Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer des Terrorangriffs. Präsident Isaac Herzog entzündete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze in Erinnerung an die Toten und Verletzten. Um diese Zeit begann der Überfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden. »Drei Jahre seit diesem schrecklichen Morgen, drei Jahre Schmerz, Verlust und Erinnerung, die nicht ausgelöscht wird«, schrieb er auf der Plattform X.
Um 06.29 Uhr, dem genauen Moment, an dem die Terrororganisation Hamas vor drei Jahren ihren Angriff begann, wurde eine landesweite Schweigeminute abgehalten. Im Kibbuz Kfar Aza, der nah am Gazastreifen liegt, begann zu dieser Zeit eine Gedenkveranstaltung.
Am Morgen versammelten sich auch Polizisten an damaligen Kampfstätten im Süden des Landes, darunter in Sderot, um ihrer gefallenen Kolleginnen und Kollegen zu gedenken, wie die Polizei auf X schrieb. Trauernde kamen zudem auf das Gelände des Nova-Musikfestivals in der Nähe des Kibbuz Reim, um ihrer getöteten Angehörigen und Freunden zu gedenken. Bei der zentralen Gedenkfeier am Abend sollen zudem rund 50.000 Menschen in einem Park in Tel Aviv zusammenkommen, wie das israelische Radio berichtete.
Der Dizengoff-Platz im Herzen von Tel Aviv ist eine nicht-organisierte, aber zentrale Gedenkstätte für die Menschen, die Angehörige oder Freunde verloren haben. Rund um den Brunnen sind Fotos, Kerzen und auch eingerahmte Briefe sowie Erinnerungsstücke der Opfer des Angriffs und gefallener israelischer Soldaten aufgestellt. Am Mittwochmorgen färbten Aktivisten das Wasser als Symbol für das vergossene Blut während des schlimmsten Massakers in Israels Geschichte rot.
Eine weitere Schweigeminute fand als »Ruf nach einer unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission zu den Angriffen« um 12 Uhr mittags im ganzen Land statt. Aufgefordert dazu hatte der Oktober-Rat (October Council). Nach Angaben der zivilgesellschaftlichen Organisation hatten mehr als 500 Kommunen, Universitäten, Krankenhäuser, Schulen, Unternehmen, Museen und andere Einrichtungen zugesagt. In Anlehnung einer Sirene, die an den staatlichen israelischen Gedenktagen zu hören sind, ließen die Demonstranten ein Horn ertönen.
Auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv hielten zu diesem Zeitpunkt Bilder der in Gaza getöteten Geiseln in die Höhe. »Eine unabhängige Untersuchungskommission ist für die Ermordeten und ihre Familien unerlässlich«, erklärte der Oktober-Rat. »Eine Regierung, die sich weigert, das Zurücklassen der Opfer zu untersuchen, setzt das Fehlverhalten fort.«
»Todesbunker« werden nationales Kulturerbe
Die sogenannten »Todesbunker« am Straßenrand werden nationales Kulturerbe. Das erklärte der Minister für Kulturerbe, Amichai Eliyahu. »Die Ereignisse des 7. Oktober haben eine tiefe Wunde geschlagen, doch sie haben auch außergewöhnliche Stärke, Heldenmut und gegenseitige Verantwortung offenbart, an die man sich noch über Generationen hinweg erinnern wird«, so Eliyahu. Die Schutzräume entlang der Straßen im Grenzgebiet zum Gazastreifen waren Schauplätze von Massenmorden und auch außergewöhnlichen Heldentaten.
Hamas-Terroristen schossen in die Schutzräume, warfen Granaten hinein und verschleppten mehrere der dort Schutzsuchenden, die meisten vom Nova-Musikfestival in der Nähe des Kibbuz’ Re’im. In den Bunkern wurden insgesamt 90 Menschen ermordet und fünf verschleppt. Aufgrund der Entscheidung dürfen die Schutzräume weder abgerissen oder baulich verändert werden. Ziel ist es, sie als, wie das Ministerium es formulierte, »lebendiges Zeugnis der Ereignisse vom 7. Oktober 2023 zu bewahren«.
Bei dem Überfall am 7. Oktober 2023 wurden auch 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Nach israelischen Angaben kamen damals rund 6.000 Terroristen der islamistischen Hamas und anderer Terrororganisationen nach Israel. dpa/ja/sbr