Gesundheit

Rezept gegen die Pillen

Wird in Israel viel zu schnell und sorglos verschrieben: das süchtig machende Opioid Oxycontin Foto: picture alliance / REUTERS

Gesundheit

Rezept gegen die Pillen

Neue Vorschriften sollen den Missbrauch opioidhaltiger Medikamente eindämmen. Israel führt weltweit beim Pro-Kopf-Konsum

von Sabine Brandes  03.07.2026 13:07 Uhr

Es sollen Rezepte gegen die Pillen sein. Seit Freitag gelten neue Vorschriften des Gesundheitsministeriums, die den Umgang mit den Medikamenten strenger regeln. Ziel ist es, Missbrauch einzudämmen, Rezeptfälschungen zu verhindern und die wachsende Zahl von Abhängigkeiten zu bekämpfen – ein Problem, das Israel in den vergangenen Jahren traurige Schlagzeilen beschert hat.

Kern der neuen Regelung ist, dass Rezepte für Opioide nur noch fünf statt bisher 15 Tage gültig sind. Außerdem darf über handgeschriebene Rezepte von Ärzten künftig nur noch eine Medikamentenmenge für maximal fünf Behandlungstage ausgegeben werden. Das Gesundheitsministerium will damit vor allem den Umstieg auf digitale Rezepte fördern. Diese seien fälschungssicher und ermöglichten eine bessere Kontrolle der Verschreibungen, heißt es aus Jerusalem.

Rezepte sollen digital verfolgt werden

Auch dürfen ab sofort handschriftliche Rezepte nur noch in Apotheken eingelöst werden, die an das Computersystem der Krankenkassen angeschlossen sind. So können Apotheker überprüfen, ob Patienten im vergangenen Monat bereits opioidhaltige Medikamente erhalten haben. Gleichzeitig werden alle Abgaben, auch bei privaten Käufen ohne Beteiligung der Krankenkassen, dokumentiert.

Ärzte, die solche Rezepte ausstellen, müssen ihre Patienten zudem darüber informieren, dass die Verschreibung an die Krankenkassen gemeldet wird. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums soll dadurch verhindert werden, dass Patienten mehrere Rezepte parallel einlösen. Es sei so erstmals ein vollständiger Überblick über sämtliche opioidhaltigen Verschreibungen eines Patienten möglich.

»Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Programms, das das Gesundheitsministerium gemeinsam mit den Krankenkassen in den vergangenen Jahren umgesetzt hat, um den Missbrauch von Opioiden einzudämmen«, erklärte das Ministerium. Bereits jetzt sei der Verbrauch opioidhaltiger Präparate zurückgegangen, »wobei gleichzeitig die kontinuierliche Versorgung der Patienten gewährleistet bleibt, die diese Medikamente benötigen«.

Gesundheitsministerium: »Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Programms, das in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde, um den Missbrauch von Opioiden einzudämmen.«

Die Verschärfung kommt nicht überraschend. Israel kämpft seit Jahren mit einer Opioidkrise, die im internationalen Vergleich besonders gravierend ist. Bereits 2023 zeigte eine Studie des Taub-Zentrums für Sozialpolitik, dass Israel weltweit den höchsten Opioid-Konsum pro Kopf aufweist.

Zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten gehören Präparate mit dem Wirkstoff Fentanyl. Das synthetische Opioid gilt als etwa 50-mal stärker als Heroin und rund 125-mal stärker als Morphium. Es wird unter anderem in Schmerzmitteln wie Oxycontin eingesetzt und kommt vor allem bei starken Schmerzen zum Einsatz.

Ursprünglich wurden Opioide bis in die 1990er-Jahre überwiegend bei Krebserkrankungen oder nach Operationen verschrieben.

In den 2000er-Jahren weitete sich ihr Einsatz jedoch erheblich aus. Trotz wachsender Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit wurden sie zunehmend auch bei chronischen Rücken-, Gelenk- oder Nervenschmerzen eingesetzt. Mit den steigenden Verschreibungszahlen nahm auch das Risiko von Abhängigkeit und Missbrauch zu.

Entwicklung erinnert an Opioid-Krise in den USA

Die Entwicklung erinnert an die Opioidkrise in den USA. Dort war jahrzehntelang Heroin das am häufigsten konsumierte illegale Opioid. Ende der 2010er-Jahre verlagerte sich die Krise jedoch auf synthetische Opioide – allen voran Fentanyl. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention stiegen die Todesfälle durch Überdosierungen in dieser Zeit dramatisch an.

Im Zentrum der Affäre stand die Unternehmerfamilie Sackler, deren Unternehmen Purdue Pharma das Schmerzmittel Oxycontin entwickelte und vermarktete und später weltweit wegen seiner Vermarktungsstrategie verklagt wurde.

Israel will nun verhindern, dass die Opioid-Krise im eigenen Land tragische Ausmaße wie in den USA einnimmt, wo schätzungsweise mehr als eine Million Menschen an den Folgen einer Opioid-Abhängigkeit starben.

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