Geiseln

Quälendes neues Geiselvideo

Ori Danino zündet Chanukka-Kerzen (2023). Foto: Screenshot

Die erstmalige Veröffentlichung alter Aufnahmen der im August 2024 ermordeten sechs Geiseln in Hamas-Gefangenschaft sorgt für Schock und Betroffenheit. Die israelische Armee hat nach Freigabe durch die Angehörigen der Gezeigten Videomaterial publiziert, das im Gazastreifen gefunden wurde.

Zu sehen sind die sechs israelischen Geiseln Carmel Gat, Eden Yerushalmi, Hersh Goldberg-Polin, Ori Danino, Alexander Lobanov und Almog Sarusi. In offensichtlichen Propaganda-Clips zünden sie Chanukka-Kerzen, spielen auf dem Boden sitzend Karten oder scheren einander die Köpfe – acht Monate bevor sie von den Terroristen, nachdem diese ihre Gefangenen fast verhungern ließen, durch Schüsse aus nächster Nähe in einem Tunnel hingerichtet wurden.

Verzweifelte Ironie

Weil das Videomaterial nun kurz vor Chanukka veröffentlicht wurde, ist es besonders quälend mit anzusehen, wie Danino kleine Kerzen auf Pappbechern befestigt und dann zündet, während die Gruppe das traditionelle Gebet »Schehechejanu« anstimmt und das Chanukka-Lied »Maos Zur« singt. Es ist offensichtlich der zweite Chanukka-Abend. Die Geiseln sind sichtlich aufgewühlt. Ein anderes Video zeigt sie bei einem Countdown zum neuen Jahr. Manchmal kommentieren sie das, was passiert, mit verzweifelter Ironie.

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Die Szenen sollten offensichtlich eine Art Normalität widerspiegeln, in der die Peiniger ihre Opfer »gut behandeln«, sie wurden von den Terroristen aber letztlich nicht benutzt. Stattdessen hatte die Hamas die Geiseln mehrfach zu Einzelstatements vor die Kamera gezwungen.
In einer gemeinsamen Stellungnahme der Angehörigen heißt es: »Das Zünden von Chanukka-Kerzen an einem so dunklen Ort steht für das Wesen des jüdischen Geistes: Licht, das die Finsternis überwindet.« Die Terrororganisation habe die Videos zwar zu Propagandazwecken gefilmt, doch die Menschlichkeit der »Beautiful Six«, wie die Ermordeten in Israel auch genannt werden, überstrahle jede Absicht der Täter. Die Familien mahnten auch, nicht zu vergessen, dass die Geiseln lebend verschleppt wurden und »lebend hätten zurückkehren müssen«.

Das Familienforum der Geiselangehörigen rief die israelische Bevölkerung dazu auf, beim Zünden der Chanukka-Kerzen an all jene zu denken, die seit fast 800 Tagen auf Antworten warten – und an die, die nie wieder gemeinsam Kerzen zünden können.

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