Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Will gegen Israel vorgehen: Andy Burnham Foto: picture alliance / AP Photo/Alastair Grant

Den »Reset-Knopf« habe Andy Burnham gedrückt. So beschrieb die »Guardian«-Journalistin Pippa Crerar die jüngsten Aussagen des designierten britischen Premierministers zu Israel und zum Gaza-Krieg.

Zuvor hatte Burnham, bis vor wenigen Wochen Bürgermeister der Großstadt Manchester und nun frisch gebackenes Mitglied des Unterhauses für den Wahlkreis Makerfield, ein Video veröffentlicht. Darin kündigte er eine Kurskorrektur in der Nahost-Politik an und entschuldigte sich für die Haltung seiner Labour-Partei zum Gaza-Krieg.

»Ich weiß, dass viele Menschen der Meinung sind, meine Partei habe zu Beginn der israelischen Militäroperation im Gazastreifen nicht richtig reagiert, und das tut mir leid. Die Reaktion war allzu oft nicht gut genug. Wir müssen es besser machen«, sagte Burnham.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es war eine Anspielung auf ein Interview des damaligen Oppositionsführers Keir Starmer, in dem dieser unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 Israel das Recht zusprach, im Kampf gegen die Hamas auch die Strom- und die Wasserlieferungen nach Gaza zu unterbrechen. Burnham betonte jetzt, er sei »zutiefst entsetzt über das, was ich über die Zerstörung des Gazastreifens gesehen und gelesen habe. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass offenbar Kriegsverbrechen begangen wurden«, so der 56-Jährige.

Mit dem angekündigten »Bessermachen« meint Burnham wohl nicht nur eine Verschärfung der Rhetorik gegenüber Israel und dessen Regierung, sondern auch neue Sanktionen. Zwar hat auch der amtierende Premierminister und Labour-Chef Keir Starmer schon Strafmaßnahmen ausgesprochen und beispielsweise Israels Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, und für Finanzen, Bezalel Smotrich, im Juni 2025 auf die Sanktionsliste setzen lassen. Zudem erkannte London im Sommer des letzten Jahres offiziell einen Staat Palästina an. Doch für viele Labour-Mitglieder gingen diese Schritte noch nicht weit genug.

Der jüngste Aufschwung der Grünen bei Kommunalwahlen in England und Wales hängt offenbar mit der Haltung von Labour gegenüber Israel zusammen: Von den Wählern, die die »Greens« den regierenden Sozialdemokraten abspenstig machen konnten, sagten rund zwei Drittel, die Haltung Labours zum Nahostkonflikt sei für sie ausschlaggebend gewesen. Auf der anderen Seite droht eine schärfere Abgrenzung zu Israel auch den von Starmer weitgehend entschärften Antisemitismus-Streit in der Partei neu zu entfachen. Viele jüdische Wähler hatten sich unter seinem Vorgänger Jeremy Corbyn von Labour abgewendet.

Andy Burnham, der voraussichtlich in einigen Wochen als Labour-Vorsitzender und damit automatisch als Nachfolger Starmers in 10 Downing Street installiert werden dürfte, will dennoch »mehr Druck auf die israelische Regierung ausüben«. Konkret dürfte das wohl bedeuten, dass bald neue Namen auf die Sanktionsliste genommen werden.

Zudem könnte Burnham dem irischen und spanischen Beispiel folgen und einen Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland verkünden. Eine parlamentarische Mehrheit ist ihm schon jetzt sicher. Bereits im Juni hatte sich ein Drittel der Fraktion für eine solche Maßnahme ausgesprochen. Falls Burnham dies als Vorschlag der Regierung einbringt, gilt die Fraktionsdisziplin.

Allerdings dürfte sich der neue Mann bewusst sein, dass er gerade bei diesem Thema mit Argusaugen beobachtet wird. Forderungen aus der Parteilinken, das israelische Vorgehen gegen die Hamas in Gaza einen »Genozid« zu nennen, gab Burnham nicht nach. Es sei Aufgabe der Gerichte, das zu klären.

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Religiosität

Mehr Israelis für jüdische Präsenz im öffentlichen Raum

Wie hält es der Israeli mit der Religion und genauer: mit dem öffentlich gelebten Judentum? Dieser Frage ging ein Rabbinernetzwerk nach

von Andrea Krogmann  14.08.2026

Washington/Tel Aviv/Gaza

US-Ermittler untersuchen Spendenkampagnen mit möglichen Verbindungen zu Terrorgruppen

Hunderttausende Euro sollen an die Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad weitergegeben worden sein

 14.08.2026

Nahost

Benjamin Netanjahu auf Gegenkurs zu Donald Trump

Israels Premier weist den Gaza-Plan des US-Präsidenten zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  14.08.2026

Israel

Die Stimme, der man traut: Oren Nahari ist tot

Mit nur 70 Jahren ist der beliebte Journalist Oren Nahari gestorben. Wenige Tage nach seiner letzten Radiosendung

 13.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Militär

Gefährlicher Schwarm

Experte Danny Orbach über neue Technologie in der Kriegsführung, Herausforderungen beim Zivilschutz und den Drohnenfund in Leipzig

von Sabine Brandes  13.08.2026

Nachrichten

Warnung, Netzwerke, Jahrzeit

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  13.08.2026