Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu soll US-Präsident Donald Trump dazu gedrängt haben, die Kampfhandlungen gegen den Iran wieder aufzunehmen. Und zwar noch vor den israelischen Wahlen am 27. Oktober und den US-Zwischenwahlen, die eine Woche darauf stattfinden. Das berichtete der israelische Kanal 12.
Netanjahu hatte nach Veröffentlichung des Berichts erklärt, gegen einen Angriff auf den Iran zu sein. »Meiner Meinung nach, ist das nicht günstig für uns«, sagte er in einem Interview mit dem Armeeradio.
Eine Wiederaufnahme des Krieges gegen das Mullah-Regime zu diesem Zeitpunkt könnte sowohl die israelischen Parlamentswahlen als auch die Wahlen in den USA erheblich beeinflussen. Obwohl Präsident Trump erklärt hat, den Iran vor den Wahlen nicht anzugreifen, befänden sich die israelischen Streitkräfte und das US-Zentralkommando laut Quellen, die in dem Bericht von Kanal 12 zitiert wurden, in höchster Alarmbereitschaft, um für den Fall eines Sinneswandels bereit zu sein.
Als einen der Gründe für die Notwendigkeit der Operation habe Netanjahu die besorgniserregenden neuen Schritte des Irans im Nuklearbereich genannt. »Bibi hat mehrmals mit dem Präsidenten darüber gesprochen, und der sagte zu ihm: ›Weißt du was, Bibi, mach dich bereit‹.« Aber er habe ihm keine wirkliche Zusage gegeben. »Es kann jetzt sein, später, vielleicht nie«, führte der hochrangige US-Beamter dazu aus.
Trump ändere seine Meinung dazu ständig
Trump erklärte seinerseits, er werde »sehr bald« eine Entscheidung bezüglich des Iran treffen. Den Beamten zufolge würde der US-Präsident seine Haltung in dieser Frage alle paar Tage ändern.
Bei Treffen mit Vertretern des Verteidigungsministeriums in Jerusalem habe Netanjahu dann jedoch behauptet, nicht er, sondern Trump habe die Diskussion über die Möglichkeit einer Wiederaufnahme umfassender Kämpfe gegen den Iran vor den Wahlen angestoßen. Trump habe ihn angeblich gefragt, ob Israel sich der Operation anschließen würde.
Die wichtigsten Befürworter einer Wiederaufnahme großangelegter Kampfhandlungen gegen den Iran innerhalb der US-Regierung sind Verteidigungsminister Pete Hegseth und das US-Zentralkommando (CENTCOM), so ein zweiter US-Beamter, der in Kanal 12 zitiert wurde.
US-Beamter: »Bibi glaubt, seine Stärke liege darin, in Kriegszeiten Premierminister zu sein.«
Die meisten Berater Trumps würden sich derzeit jedoch für die Fortsetzung der Sanktionen und des wirtschaftlichen Drucks aussprechen. »Sie behaupten, diese wirtschaftliche Strangulierung funktioniere immer besser«, sagte er weiter.
Das Weiße Haus ist sich Netanjahus innenpolitischer Erwägungen bewusst. »Bibi hat noch vor unseren Zwischenwahlen die Wahl bei sich. Er glaubt, seine Stärke liege darin, in Kriegszeiten Premierminister zu sein«, kommentierte der US-Beamte.
Auf eine Frage von Reportern an Trump, warum er für die anstehende Wahl in Israel noch keinen Kandidaten unterstützt habe, erwiderte er, das Thema habe keine Priorität für ihn. »Wir haben noch nicht einmal darüber nachgedacht«, so Trump. »Aber vielleicht unternehme ich ja doch noch etwas.«
In der vergangenen Woche hatte IDF-Chef Eyal Zamir mit dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs der USA, Dan Caine, über die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Kämpfe gegen den Iran innerhalb der nächsten drei Wochen gesprochen, wie eine mit dem Gespräch vertraute Quelle mitteilte.
Wiederaufnahme des Krieges könnte Wahl verschieben
Zamir habe dabei gesagt, dass eine Wiederaufnahme des Krieges in diesem Zeitfenster zur Verschiebung der israelischen Wahlen führen könnte, da der Iran sicher mit Raketenangriffen auf Israel reagieren würde.
Und damit steht er vor einem Dilemma: Ein Angriff noch bevor die Israelis am 27. Oktober an die Urnen gehen, könnte von Teilen der Bevölkerung als politisches Manöver Netanjahus wahrgenommen werden und damit das Vertrauen in die israelische Armee – die nach wie vor weitgehend als unpolitisch gilt – untergraben.
Wie der Kanal 12 weiter berichtete, hätten israelische Sicherheitskreise erklärt, dass es momentan keine Änderung in der Geheimdienstbewertung zum Iran gebe, die eine israelisch-amerikanische Militäroperation in den kommenden zwei bis drei Wochen rechtfertigen würde.