Israel will den Englischunterricht an Mittelschulen künftig stärker mit Hilfe Künstlicher Intelligenz gestalten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Bildungsminister Yoav Kisch kündigten am Sonntag ein landesweites Programm an, bei dem Schüler personalisierte Lernangebote über digitale Systeme erhalten sollen. »The Times of Israel« berichtete.
Vorgestellt wurde die Initiative namens »Projekt 720« in der Dekel-Vilnai-Mittelschule in Ma’ale Adumim. Die Bildungseinrichtung gehörte zu 28 Schulen, die zuvor an einem Pilotprojekt mit KI-gestützten Lernsystemen teilgenommen hatten.
Bildungsminister Kisch bezeichnete das Vorhaben als eine der größten Veränderungen im israelischen Bildungssystem. »Es wird jedem Schüler ermöglichen, entsprechend seinen eigenen Fähigkeiten, seinem Lerntempo und seinen persönlichen Bedürfnissen zu lernen«, sagte er. Israel werde damit bei der Integration von Künstlicher Intelligenz in Schulen international eine Vorreiterrolle übernehmen.
Für Schüler und Lehrer
Das Konzept soll das bisherige Modell eines einheitlichen Unterrichts für alle Schüler ersetzen. »Wir bewegen uns weg von einem Einheitsansatz hin zu einer Realität, in der jeder Schüler die Möglichkeit hat, auf eine für ihn passende Weise zu lernen«, erklärte Meirav Zarviv dem Bericht zufolge aus der Innovations- und Technologieabteilung des Bildungsministeriums.
Nach Angaben des Ministeriums soll KI nicht nur Schüler unterstützen, sondern auch Lehrkräften helfen. Sie sollen durch Daten und digitale Werkzeuge besser in der Lage sein, einzelne Kinder gezielt zu begleiten.
Der Start des Programms fällt in eine Phase, in der Israels Schulen mit erheblichen Problemen beim Englischunterricht kämpfen. Bei den Prüfungen im vergangenen Jahr erfüllten laut der Nationalen Behörde für Bildungsbewertung nur 22 Prozent der Neuntklässler die Anforderungen des Lehrplans.
Ausweitung auf Mathematik
Ob das bisherige Pilotprojekt tatsächlich erfolgreich war, ist allerdings noch nicht belegt. Das Bildungsministerium bezeichnete den Test mit 28 Schulen zwar als Erfolg, veröffentlichte bislang aber keine Ergebnisse. Diese sollen nach Ministeriumsangaben bis Ende Juli vorliegen.
Im kommenden Schuljahr soll »Projekt 720« an 180 Schulen eingesetzt und auf weitere Fächer wie Mathematik und Naturwissenschaften ausgeweitet werden. Parallel dazu soll das Programm »Englisch für alle« den KI-gestützten Englischunterricht auf alle Mittelschulen ausdehnen.
Wie genau die landesweite Umsetzung aussehen soll, ist jedoch noch offen. Das Ministerium teilte mit, dass zunächst die bereits vorhandene digitale Ausstattung der Schulen genutzt werde. Eine Auswahl der technischen Systeme laufe noch, Schulungen für Lehrer sollen erst mit Beginn des neuen Schuljahres starten und anschließend fortgesetzt werden.
Chancen vs. Zweifel
Für die Programme sind nach Angaben des Ministeriums rund 130 Millionen Schekel (etwa 45 Millionen Dollar) vorgesehen. Laut einem Bericht der Zeitung »Haaretz« sollen unter anderem Unternehmen wie Google und Microsoft beteiligt sein. Das Ministerium wollte jedoch keine Angaben zu den beteiligten Technologieunternehmen machen.
Netanjahu erklärte, Israel sei eines der ersten Länder, das KI für personalisiertes Lernen jedes einzelnen Schülers einsetze. Während der Ministerpräsident und sein Bildungsminister die Chancen der neuen Technologie hervorheben, äußern Bildungsexperten Zweifel an der KI-Methode. im