Jerusalem

Netanjahu verurteilt Gewalt radikaler Siedler im Westjordanland

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2026

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich für ein entschlossenes Vorgehen der Behörden gegen eine Gruppe jüdischer Siedler ausgesprochen, die seit Wochen das palästinensische Dorf Kusra im Westjordanland belagern. Er verurteile aufs Schärfste »die kriminellen Gewalttaten, die von einer Handvoll Gesetzesbrechern verübt« worden seien, teilte Netanjahu mit. »Sie fügen der gesetzestreuen Siedlerbevölkerung großen Schaden zu, behindern die israelische Armee bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und schaden dem Ansehen Israels in der Welt.« Er erwarte von den zuständigen Behörden, dass die Randalierer so schnell wie möglich zur Rechenschaft gezogen werden.

Zuvor war es in Kusra erneut zu Gewalt gekommen. Dutzende israelische Randalierer hätten sich in einem palästinensischen Haus verschanzt, während palästinensische Einwohner ebenfalls zugegen gewesen seien, bestätigte die israelische Armee. Es habe Berichte über gewaltsame Konfrontationen gegeben, darunter Steinwürfe auf Palästinenser. 

»Die Sicherheitskräfte, die am Tatort eintrafen, gingen zunächst gegen die Randalierer vor, um sie aus dem Haus zu entfernen und die Gruppen voneinander zu trennen«, hieß es in der Mitteilung der Armee. »Damit sollten die Bewohner im Inneren des Hauses geschützt werden.« Es seien auch Fahrzeuge der israelischen Randalierer beschlagnahmt worden. Sie seien mit anderen Beweismitteln der israelischen Polizei übergeben worden und sollten im Rahmen polizeilicher Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen untersucht werden. 

Lesen Sie auch

Palästinensische Medien berichteten dagegen, die Siedler seien bei den Angriffen von Soldaten geschützt worden. Mehrere Palästinenser seien durch Pfefferspray verletzt worden, das die Siedler gegen sie eingesetzt hätten. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, weitere Siedler seien während des Vorfalls angerückt und hätten umliegende Felder in palästinensischem Besitz in Brand gesetzt. 

In Kusra belagern radikale Siedler seit drei Wochen mehrere Häuser palästinensischer Einwohner. Nach Angaben von Bewohnern und Aktivisten greift die israelische Armee bislang nicht wirksam dagegen ein. Die USA hatten in den letzten Wochen vor allem im Zusammenhang mit Kusra die Siedlergewalt deutlich verurteilt und nach Medienberichten von Israel ein entschlosseneres Vorgehen dagegen gefordert. dpa/ja

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Westjordanland/Gaza

Umfrage: Unterstützung für Hamas in Gaza sinkt weiter

Eine palästinensische Studie zeigt wachsende Distanz zu der Terrororganisation und mehr Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung. Eine große Mehrheit lehnt die Entwaffnung vor einem israelischen Rückzug ab

von Sabine Brandes  15.10.2026

Bericht

Netanjahu soll Trump zu Iran-Angriff vor der Wahl gedrängt haben

Der israelische Premier hat angeblich den US-Präsidenten gebeten, den Krieg vor den Wahlen wieder aufzunehmen. In Washington sieht man dabei auch innenpolitisches Kalkül

von Sabine Brandes  15.10.2026

Israel

Vor Schicksalswahl: Eisenkot verspricht Ende der Hamas-Herrschaft in 18 Monaten

Ex-Generalstabschef Eisenkot wirft Benjamin Netanjahu vor, die Kriegsziele im Gazastreifen verfehlt zu haben. Sollte er Regierungschef werden, kündigt er einen klaren Zeitplan an

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Wirtschaft

Käsekrise

Was nach einem Lieferengpass im Supermarkt aussieht, steht für ein großes Problem. Weil ausländische Techniker Israel meiden, stehen immer häufiger Maschinen still

von Sabine Brandes  15.10.2026

Diplomatie

Kolumbien verlegt Botschaft nach Jerusalem

Unter dem linken Präsidenten Petro brach Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Nun schlägt die neue Regierung einen anderen Kurs ein

 15.10.2026

Luftfahrt

Wie sicher sind Israel-Flüge?

Nach dem vereitelten Anschlag an Bord einer flydubai-Maschine werden immer mehr gravierende Sicherheitslücken bekannt

von Sabine Brandes  14.10.2026

Meldungen

Studium, Korruption, Aquädukt

Kurznachrichten aus Israel

von Sabine Brandes  14.10.2026