Umwelt

Algen aus dem Nil bedrohen Israels Wasserversorgung

Die Meerwasserentsalzungsanlage Sorek
Die Meerwasserentsalzungsanlage Sorek Foto: Copyright (c) Flash90 2018

Cyberangriff, Ölverschmutzung oder Abwasser aus Gaza: Nachdem fünf der sechs großen israelischen Meerwasserentsalzungsanlagen nahezu gleichzeitig abgeschaltet wurden, machten im ganzen Land Gerüchte über die Ursache die Runde.

Laut der Wasserbehörde Mekorot und dem Energieministerium handele es sich jedoch um einen umweltbedingten Betriebsausfall: Eine ungewöhnlich hohe Trübung des Meerwassers verhindere den Betrieb der Anlagen. Hinweise auf einen Cyberangriff gebe es laut Nationalem Cyberkommando, Wasserbehörde und Branchenexperten nicht.

Im Wasser aus dem Mittelmeer, das in die Entsalzungsanlagen entlang der Küste gepumpt wird, wurden ungewöhnlich hohe Trübungswerte gemessen. Infolgedessen wurden fünf der sechs größten Meerwasserentsalzungsanlagen Israels vorübergehend abgeschaltet: Aschkelon, Aschdod, Palmachim, Sorek A und Sorek B. Die Anlage in Hadera war während des gesamten Vorfalls zumindest teilweise in Betrieb. Nur die Anlage in Eilat, die am Roten Meer liegt, arbeitete normal.

Am Montagabend wurde versucht, einige Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen, nur wenige Stunden darauf gaben Wasserbehörde und Energieministerium jedoch bekannt, dass die meisten Anlagen aufgrund erneut gestiegener Trübung wieder abgeschaltet wurden.

Satellitenbilder zeigen große Algenblüte im Nildelta

Mit »Trübung« wird eine hohe Konzentration von Partikeln im Wasser bezeichnet. Dazu gehören Schlamm, Sand aber auch Öl oder Mikroalgen beispielsweise. Forscher des Israelischen Instituts für Ozeanographie erklärten anschließend, dass Satellitenbilder großflächige Algenblüten im ägyptischen Nildelta zeigten. Hier mündet der große afrikanische Fluss. Strömungen im östlichen Mittelmeer transportieren regelmäßig Material aus dem Nil nach Norden, darunter Sand und anderes.

Experten meinen jedoch, dass es sich wahrscheinlich um eine Kombination mehrerer Faktoren handele, darunter die Algen, doch ebenso die Einleitung ungeklärter Abwässer ins Meer. Eine der Verschmutzungsquellen, die derzeit untersucht wird, sind mögliche Abwässer aus dem Gazastreifen, die ins Meer eingeleitet werden. Nach den schweren Schäden an der Abwasserinfrastruktur in der Palästinenserenklave fließt das Abwasser größtenteils direkt ins Meer.

Mekorot-Generaldirektor Yehezkel Lifshitz erklärte, dass eine starke Trübung des Meerwassers, die am Wochenende begann und sich von Süden nach Norden ausbreitete, die Anlagen daran hindert, Wasser zu filtern und normal zu arbeiten.

Wasserbehörde: »Wir bitten die Bevölkerung, Wasser so sparsam wie möglich zu verwenden und es bis zur Wiederherstellung des Normalbetriebs nur für das Nötigste zu nutzen.«

Entsalzungsanlagen in Israel arbeiten mit der sogenannten Umkehrosmose. Dafür wird das Nass aus dem Meer vorbehandelt und gefiltert, um Partikel und organische Substanzen zu entfernen, bevor es die eigentlichen Membranen erreicht. Bei extremer Partikelbelastung könnten die Membranen beschädigt werden, daher ist das Abschalten eine Vorsichtsmaßnahme.

Mittlerweile erklärte die Wasserbehörde, dass die Wasserversorgung der Haushalte zunächst unverändert fortgesetzt werde. Allerdings wurden in einigen Gebieten des Landes bereits lokale Versorgungsunterbrechungen gemeldet. Die Bewohner der Stadt Givatayim im Zentrum wurden gewarnt, dass es zu Unterbrechungen kommen könne.

Mekorot schrieb: »Aufgrund von Problemen im nationalen Wassernetz kann es zu Unterbrechungen der Wasserversorgung kommen, darunter reduzierter Wasserdruck und -ausfälle. Wir bitten die Bevölkerung, Wasser so sparsam wie möglich zu verwenden und es bis zur Wiederherstellung des Normalbetriebs nur für das Nötigste zu nutzen.

Zunächst hatte Mekorot eine Reduzierung der Frischwasserzufuhr für die Landwirtschaft im Süden angeordnet, in einigen Gemeinden wurde sie sogar zeitweise eingestellt. Später wurde die Anweisung erteilt, die Bewässerung von Gärten und Parks sowie nicht unbedingt notwendige öffentliche Nutzungen, wie beispielsweise Duschen am Strand, einzuschränken.

Produktion aus anderen Quellen wird erhöht

Währenddessen erhöht Mekorot die Produktion aus anderen Quellen, darunter aus dem Kinneret, Grundwasser und Reservoirs. Das nationale System ist so konzipiert, dass es mehrere Quellen kombinieren kann.

Gleichzeitig ist das Abschalten von fast allen Anlagen wegen der großen Abhängigkeit Israels von Meerwasserentsalzung von besonderer Bedeutung. Die sechs Entsalzungsanlagen liefern rund 75 Prozent des israelischen Wassers.

Umweltexperten warnen nun, dass es ein «Weckruf für den israelischen Wassersektor» sei. Ihrer Ansicht nach macht die vollständige Abhängigkeit von der Entsalzung die Versorgung zu anfällig für Störungen. Sie führten neben der Meeresverschmutzung durch Abwasser oder Öl, auch Cyberangriffe und sogar Raketenangriffe an.

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