In Israel wächst der Widerstand gegen die sich abzeichnende Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Oppositionsführer Jair Lapid warf Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Montag vor, gegenüber Teheran und der Hisbollah keine entscheidenden Erfolge erreicht zu haben. Israelische Medien berichteten.
Lapid bezeichnete die geplante Vereinbarung als »Katastrophe«. Nach den bislang bekannt gewordenen Details würden weder das iranische Atomprogramm noch die Bedrohung durch ballistische Raketen ausreichend behandelt. Israel müsse sich unabhängig von Entscheidungen Washingtons seine militärische Handlungsfreiheit bewahren.
Zugleich kritisierte Lapid, dass Israel nicht direkt an den Gesprächen beteiligt gewesen sei. Es sei »absurd«, dass ein solches Abkommen ohne israelische Beteiligung ausgearbeitet werde. Wiederholt setze sich die Regierung große Ziele und scheitere anschließend daran, sagte der Vorsitzende der Partei Jesch Atid.
»Entscheidender Sieg«
Besonders scharf griff Lapid Netanjahu persönlich an. Der Regierungschef sei zwar ein talentierter Politiker, inzwischen aber »alt und müde geworden« und von ungeeigneten Personen umgeben. Das iranische Regime sei nicht schwächer, sondern stärker geworden.
Auch andere Oppositionspolitiker äußerten sich alarmiert. Avigdor Liberman erklärte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis Hisbollah-Drohnen Tel Aviv oder Jerusalem träfen. Israel müsse der vom Iran unterstützten Terrororganisation einen »entscheidenden Sieg« zufügen.
Der frühere Verteidigungsminister Benny Gantz forderte ebenfalls ein härteres Vorgehen. »Die beste Verteidigung gegen die Hisbollah ist der Angriff«, sagte er.
Nach Medienberichten sieht der entstehende Deal zunächst eine Verlängerung der bestehenden Waffenruhe um 60 Tage vor. Zudem soll die Schifffahrt durch die Straße von Hormus gesichert werden. Die eigentliche Frage des iranischen Atomprogramms würde demnach erst in späteren Gesprächen behandelt. Auch ein Ende der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Lebanon gehört offenbar zu den diskutierten Punkten. im