Jerusalem

Israel begeht den Jom Haschoa im Zeichen des Krieges – Netanjahu kritisiert Europa

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: POOLw

Mit landesweiten Zeremonien hat Israel am Montagabend den Holocaust-Gedenktag Jom Haschoa begonnen. Überschattet wurde das diesjährige Gedenken vom Krieg mit dem Terrorsponsor Iran, in dem derzeit eine Waffenruhe gilt, sowie mit der libanesischen Terrororganisation Hisbollah. Die zentrale Veranstaltung in Yad Vashem wurde wegen der angespannten Sicherheitslage zu einem nicht bekannten Zeitpunkt aufgezeichnet und später ausgestrahlt. »The Times of Israel« und andere israelische Publikationen berichteten.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nutzte seine Ansprache für deutliche Kritik an Europa. Der Kontinent leide an »tiefer moralischer Schwäche«, sagte er. Europa habe seit dem Holocaust »so viel vergessen« und verliere die Kontrolle über seine Identität, seine Werte und seine Verantwortung, die Zivilisation gegen Barbarei zu verteidigen.

Israel dagegen vergesse diese dauerhafte Verpflichtung nicht, erklärte Netanjahu weiter. Gemeinsam mit den USA und weiteren Partnern verteidige der jüdische Staat nicht nur sich selbst, sondern die gesamte freie Welt. Israel stehe zusammen mit den Vereinigten Staaten an vorderster Front.

Schwerer Schlag

Mit Blick auf gemeinsame Militäraktionen gegen Iran sagte Netanjahu, Israel und die USA hätten dem Regime einen schweren Schlag versetzt. Ohne das Vorgehen gegen nukleare und militärische Einrichtungen wären Orte wie Natanz, Fordow, Isfahan und Parchin womöglich mit ewiger Furcht verbunden worden – ähnlich wie Auschwitz, Treblinka, Majdanek oder Sobibor, so der Ministerpräsident.

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Auch Finanzminister Bezalel Smotrich äußerte sich scharf. Er reagierte auf Warnungen des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz vor einer faktischen Annexion des Westjordanlandes. Merz solle am Vorabend des Holocaust-Gedenktages lieber das Haupt senken und sich tausendfach im Namen Deutschlands entschuldigen, anstatt Israel moralische Belehrungen zu erteilen, schrieb Smotrich im Onlinedienst X.

Präsident Isaac Herzog mahnte derweil nationale Einheit an und sagte, Israel sei nicht aus der Asche des Holocaust entstanden, um nun im Feuer innerer Spaltung unterzugehen.

Sirene markiert Gedenken

Im Mittelpunkt von Herzogs Ansprache stand die Geschichte der Holocaust-Überlebenden Magda Baratz und ihres Urenkels Asaf Cafri. Der Reservist starb im vergangenen Jahr bei Kämpfen im Gazastreifen. Baratz erhielt die Nachricht vom Tod ihres Urenkels ausgerechnet während eines Besuchs in Bergen-Belsen, wo sie während der NS-Zeit gelitten hatte. Kurz darauf starb sie.

Zwischen beiden hätten exakt 70 Jahre gelegen, sagte der Präsident. Verbunden habe sie jedoch derselbe Geist – Mut, Hingabe und der Wille, für das einzige Zuhause des jüdischen Volkes zu kämpfen.

Heute Vormittag wird in Israel traditionell eine Sirene zwei Minuten lang ertönen, bei der das öffentliche Leben im ganzen Land stillsteht. Der Holocaust-Gedenktag erinnert zugleich an den Aufstand im Warschauer Ghetto.

»March of the Living«

Nach Angaben des israelischen Statistikamtes lebten zu Beginn des Jahres noch rund 111.000 Holocaust-Überlebende in Israel. In Jerusalem wurden die Mauern der Altstadt zum Gedenken mit dem Gelben Stern, Erinnerungslichtern sowie den Worten »Remember« und »Never Forget« angestrahlt.

Am früheren Vernichtungslager Auschwitz in Polen führen zudem etwa 50 Überlebende den diesjährigen »March of the Living« an. Begleitet werden sie von Betroffenen jüngerer antisemitischer Terroranschläge in den USA, Großbritannien und Australien. im

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