Justiz

Verfassungskrise und Anarchie?

Eine Sitzung in der Knesset Anfang Juli Foto: Flash 90

Israel steht vor einer Verfassungskrise, nachdem die Regierung einstimmig eine Resolution verabschiedet hat, in der sie erklärte, ein Urteil des Obersten Gerichtshofs nicht anzuerkennen. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes.

Dabei geht es um die Entscheidung vom 17. Juni, den Zweiten Rat der Fernseh- und Rundfunkbehörde wiedereinzusetzen, obwohl die Anzahl der amtierenden Mitglieder unter der gesetzlich vorgeschriebenen liegt. Das Urteil erlaubt dem Rat, seine Arbeit wiederaufzunehmen. Doch die Regierung erklärte, dass sie die auf Grundlage des Urteils getroffenen Maßnahmen nicht anerkennen werde. Kommunikationsminister Shlomo Karhi (Likud) versucht schon länger, den Zweiten Rat abzuschaffen, um eine Medienbehörde unter Regierungsaufsicht zu bringen.

Zusammenbruch der institutionellen Ordnung

Eine unmittelbare Folge des aktuellen Vorgangs könnte die erwartete Genehmigung des Verkaufs von Kanal 13 an eine Gruppe von Hightech-Investoren sein. Stimmt der Rat dieser Transaktion zu, und die Regierung erkennt das nicht an, würde dies heißen, dass staatliche Behörden denselben Rechtsakt unterschiedlich behandeln, was einer Verfassungskrise entspricht.

Der neuerliche Streit ist eine beachtliche Eskalation in den Spannungen zwischen Regierung und Justiz.

Eine solche Situation entsteht, wenn einzelne Staatsorgane die Legitimität der Entscheidungen anderer nicht respektieren, was nicht weniger als einem Zusammenbruch der institutionellen Ordnung gleichkommt. Alle noch lebenden ehemaligen Präsidenten des Obersten Gerichtshofs sprechen daher von einem Zustand der »Anarchie«, der nun drohe.

Da Israel keine schriftliche Verfassung besitzt, hängt das Gleichgewicht zwischen Exekutive, Legislative und Judikative von anerkannten Verfassungsnormen und der Einhaltung von Gerichtsurteilen ab. Der neuerliche Streit ist eine beachtliche Eskalation in den Spannungen zwischen Regierung und Justiz.

Lesen Sie auch

Karhi erklärte: »Rechtsstaatlichkeit ist nicht die Herrschaft der Richter«, während Kultur- und Sportminister Miki Zohar versucht, die Befürchtungen einer Verfassungskrise zu zerstreuen. Er glaube, Premier Benjamin Netanjahu werde sich letztlich an das Urteil halten. »Es wird keine Verfassungskrise geben.« Denn, so Zohar, »eine Verfassungskrise ist der Anfang vom Ende«.

Oppositionspolitiker sehen den Zusammenbruch bereits gekommen. Der Knessetabgeordnete Ram Ben Barak (Jesch Atid) sagte: »Eine rote Linie wurde überschritten. Wir befinden uns in einer echten Verfassungskrise, im Grunde in einer Form der Anarchie.«

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Religiosität

Mehr Israelis für jüdische Präsenz im öffentlichen Raum

Wie hält es der Israeli mit der Religion und genauer: mit dem öffentlich gelebten Judentum? Dieser Frage ging ein Rabbinernetzwerk nach

von Andrea Krogmann  14.08.2026

Washington/Tel Aviv/Gaza

US-Ermittler untersuchen Spendenkampagnen mit möglichen Verbindungen zu Terrorgruppen

Hunderttausende Euro sollen an die Hamas und den Palästinensischen Islamischen Dschihad weitergegeben worden sein

 14.08.2026

Nahost

Benjamin Netanjahu auf Gegenkurs zu Donald Trump

Israels Premier weist den Gaza-Plan des US-Präsidenten zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  14.08.2026

Israel

Die Stimme, der man traut: Oren Nahari ist tot

Mit nur 70 Jahren ist der beliebte Journalist Oren Nahari gestorben. Wenige Tage nach seiner letzten Radiosendung

 13.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Militär

Gefährlicher Schwarm

Experte Danny Orbach über neue Technologie in der Kriegsführung, Herausforderungen beim Zivilschutz und den Drohnenfund in Leipzig

von Sabine Brandes  13.08.2026

Nachrichten

Warnung, Netzwerke, Jahrzeit

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  13.08.2026