, anzeigen werde.
Die Demokraten reagierten scharf auf die Äußerungen der Ehefrau des Premiers. Die Partei erklärte auf X, sie verurteile »mit Nachdruck die Verleumdungen und Lügen von Sara Netanjahu heute Abend auf Channel 14«. Weiter hieß es: »Verschwörungstheorien gegen General Yair Golan zu verbreiten und seinen Heldenmut am 7. Oktober in den Schmutz zu ziehen, überschreitet eine rote Linie und grenzt an Wahnsinn.«
»Kein Verrat«
Auch Netanjahu-Herausforderer Gadi Eisenkot empörte sich auf X: »Die ungeheuerliche Verschwörungstheorie vom Hochverrat, die absolut jeder faktischen Grundlage entbehrt und die von der Ehefrau des Premierministers gestern Abend verbreitet wurde, zielt einzig darauf ab, Hass zu schüren und die Regierung Netanjahu zu erhalten, deren einzige Regierungsweise darin besteht, zu spalten.«
Ebenso der ehemalige Premierminister Naftali Bennett reagierte sofort und würdigte Golans Mut am 7. Oktober. Er sei »in das Inferno gefahren und habe sein Leben riskiert, um Leben zu retten. (...) Netanjahu, seine Frau und sein Umfeld verbreiten eine kranke, falsche und gefährliche Verschwörungstheorie gegen Kommandeure der IDF und des Schin Bet sowie gegen Yair Golan.«
Die Äußerungen von Sara Netanjahu und der Vowurf des Verrats waren auch schon bei ihrem Sohn Yair Thema. Der Premier selbst soll sich im Frühjahr in einem anderen Fall gegenüber Abgeordneten ausdrücklich von dieser Darstellung distanziert haben. im