Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt Foto: picture alliance / SVEN SIMON

In den vergangenen Wochen haben radikale Siedler im Westjordanland mehrfach Moscheen in Brand gesteckt – in Kusra, in Kur, in At-Tuwani. Wände wurden mit Parolen wie »Rache« beschmiert und die Häuser palästinensischer Familien zerstört. Und es geschah in Sichtweite der israelischen Armee. Als Rabbiner, die für ein verantwortungsvolles Judentum einstehen, dürfen wir dazu nicht schweigen.

Unsere Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet. Unser Mitgefühl gilt auch den Familien von Chawat Gilad, deren Häuser vor Kurzem durch einen verheerenden Brand zerstört wurden. Ob es ein Unfall oder Brandstiftung war, wird noch untersucht. So oder so, der Verlust und der Schmerz der Bewohner sind real.

Die Europäische Rabbinerkonferenz hat in der Vergangenheit vom Oberrabbinat Israels eine klare Verurteilung solcher Taten gefordert – und auch erhalten.

In Israel stehen Moscheen unter staatlichem Schutz. Das Innenministerium finanziert die Gehälter von mehr als 300 Imamen. Dies gilt leider nicht für das Westjordanland, das unter israelischer Militärverwaltung steht. Die Europäische Rabbinerkonferenz hat in der Vergangenheit vom Oberrabbinat Israels eine klare Verurteilung solcher Taten gefordert – und auch erhalten. Präsident Isaac Herzog und Generalstabschef Eyal Zamir haben die Angriffe ebenso verurteilt. Diese moralische Klarheit war und ist notwendig.

Doch ohne echte Konsequenzen bleiben Worte nur Lippenbekenntnisse.Die Reaktion der zuständigen Behörden auf die Brandanschläge ist unzureichend, Anklagen und Verurteilungen sind die Ausnahme, Verdächtige kommen oft rasch wieder auf freien Fuß. Das alles erzeugt den Eindruck von Straflosigkeit. Die wiederum ermutigt zu weiterer Gewalt. Wenn Moscheen brennen, verbrennt auch unsere eigene Glaubwürdigkeit. Wer im Namen jüdischer nationaler Interessen ein Gotteshaus anzündet, greift nicht nur die Menschenwürde der Muslime an. Er fügt auch der moralischen Substanz des jüdischen Staates immensen Schaden zu.

Der Verfasser ist Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER).

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