Laut einer aktuellen palästinensischen Umfrage ist die Unterstützung für die Hamas weiter gesunken. Nur noch 19 Prozent der Befragten gaben an, die Terrororganisation zu unterstützen, verglichen mit 24 Prozent im August und 35 Prozent im August 2025.
Die Zahlen gehen aus einer am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research (PCPSR) unter Leitung des Politikwissenschaftlers Khalil Shikaki hervor.
Besonders deutlich sei der Rückgang im Westjordanland. Dort unterstützten nur noch 13 Prozent der Befragten die Hamas, verglichen mit 32 Prozent im Oktober des vergangenen Jahres. Im Gazastreifen liege die Zustimmung der Befragung zufolge bei 27 Prozent, nach 33 Prozent im August und 41 Prozent im Oktober 2025.
Immer weniger Palästinenser glauben, die Hamas habe den Krieg gewonnen
Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass immer weniger Palästinenser glauben, die Hamas habe den Krieg gegen Israel gewonnen, der mit dem Massaker der Terrororganisation am 7. Oktober 2023 in südlichen israelischen Gemeinden mit 1200 Toten und 251 Geiseln begann.
Demzufolge würden nur 16 Prozent die Hamas als Sieger sehen, verglichen mit 39 Prozent im Oktober 2025 und 70 Prozent im Dezember 2023. 17 Prozent sind der Ansicht, Israel habe den Krieg gewonnen. Eine Mehrheit von 62 Prozent glaubt, dass keine der beiden Seiten als Sieger hervorgegangen ist.
Auch die anderen politischen Parteien verlieren an Rückhalt: Die Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas liegt zwar knapp vor der Hamas, erhält aber lediglich 22 Prozent Unterstützung. Genau ein Drittel der Befragten habe erklärt, keine der genannten Parteien zu unterstützen. Besonders im Westjordanland meinen das mit 48 Prozent besonders viele Palästinenser.
Insgesamt 74 Prozent lehnen eine Entwaffnung der Terrororganisation vor einem vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen ab.
Eine Zwei-Staaten-Lösung mit der Gründung eines Palästinensischen Staates wünschen sich mehr als die Hälfte der Menschen (53 Prozent). 44 Prozent lehnen das ab (Die Zustimmung liegt im Westjordanland bei 56 Prozent und im Gazastreifen bei 48 Prozent.)
Das PCPSR fragte auch danach, ob diplomatische Verhandlungen Erfolg haben könnten. »42 Prozent sehen die als den wirksamsten Weg, die israelische Besatzung zu beenden und einen palästinensischen Staat zu erreichen«, heißt es. Noch immer halten jedoch 33 Prozent den bewaffneten Kampf für den effektivsten Ansatz. 18 Prozent der Befragten setzten hingegen auf einen Volkswiderstand ohne Gewalt.
Die Bereitschaft zu politischen Veränderungen bedeutet jedoch nicht, dass die Palästinenser bereit wären, die Waffen der Hamas aufzugeben. Insgesamt 74 Prozent lehnen eine Entwaffnung der Terrorgruppe vor einem vollständigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen ab. Aufgeschlüsselt liegt die Ablehnung im Westjordanland bei 78 Prozent, im Gazastreifen bei 69 Prozent.
61 Prozent der Befragten gaben sich wenig hoffnungsvoll
Für die künftige Verwaltung der Palästinenserenklave stößt ein vorgeschlagenes technokratisches Gremium, das sogenannte »National Committee for the Administration of Gaza« (NCAG), auf geteilte Zustimmung. Insgesamt 42 Prozent äußerten Vertrauen darin. (In Gaza 60 Prozent, im Westjordanland lediglich 29 Prozent.)
61 Prozent der Befragten gaben sich auch wenig hoffnungsvoll und meinen, dass die Sicherheitslage nach dem Waffenstillstand instabil bleiben wird. Die Umfrage wurde vom 7. bis 11. Oktober durchgeführt. Dafür befragten Mitarbeiter des PCPSR 1.400 Palästinenser persönlich, 909 im Westjordanland und 488 im Gazastreifen. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.