Tel Aviv

Jonathan Pollard will in die Politik

Jonathan Pollard Foto: copyright (c) Flash90 2025

Der frühere amerikanische Spion Jonathan Pollard will in die israelische Politik einsteigen. Der einstige Geheimdienstanalyst der US-Marine kündigte an, bei der nächsten Wahl kandidieren zu wollen. Nach eigenen Angaben fiel die Entscheidung nach längerer Überlegung. Ausschlaggebend sei der Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gewesen.

Pollard sagte in einem Interview mit dem israelischen Kanal 13, die Ereignisse dieses Tages und die folgenden Entwicklungen hätten ihn überzeugt, sich aktiv einzumischen. Israel brauche eine neue politische Richtung und eine entschlossenere Führung, so seine Einschätzung.

Inhaltlich vertritt Pollard eine harte Linie. Für den Gazastreifen sprach er sich für einen »vollständigen Transfer« der Bevölkerung aus. Gleichzeitig äußerte er Zweifel am bisherigen Verlauf des Krieges und erklärte, Israel sei derzeit nicht auf dem Weg zum Sieg.

Keine Zusammenarbeit mit Bennett

Auch gegenüber Premierminister Benjamin Netanjahu zeigte sich Pollard kritisch. Zwar werde er jede demokratische Entscheidung akzeptieren, doch müsse die politische und militärische Führung seit dem 7. Oktober genau überprüft werden.

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Eine Kooperation mit Oppositionspolitiker Naftali Bennett schloss Pollard aus. Zwar habe Bennett mit seiner Kritik an Netanjahu »recht«, sagte er, doch dessen frühere Rolle bei sicherheitspolitischen Entscheidungen stehe einer Zusammenarbeit im Weg.

Pollard kündigte an, gemeinsam mit Nissim Louk anzutreten, dessen Tochter Shani zu den bekanntesten Opfern des Hamas-Massakers gehört. Die junge Deutsch-Israelin war beim Angriff auf das Nova-Musikfestival ermordet worden.

Umstrittene Figur

Pollard gilt seit Jahrzehnten als hoch umstrittene Persönlichkeit in den Beziehungen zwischen den USA und Israel. In den 1980er Jahren hatte er geheime Dokumente an Israel weitergegeben und wurde 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach 30 Jahren kam er 2015 unter Auflagen frei, die erst 2020 endeten.

Im selben Jahr wanderte er nach Israel aus, wo er von Netanjahu empfangen wurde. Während Unterstützer seine Strafe als überzogen betrachten, bewerten US-Behörden den Fall bis heute als schweren Schaden für die nationale Sicherheit.

Zuletzt sorgte Pollard erneut für Aufmerksamkeit – durch ein Treffen mit dem US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee. Berichten zufolge war die Washingtoner Regierung darüber im Vorfeld nicht informiert worden, was innerhalb der Sicherheitsbehörden für Unruhe sorgte. Pollard selbst bezeichnete das Gespräch später als rein persönlichen Austausch. im

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