Ehemalige Geiseln

Wenn aus Ketten Freudentänze werden

»Toda Aba« - der Mantel von Eliya Cohen mit der besonderen Bedeutung Foto: Screenshot Instagram

Ehemalige Geiseln

Wenn aus Ketten Freudentänze werden

Hennafeier von Eliya Cohen und Ziv Abud: Das Paar feiert seine Liebe und bereitet sich auf die Hochzeit im August vor

von Sabine Brandes  03.07.2026 15:09 Uhr

Als Eliya Cohen die Hände hebt und den Schehechejanu-Segen für besondere Anlässe spricht, ist es ganz still. Kurz darauf tönt ohrenbetäubend laute Musik durch den Saal. Hände klatschen im Rhythmus, die Menschen johlen und beginnen zu tanzen. Diese klassische Henna-Zeremonie in Israel ist nicht irgendeine. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die totgeglaubt waren. die ehemalige Geisel Eliya Cohen und seine Verlobte Ziv Abud, die den »Todesbunker« des Nova-Festivals überlebte.

Im Oktober machte Cohen seiner Freundin einen Heiratsantrag, knapp acht Monate nach seiner Freilassung. Die Hochzeit ist für August geplant. Als das Paar nach dem Antrag auf ihre Freunde und Familie zugingen, rief Cohen lachend: »Wir haben es geschafft!«. Die Henna-Party ist für beide nicht nur Auftakt der Feierlichkeiten für ihre Hochzeit im August, es ist der Beweis, dass sie am Leben sind, dass Sorge, Trauer und Ungewissheit der Zukunft gewichen sind und ihre Liebe gesiegt hat.

Besondere Aufmerksamkeit gilt an dem Abend Eliyas traditionellem marokkanischen Henna-Gewand. Auf dem bunten Mantel steht in großen goldenen hebräischen Buchstaben: »Toda Aba« – »Danke, Vater«. Ein Satz, der Eliya nach eigenen Angaben durch seine gesamte Gefangenschaft in der Gewalt der Hamas in den Terrortunneln unterhalb Gazas getragen hat.

Ein traditionelles Gewand mit tiefer Bedeutung

»Das Gewand wurde von Kinneret Henna und Jina Laarusa entworfen«, erklärte er stolz und dreht sich stolz hin und her, während er es präsentiert. Es habe eine besondere Bedeutung. Denn: »Während der Geiselkrise trugen alle ihre Bräutigame ein ähnliches Gewand mit der Aufschrift ‚Bringt sie nach Hause‘. Jetzt, da ich der Bräutigam bin, haben wir beschlossen, es durch meinen eigenen Spruch zu ersetzen. Denn endlich gibt es keine Geiseln mehr in Gaza.«

Es sei bewusst als Zeichen gestaltet worden, dass »mein persönlicher Kampf ein Ende gefunden hat und Dankbarkeit an die Stelle der Angst getreten ist«. Unter den Worten ist die Zahl »505« aufgestickt. Es ist die Zahl der Tage, die der heute 29-Jährige in der Geiselhaft verbringen musste.

Bilder und Videos der freudigen Feier verbreiten sich innerhalb weniger Stunden in sozialen Netzwerken. Freunde, Angehörige und ehemalige Geiseln teilen Fotos und Videos. Viele ehemalige Geiseln sind mit dabei: Or Levy, der zusammen mit Cohen entführt worden war, und die Geschwister Maya und Itay Regev. Aufnahmen von der innigen Umarmung zwischen Cohen und Levy gingen im Internet viral. Auch Noa Argamani, selbst lange Geisel und Symbolfigur des Horrors des 7. Oktobers, feierte mit und gratulierte dem Paar auch öffentlich.

Ziv Abud nach 500 Tagen der Geiselhaft ihres Liebsten: »Wie wirst du reagieren, wenn du herausfindest, dass ich am Leben bin?«

Zahllose Herzen, Glückwünsche und Tränen begleiten einen Abend, der für viele Israelis weit über eine Familienfeier hinausgeht. Denn kaum jemand verkörpert den Wandel vom »Tod ins Leben« wie die junge Israelin Ziv Abud (27). Während Eliya in der Gewalt der Hamas war, wurde sie zu einer der sichtbarsten Stimmen der Angehörigen. Immer wieder sprach sie über Hoffnung – obwohl Eliya während seiner gesamten Gefangenschaft glaubte, sie sei am 7. Oktober ermordet worden.

Bevor die Terroristen sie überfielen, waren sie bereits acht Jahre lang ein Paar, verlobt, mit konkreten Hochzeitsplänen. Dann kam das Nova-Festival, der 7. Oktober, der unbeschreibliche Terror, als sie tanzen gingen. Zwei ihrer engsten Freunde wurden ermordet, Ziv überlebte, Eliya wurde nach Gaza verschleppt. Was blieb, war eine Beziehung, die sich plötzlich zwischen Leben und Tod abspielte.

Auch in dieser Zeit vergaß Ziv nie das, was sie und Eliya vorhatten. Zerrissen von der Ungewissheit und Hoffnung, posierte sie auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv. »169 Tage sind vergangen, in denen die Geiseln von der Hamas gefangen gehalten werden. 169 Tage, in denen sie nicht das Licht der Welt erblickt haben und unter Hunger und unerbittlicher Misshandlung leiden«, sagte sie damals in ihrem Hochzeitskleid, das sie Gelb gefärbt hatte, der symbolischen Farbe des Kampfes zur Befreiung der Geiseln.» Eisenketten und Fotos hingen an dem Stoff, auf ihrer Brust ein blutendes Herz mit dem Bild ihres Verlobten.

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Sie erhielt erst nach 500 Tagen ein Lebenszeichen

Später, nach 500 Tagen, schrieb sie in sozialen Medien über ein erstes Lebenszeichen: «Ich habe keine Worte dafür zu erklären, wie schmerzhaft es ist zu wissen, dass du leidest, dass du hungrig bist, dass es schwer für dich ist, aber dass du auch stark bist.» Und sie stellte eine Frage, die alles zusammenfasst: «Wie wirst du reagieren, wenn du herausfindest, dass ich am Leben bin?» Denn ihr geliebter Eliya hatte keine Ahnung, dass seine Ziv noch am Leben war.

Umso stärker wirken nun die Bilder der Hennafeier. Aus Ketten sind Schmuck geworden, aus Protestkleidung traditionelle Festgewänder, aus der Ungewissheit ein gemeinsamer Weg Richtung Hochzeit. Wenn Eliya und Ziv tanzen und sich anlächeln, wenn sich die Familien glücksstrahlend umarmen, dann liegt darin nicht nur Freude, sondern auch eine Erleichterung, die sich schwer in Worte fassen lässt. Das Fest der Liebe ist an diesem Abend auch ein Übergang. Der vom Überleben zurück ins Leben.

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