Gedenken

Die »schönen Sechs« - wir vergessen nicht

Hersh Goldberg-Polin, Ori Danino, Eden Yerushalmi (oben, v.l.), Almog Sarusi, Alexander Lobanov und Carmel Gat (unten, v.l.) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

»Wir vergessen nicht, dass sie lebend hätten zurückkehren können.« Das steht auf den Plakaten zur Erinnerung an die »schönen Sechs«, die am Montag an verschiedenen Orten des Landes aufgestellt worden sind. Darüber Fotos der lachenden Gesichter von sechs jungen Israelis. Sie alle sind tot. Zwei Jahre ist es an diesem Tag her, dass die Leichen von Hersh Goldberg-Polin, Almog Sarusi, Carmel Gat, Eden Yerushalmi, Alex Lobanov und Ori Danino aus einem Hamas-Tunnel im Gazastreifen geborgen wurden.

Die sechs waren am 7. Oktober während des Massakers auf die südlichen Gemeinden Israels lebend entführt worden und nach 329 Tagen – fast einem ganzen Jahr – in Gaza von der Terrororganisation erschossen worden. Nach der Einschätzung der israelischen Armee waren die israelischen Zivilisten, die als Geiseln festgehalten wurden, von ihren Kidnappern getötet worden, kurz bevor die israelischen Soldaten sie erreichen konnten.

Am Morgen darauf schrieb Präsident Isaac Herzog: »Das Herz einer ganzen Nation ist gebrochen durch die Nachricht der Ermordung von Ori, Carmel, Hersh, Alexander, Almog und Eden. «Der höchste Bund zwischen dem Staat und seinen Bürgern besteht darin, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Wir hatten die heilige und dringende Mission, sie nach Hause zu bringen. Im Namen des Staates Israel umarme ich ihre Familien von ganzem Herzen und entschuldige mich dafür, dass uns dies nicht gelungen ist.»

Auch der damalige US-Präsident Joe Biden drückte seine Trauer aus

Das Forum für Geiseln und Vermisste erklärte damals: «Wir sind in tiefer Trauer um Ori, Almog, Hersh, Carmel, Alexander und Eden. Möge ihre Erinnerung ein Segen sein.»

Nachdem die Familie von Hersh Goldberg-Polin seinen Tod bekannt gegeben hatte, schrieb auch der damalige US-Präsident Joe Biden, dass er am Boden zerstört und empört« sei. In der Erklärung hieß es weiter: »Hersh war einer der Unschuldigen, die am 7. Oktober bei einem Musikfestival für den Frieden in Israel brutal angegriffen wurden. Er verlor seinen Arm, als er Freunden und Fremden während des brutalen Massakers der Hamas half. Er war gerade 23 geworden. Er hatte vor, die Welt zu bereisen.«

»Ich habe seine Eltern, Jon und Rachel, kennengelernt. Sie waren mutig, weise und standhaft, selbst als sie Unvorstellbares erdulden mussten. Sie haben sich unermüdlich und unbeugsam für ihren Sohn und alle Geiseln eingesetzt, die unter unzumutbaren Bedingungen festgehalten wurden. Ich bewundere sie und trauere tiefer mit ihnen, als Worte es ausdrücken können.«

Der Cousin von Carmel Gat, Gil Dickman, sagte unter Tränen, dass er erst im Monat zuvor ein Lebenszeichen von Carmel bekommen habe. »Sie lebte!« Seit Monaten würden die Familien schreien, dass sie in »Gefangenschaft ermordet werden, wenn wir sie nicht jetzt rausholen«.

Rachel Goldberg-Polin: »Hoffnung ist Pflicht. Sie ist kein Gefühl mehr, sondern eine Verantwortung geworden.«

Hersh Goldberg-Polin, 23, wurde in den USA geboren und wanderte mit seiner Familie im Alter von sieben Jahren nach Israel aus. Am 7. Oktober besuchte Hersh das Nova-Musikfestival. Als der Hamas-Angriff begann, floh er in den »Todesbunker«. Während des Angriffs wurde Hershs Arm verletzt und Zeugen berichten, dass er es geschafft habe, sich selbst einen Druckverband anzulegen.

Am 24. April 2024 veröffentlichte die Hamas ein Video von Hersh, in dem er seine amputierte Hand zeigt. Hersh war ein begeisterter Fan des Basketballteams Hapoel Jerusalem. Seine Eltern kämpften in der ganzen Welt unermüdlich für die Freilassung ihres Sohnes.

Alexander Lobanov, 32, aus Aschkelon, hat mit seiner Frau Michal ein zweijähriges Kind und ein fünf Monate altes Baby, das geboren wurde, während Alexander in Geiselhaft war. Am 7. Oktober wurde er ebenfalls vom Festival entführt, wo er als Barmanager arbeitete.

Carmel Gat, 40, aus Tel Aviv: Ihre Mutter Kinneret wurde bei dem Hamas-Angriff ermordet. Während des Massakers brachen die Terroristen in das Haus ihrer Eltern im Kibbuz Be’eri ein und entführten sie. Nach 50 Tagen ohne Lebenszeichen erzählten befreite Geiseln, dass sie ihr Schutzengel gewesen sei. Um die Gefangenschaft zu überleben, brachte Carmel ihnen Meditations- und Yogaübungen bei.

Almog Sarusi, 27, aus Ra’anana: Almog wurde vom Musikfestival entführt, wo er mit seiner Freundin Shahar war. Die beiden waren seit fünf Jahren ein Paar. Shahar wurde getötet. Almog blieb bei ihr und versuchte zu helfen, als sie verletzt wurde, und wurde anschließend gefangen genommen.

Leitmotiv: »Möge seine Erinnerung eine Revolution sein«

Eden Yerushalmi, 24, aus Tel Aviv, arbeitete als Barkeeperin beim Festival. Während des Hamas-Angriffs sprach sie vier Stunden lang mit ihren Schwestern, die alles hörten, was sie bei ihrem Fluchtversuch durchmachte. Ihre letzten Worte waren: »Shani, sie haben mich erwischt.«

Ori Danino, 25, aus Jerusalem: Er plante, sein Studium der Elektrotechnik zu beginnen. Am 7. Oktober hatte Ori rechtzeitig vom Nova-Festival fliehen können. Doch dann besann er sich, kehrte um, um anderen bei der Flucht und beim Überleben zu helfen. Die Terroristen fanden und veschleppten ihn.

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Zwei Jahre später sind Hersh, Carmel, Almog, Ori, Eden und Alexander nicht vergessen. Bei einer Gedenkveranstaltung im August sagte Goldberg-Polins Vater: »Hersh, die Revolution für eine bessere Welt ist immer noch das Ziel.« Damit erinnerte er an die Worte, die nach Hershs Tod zu einem Leitmotiv der Familie geworden waren: »Möge seine Erinnerung eine Revolution sein.«

Auch seine Mutter spricht weiter über ihren Sohn und darüber, wie man mit seinem Tod weiterlebt. »Hoffnung ist Pflicht«, sagt sie. Die Hoffnung, die sie während Hershs Gefangenschaft aufrechterhielt, hat nach seinem Tod eine andere Form angenommen. Sie ist für die Mutter »kein Gefühl mehr, sondern eine Verantwortung geworden«. Sie war es auch die den Begriff der »schönen Sechs« auf der Beerdigung ihres Sohnes prägte. So solle man sich an sie erinnern, sagte Rachel Goldberg-Polin damals, »als die schönen Sechs«.

Die jungen Israelis wurden lebend gefangen genommen. Sie erduldeten den Horror der Geiselhaft der Hamas. Doch sie wurden kaltblütig ermordet. Wir vergessen sie nicht, die schönen Sechs.

Westjordanland/Gaza

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