Mittelmeer

Israelische Armee stoppt Greta Thunbergs Aktivistenschiff

Die »Madleen« war am 1. Juni von Sizilien aus in See gestochen Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach tagelanger Fahrt auf einem Segelschiff mit Hilfsgütern für die Menschen im Gazastreifen sind Greta Thunberg und weitere Aktivisten kurz vor ihrem Ziel von der israelischen Armee gestoppt worden. Das Schiff werde von der Marine zur israelischen Küste geschleppt, die Passagiere sollten in ihre Heimatländer zurückkehren, teilte das israelische Außenministerium am frühen Morgen auf der Plattform X mit. Zuvor hatte das Bündnis Freedom Flotilla Coalition mitgeteilt, israelische Soldaten seien an Bord der »Madleen« gegangen. 

Das israelische Außenministerium betonte, alle Passagiere des – abschätzig als »Selfie-Jacht« bezeichneten – Schiffs seien sicher und unversehrt. Sie seien mit Wasser und Sandwiches versorgt worden. »Die Show ist vorbei.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Aktivisten hätten versucht, eine mediale Provokation zu inszenieren mit dem einzigen Zweck, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Ihre Ladung sei so geringfügig gewesen, dass sie nicht einmal einer Lkw-Lieferung mit Hilfsgütern entspreche. «Es gibt Wege, Hilfe in den Gazastreifen zu bringen – ohne Instagram-Selfies», hieß es in der Stellungnahme.

«Die winzige Menge an Hilfsgütern auf der Jacht, die nicht von den ‚Promis‘ aufgebraucht wurde, wird nun über echte Hilfskanäle in den Gazastreifen gebracht», teilte das Ministerium weiter mit.

Laut dem deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, wurden alle Passagiere nach Israel gebracht. «Alle Passagiere wurden von der Marine nach Israel gebracht, die uns versichert, dass sie alle unversehrt sind», schrieb Botschafter Steffen Seibert auf X. Sie seien aufgefordert worden, das Land zu verlassen. «Für einen deutschen Staatsbürger haben wir konsularischen Beistand angeboten», schrieb er.

Das Bündnis Freedom Flotilla Coalition veröffentlichte auf X mehrere vorab aufgezeichnete Videos, in denen die Aktivisten an Bord ihre jeweiligen Heimatländer um Hilfe bitten. Sie seien von israelischen Kräften entführt worden, heißt es darin. Zuvor hatten die Aktivisten mitgeteilt, Drohnen würden das Schiff umkreisen und mit einer weißen, farbähnlichen Substanz besprühen. Zudem sei die Kommunikation über Funk gestört.

Doch die Aktivisten wurden nicht enführt, sondern von israelischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen. Sie sollen bald mit dem Flugzeug nach Hause geschickt werden. Zuvor wollen die Behörden aber Greta Thunberg und den anderen Aktivisten einen 45-minütigen Zusammenschnitt der Massaker vom 7. Oktober 2023 zeigen.

Israels Botschaft: «Ihr werdet Gaza nicht erreichen»

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte die Armee am Sonntag angewiesen, die Ankunft des Schiffes zu verhindern. «Der Staat Israel wird niemandem erlauben, die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen», verkündete Katz. In einer scharf formulierten Mitteilung hieß es zudem: «Der antisemitischen Greta und ihren Freunden, den Hamas-Propagandisten, sage ich ganz klar: Ihr solltet umkehren – denn ihr werdet Gaza nicht erreichen.» Israel hatte Aktivisten auch in früheren Fällen schon die Genehmigung verweigert, mit ihren Schiffen an der Küste des abgeschotteten Gazastreifens anzulegen.

Tagelange Fahrt durchs östliche Mittelmeer

Thunberg war mit elf weiteren Aktivistinnen und Aktivisten am 1. Juni von Sizilien aus in See gestochen, um mit dem Schiff dringend benötigte Hilfsgüter wie Babynahrung und medizinische Güter nach Gaza zu bringen. Zugleich wollten sie mit der Aktion internationale Aufmerksamkeit auf die humanitäre Notlage in dem dicht besiedelten Küstengebiet mit rund zwei Millionen Bewohnern richten. Nach der tagelangen Fahrt durchs östliche Mittelmeer wollten sie eigentlich am Montagmorgen an der Küste Gazas eintreffen. 

Thunberg ist mit ihrem rigorosen Kampf für mehr Klimaschutz weltbekannt geworden. Die mittlerweile 22-jährige Schwedin engagiert sich seit längerem aber vor allem als Palästina-Aktivistin. Ihr Credo: Ohne soziale Gerechtigkeit könne es auch keine Klimagerechtigkeit geben.

Doch Greta Thunberg dämonisiert dabei immer wieder Israel. Rund zwei Wochen nach den Massakern vom 7. Oktober 2023, bei denen die Terroristen der Hamas rund 1200 Menschen ermordeten und 250 weitere als Geiseln nahmen, warf Thunberg Israel unter anderem vor, «ethnische Säuberungen» im Gazastreifen vorzunehmen. Die Hamas lässt sie Kritikern zufolge bei ihren Anschuldigungen außen vor.

Greta Thunberg hatte sich auf der «Madleen» mit Terror-Sympathisanten umgeben. An Bord war etwa der Brasilianer Thiago Avila, der Hassan Nasrallah, den getöteten Chef der libanesischen Terror-Miliz Hisbollah als «Märtyrer» bezeichnet. Die französische EU-Abgeordnete Rima Hassan, die mit Thunberg reiste, bezeichnete die Hamas als «Widerstandsbewegung». Gegen die israelfeindliche Berliner Aktivistin Yasemin Acar erhob die Staatsanwaltschaft Anklage, weil sie Hamas-Parolen benutzt und Polizisten angegriffen haben soll.

Lesen Sie auch

Fast dreimonatige Blockade gelockert

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor 20 Monaten wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 54.800 Palästinenser im Gazastreifen getötet und verheerende Schäden angerichtet. Die Zahlen lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen und unterscheiden nicht zwischen Terroristen und Zivilisten.

Israel hat die Lieferung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gütern im Zuge des Krieges gegen die islamistische Hamas fast drei Monate lang unterbunden, die Blockade zuletzt aber etwas gelockert. Damit will die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Hamas nach eigenen Angaben dazu bringen, die von ihr festgehaltenen Geiseln freizulassen.

Nicht der erste Versuch, die Gaza-Blockade zu durchbrechen

Nach der gewaltsamen Übernahme der Kontrolle im Gazastreifen durch die palästinensische Terrororganisation im Jahr 2007 hatte Israel seine Blockade des Küstenstreifens nochmals verschärft. Die von Ägypten mitgetragene Maßnahme wird von Israel mit Sicherheitserwägungen begründet. Die Hamas hat sich die Zerstörung des jüdischen Staats auf die Fahne geschrieben.

Immer wieder haben Aktivisten versucht, die Blockade auf See zu durchbrechen. Bei einer solchen Aktion im Jahre 2010 hatten israelische Soldaten das türkische Schiff «Mavi Marmara» geentert. Dabei griffen die Aktivisten - viele von ihnen hatten enge Verbindungen zur Hamas - die israelischen Soldaten mit Messern, Knüppeln und anderen Waffen an. Mehrere israelische Soldaten wurden verletzt. Neun Aktivisten kamen ums Leben.

Das israelische Außenministerium wies darauf hin, dass die Seezone vor Gaza Konfliktgebiet sei. «Unbefugte Versuche, die Blockade zu durchbrechen, sind gefährlich, rechtswidrig und unterminieren die derzeitigen humanitären Bemühungen.» 

Armee: Leiche von Hamas-Führer identifiziert

Derweil wurde nach Angaben der israelischen Armee die Leiche des Hamas-Militärchefs Mohammed al-Sinwar identifiziert - der Bruder des einstigen, ebenfalls getöteten Hamas-Anführers Jihia al-Sinwar. Seine sterblichen Überreste seien in einem unterirdischen Tunnel unter dem Europäischen Krankenhaus in Chan Junis im Süden des Gazastreifens gefunden worden, hieß es. 

Der Hamas-Anführer sei zusammen mit dem Kommandeur der Rafah-Brigade, Mohammed Sabaneh, bei einem Angriff am 13. Mai getötet worden. Beide hätten sich in einem unterirdischen Kommando- und Kontrollzentrum der Hamas versteckt gehalten. 

In dem Tunnel seien verschiedene Gegenstände gefunden worden, die den beiden Männern gehörten, hieß es in der Mitteilung der Armee – ohne dass weitere Details genannt wurden. «Die Leichen weiterer Terroristen wurden während des Einsatzes entdeckt, ihre Identitäten werden gegenwärtig untersucht.» 

Auch der israelische Ministerpräsident Netanjahu hatte zuletzt im Parlament gesagt, Mohammed al-Sinwar sei tot. Nachdem das israelische Militär den Hamas-Militärchef Mohammed Deif im vergangenen Jahr getötet hatte, war er zum neuen Chef der Kassam-Brigaden aufgestiegen - des bewaffneten Arms der Hamas. dpa/ja

Hintergrund

UNRWA: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Israel-Lobby

Eine neue Studie der linksparteinahen Stiftung präsentiert jüdische und pro-israelische Organisationen in Deutschland pauschal als Sprachrohre der Regierung in Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  06.07.2026

Jerusalem

Erleichte Zulassung eingewanderter Psychologen

Im Ausland ausgebildete Psychologen sollen künftig schneller in Israel praktizieren können. Hintergrund ist auch die Krise der mentalen Gesundheit seit dem 7. Oktober

 06.07.2026

Unabhängige Medien

Angriff auf Israels größten Nachrichtensender

Ein maskierter Mann hat in der Nacht mit einem Backstein die Eingangstür des Kanals 12 zertrümmert. Journalisten warnen schon länger vor wachsender politischer Gewalt und zunehmender Hetze

von Sabine Brandes  06.07.2026

Jerusalem

Steht Israel vor einer Verfassungskrise?

Die Regierung will eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes nicht anerkennen. Kulturminister Zohar erwartet jedoch, dass sich der Premier dem Urteil beugen wird. Die Hintergründe

von Sabine Brandes  06.07.2026

Tel Aviv

Sasha Troufanov und Sapir Cohen: Emotionale Hochzeit zweier ehemaliger Geiseln in Israel

»Ihr wart die ganze Zeit an unserer Seite. Vielen Dank. Ich liebe euch«, sagte der Bräutigam unter der Chuppa. Unter den Gästen war auch Israels Präsident Isaac Herzog

 06.07.2026

Jerusalem

Netanjahu widerspricht Vance: Israel hat »sehr viele Freunde«

Zuvor hatte US-Vizepräsident JD Vance behauptet, dass die USA der einzige internationale Verbündete Israels seien. Der israelische Präsident entgegnete, dass die internationalen Beziehungen des Landes deutlich besser seien, als es der öffentliche Eindruck vermuten lasse

 06.07.2026

Jerusalem

Israel stellt Unterstützungs-Programm für Überlebende des Nova-Festivals bereit

60 Millionen Schekel will die israelische Regierung investieren, damit Betroffene bis mindestens 2028 kontinuierlich betreut und rehabilitiert werden

 06.07.2026

Gesundheit

Rezept gegen die Pillen

Neue Vorschriften sollen den Missbrauch opioidhaltiger Medikamente eindämmen. Israel führt weltweit beim Pro-Kopf-Konsum

von Sabine Brandes  05.07.2026

Ehemalige Geiseln

Wenn aus Ketten Freudentänze werden

Hennafeier von Eliya Cohen und Ziv Abud: Das Paar feiert seine Liebe und bereitet sich auf die Hochzeit im August vor

von Sabine Brandes  03.07.2026