Berlin hat gewählt. Und ganz ohne Häme, ganz ohne Zynismus, ganz ohne Schadenfreude, rein sachlich betrachtet: Berlin hat genau bekommen, was es verdient.
Kein Wähler kann sagen, er habe nicht gewusst, welch Geistes Kind der Sieger dieser Wahlen in Berlin ist. Einer Partei, deren Landesverbände ob ihrer extremistischen Politik oftmals vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssen (und nicht zuletzt auch deshalb ebenjenen Geheimdienst abschaffen möchten); einer Partei, die die Ukraine eher heute als morgen dem Kreml ausliefern möchte; einer Partei, die von Juden und Israelhassern ganz und gar durchsetzt ist; einer Partei, aus der die letzten Politiker mit Anstand und moralischem Kompass schon vor Langem ebenjene fluchtartig verlassen haben.
Nein, die Rede ist nicht von der rechtsextremen AfD. Die Rede ist von der linksextremen Die Linke. Die SED-Nachfolgepartei ist am heutigen Sonntag als Wahlsiegerin hervorgegangen und hat 24,8 Prozent der Stimmen erhalten, fast fünf Prozent mehr als die Zweitplatzierte CDU. Ein Erdrutschsieg!
Ausgerechnet die parlamentarische Vertretung des Antizionismus (oder genauer: der Auslöschung Israels), der arabischen Migranten und der wohlstandsverwahrlosten deutschen Bürgerkinder, die seit fast drei Jahren die Berliner Straßen mit ihren antisemitischen und Terror verherrlichenden »Yallah-Intifada«-Schlachtrufen fluten, ist von nun an die stärkste politische Kraft in der Hauptstadt.
Es ist nun an den Parteichefs der Berliner SPD und der Grünen, der Linkspartei einen Korb zu geben.
Wer findet den Unterschied? Die Groß- und Urgroßeltern der biodeutschen Linken-Wähler skandierten »Kauft nicht bei Juden«, »Juden ab nach Palästina« und »Der Jude bringt das deutsche Volk um«. Ihre Nachfahren skandieren heute, nur wenig direkter, »Kauft keine israelischen Produkte« »Juden raus aus Israel« und »Schluss mit dem Genozid Israels in Palästina«.
Mehr als 24, 8 Prozent für diese Partei!
Was ist nur aus dieser eigentlich so lebenswerten Stadt mit ihren eigentlich so liebenswerten Menschen passiert? Hier ist gerade etwas zu Bruch gegangen für das Gros der jüdischen Berliner – und auch jeder nichtjüdische Demokrat sollte sich mit diesem Wahlergebnis nicht abfinden. Rechnerisch hätte Schwarz-rot-grün eine Mehrheit. Es ist nun an den Parteichefs der Berliner SPD und der Grünen, der Linkspartei vor dem Hintergrund ihrer extremistischen Politik einen Korb zu geben und mit der CDU in Koalitionsgespräche zu gehen.
Werden Sozialdemokraten und Grüne sich für Die Linke entscheiden, könnten sie nicht länger für sich beanspruchen, eine Partei mit demokratischem und moralischem Gewissen zu sein. Und schon gar nicht könnten sie dann länger für sich reklamieren, Konsequenzen aus dem viel zitierten und auch von ihnen oft wie eine Monstranz vor sich her getragenen »Nie wieder!« gezogen zu haben.
Wenn sich in den Augen von SPD und Grünen die AfD für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links dann weniger schwer wiegen?
engel@juedische-allgemeine.de