Jerusalem

Knesset-Auflösung: Erstes Votum für Montag angesetzt

Die Knesset am Mittwoch Foto: copyright (c) Flash90 2026

Im israelischen Parlament zeichnet sich eine neue politische Weichenstellung ab: Der Gesetzentwurf zur Auflösung der Knesset soll am kommenden Montag in erster Lesung eingebracht werden. Damit nimmt ein möglicher vorgezogener Wahltermin langsam Gestalt an, auch wenn das genaue Datum weiterhin offen bleibt. Israelische Medien berichteten.

Für die Regierungskoalition von Benjamin Netanjahu (Likud) bestätigte Sprecher Ofir Katz (Likud) die geplante Abstimmung am Abend. Parallel dazu soll zunächst im zuständigen Ausschuss über zentrale Punkte beraten werden, darunter auch die Frage des Wahltermins.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Knesset in einer Vorabstimmung mit großer Mehrheit den Weg für den Gesetzentwurf freigemacht. 110 Abgeordnete stimmten dafür, Gegenstimmen gab es nicht. Seitdem hatte das Verfahren allerdings zunächst stagniert, während sich die Spannungen innerhalb der Regierungskoalition verschärften.

Beschleunigung des Verfahrens

Auslöser der politischen Krise ist unter anderem der Streit um ein umstrittenes Wehrpflichtgesetz für ultraorthodoxe Männer, der die Beziehungen zwischen Premierminister Netanjahu und seinen charedischen Koalitionspartnern belastet.

Die Oppositionspolitikerin Meirav Ben-Ari (Jesch Atid) hatte zuletzt auf eine Beschleunigung des Verfahrens gedrängt und eine Behandlung im zuständigen Ausschuss eingefordert. Sie kritisierte, dass die Koalition den Prozess gezielt steuere, um Einfluss auf den Zeitpunkt möglicher Neuwahlen zu behalten.

Auch innerhalb der Regierung wird die eigene Gesetzesinitiative als strategisches Instrument betrachtet. Beobachter sehen darin den Versuch, den Zeitplan für mögliche Neuwahlen unter Kontrolle zu halten, bevor das Parlament möglicherweise vorzeitig aufgelöst wird.

Lesen Sie auch

Fest steht bereits jetzt: Selbst bei einer beschleunigten Auflösung der Knesset könnten Neuwahlen nicht kurzfristig stattfinden. Nach geltendem Recht müssen mindestens 90 Tage zwischen Auflösung und Wahltermin liegen. Damit scheidet ein Wahltermin im August aus.

Als mögliche Szenarien gelten derzeit vor allem Anfang September oder der Oktober, wobei auch innerhalb der Koalition unterschiedliche Vorstellungen bestehen. Während Teile der ultraorthodoxen Parteien auf einen früheren Termin drängen, wird auch über eine Verschiebung in Richtung Ende Oktober diskutiert, um politische und militärische Ziele noch abschließen zu können.

Parallel dazu hat die Koalition in den vergangenen Tagen versucht, weitere umstrittene Gesetzesvorhaben in einem beschleunigten Verfahren durch die Ausschüsse zu bringen. Hintergrund ist die Erwartung, dass die Legislaturperiode möglicherweise vorzeitig endet. im

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Reisen

2,4 Millionen Israel-Flugtickets könnten storniert werden

Noch immer nehmen US-Maschinen den größten Teil des Ben-Gurion-Flughafens in Beschlag. Verkehrsministerin Regev warnt vor Schäden in Milliardenhöhe

von Sabine Brandes  15.06.2026

Rehovot

Israelis entwickeln neue Methode zur Suche nach außerirdischem Leben

Wissenschaftler des Weizmann-Instituts haben ein statistisches Analysewerkzeug entwickelt, das anhand von Molekülmustern erkennt, ob bestimmte Stoffe biologischen Ursprungs sind

 15.06.2026

Tel Aviv

Naftali Bennett: »Netanjahu kann es einfach nicht mehr«

»Er kann keine Kriege gewinnen. Er kann die Kriminalität nicht bekämpfen. Er kann die Preise nicht senken. Er kann die Ultraorthodoxen nicht in die israelische Gesellschaft integrieren«, sagt der Kandidat der Partei »Zusammen«

 15.06.2026

Kommentar

Die Welt atmet auf, viele Juden tun es nicht

Weder Hamas noch Hisbollah sind verschwunden. Das iranische Regime sitzt weiterhin in Teheran, mit derselben Ideologie, die den 7. Oktober verursacht hat

von Guy Katz  15.06.2026

Washington D.C.

Trump über Netanjahu: Er hat kein Urteilsvermögen

Der amerikanische Präsident beschwert sich über Israels jüngste Attacken auf Hisbollah-Ziele in der libanesischen Hauptstadt: »Warum musste Bibi einen verdammten Angriff durchführen?«

 15.06.2026

Palästinensische Gebiete

Abbas kündigt Präsidentschaftswahlen für 2027 an

Es wären die ersten seit 20 Jahren

 14.06.2026